Steigende Agrarpreise: Niebel will Biospritverkauf verbieten

[16.08.2012]


Dirk Niebel FDP E10 Verbot Verkauf Tank oder Teller Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) Bundes-Entwicklungshilfe-Minister Dirk Niebel (FDP) will den Verkauf von Super mit einem Ethanolanteil von 10 Prozent (E10) in Deutschland vorübergehend stoppen. Dem Nachrichtensender n-tv sagte der Minister gestern: Der Ökosprit verschärfe den "Konflikt zwischen Tank und Teller". Vor allem bei den derzeit steigenden Lebensmittelpreisen könne das "zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen". Hinzu komme: Die Deutschen stünden E10 sehr skeptisch gegenüber.

Unverständnis in der Biospritbranche

„Ein Verbot von E10 wäre nichts anderes als Symbolpolitik, weil die bei weitem überwiegende globale Nachfrage nach Getreide und Mais nicht von den Bioethanolherstellern, sondern aus dem Futtermittelsektor kommt“, kontert Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Ein E10-Verbot habe keine Auswirkungen auf die Ernährungssituation in Entwicklungsländern. „Getreidepreise hängen wegen der Energiepreise maßgeblich am Rohölpreis, während die augenblickliche Preisentwicklung mit der Dürre in den USA zusammenhängt“, sagte Baumann. „Ein solches Verbot würde dazu führen, dass die billigste Kraftstoffsorte von der Tankstelle verschwindet.“

Für die Bioethanolproduktion wird nur der Stärkeanteil des Getreides genutzt, das verbleibende Protein wird zu Tierfuttermittel verarbeitet. Dies macht etwa 1/3 der Getreidepflanze aus. Von der deutschen Getreideernte gingen im vergangenen Jahr etwa vier Prozent in die Bioethanolproduktion, also rund 1,5 Mio. Tonnen. Dies machte etwa 0,1 Prozent der Weltgetreideernte aus. Daraus produzierten die deutschen Hersteller neben Bioethanol etwa 500.000 Tonnen Eiweißfuttermittel.

Hunger hat andere Gründe

Hunger entstehe durch Bürgerkriege, Korruption, Klimawandel und Armut. Bioethanol als Sündenbock zu präsentieren, führe nicht zu einer Lösung des Problems, so der VDB weiter. Vielfach seien die Weltmärkte zudem abgekoppelt von den lokalen Handelsplätzen in Entwicklungsländern, auf denen sich die Menschen mit Lebensmitteln eindecken. Preisschwankungen auf den Weltmärkten führten daher nicht automatisch zu Schwankungen der Preise im Inland.

„Die Forderung des Bundesentwicklungsministers steht in deutlichem Kontrast zu seiner bisherigen Politik. Durch diese unbedachte Äußerung widerspricht er nicht nur der bisherigen Politik seines Hauses, die Biokraftstoffe als Chance gerade für Entwicklungsländer begreift, sondern er verunsichert abermals die deutsche Industrie und bezieht damit eine ähnlich irrige Position wie seine Vorgängerin im Amt“, sagte Baumann. (ro/vdb)

Leserkommentare

4 Kommentar(e)
  • E 10

    [20.08.2012]

    Vielleicht sollten sich unsere Regierungsmitglieder mal abstimmen. Was wollen Sie denn? Im Bauernblatt konnte man lesen, dass Forscher an der Entwicklung eines E 20 Benzins und eines 85 %-igen Biosprits für unsere Autos basteln. Das tun sie doch wohl nicht, ohne das unsere Regierenden davon nichts wissen? Es scheint schon eine verlogene Mannschaft zu sein!

    von cubussus

  • Natürliche Grenze

    [19.08.2012]

    Nun bei den heutigen Stand der Dinge brauchen wir mit Bioenergie jährlich eine neue Weltrekordernte!Die Vorräte belaufen sich bei Weizenund Mais auf320 Millionen tonen.Das sind bei über 2 Mrd tonnen. Die 180 millionen To Weizen sind bei 680 Mill Erzeugung "komfortabel" Bei Mais allerdings sind 140 Mil to schon sehr gering! Allerdings haben wir die Möglichkeit das Nahrungsmittel zu Bioenergie wird. Somit Herr Niebel ihre Partei ist einem freien Markt angetan deshalb sollte der Preis für Bioernergie so hoch oder nider sein das die Produktion von Bioernergie im Markt ab diesem Preis nicht mehr lohnt!!! Somit hört die übertriebene"Spekulation"ab da auf.Eine Grenze dieder Markt hat und ein hoher Preis daß sich die Nahrungsmittelproduktion lohnt!

    von elinge

  • Verlogen

    [16.08.2012]

    Natürlich weiß Niebel, dass seine Behauptungen Blödsinn sind. Und als Entwicklungshilfeminister sollte er auch die wahren Gründe des Hungers kennen. Das Schlimmste aber ist, dass solche Profilierungsheinis mit ihren Falschaussagen echte Diskussionen verhindern - und dadurch indirekt den Hunger in der Welt weit schlimmer begünstigen als es Bioenergie jemals könnte.

    von user10

  • kein Interesse

    [16.08.2012]

    Niebel hat wahrscheinlich kein Interesse an E10, da sein fliegender Teppich aus Afghanistan keine Freigabe für diesen Treibstoff hat...

    von wernerzwo

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