Finanzinvestoren haben den Agrar-Rohstoffmarkt entdeckt

[24.04.2012]


CBOT Börse CBOT Börse An den Terminmärkten für Agrarrohstoffe tummeln sich immer mehr Finanzinvestoren. Ob sie die Preisbildung von Lebensmitteln aber beeinflussen, ist umstritten, zumal die Agrarrohstoffmärkte ohnehin zur Instabilität neigen. Das hat Horst Reinhardt, Vorstand der Landwirtschaftlichen Rentenbank, am Montag anlässlich der Bilanzpressekonferenz erklärt. Er stellte hierzu eine neue Studie der Bank vor.
 
Demnach entwickelten sich die Preise seit der Liberalisierung der europäischen Agrarpolitik auch auf den innereuropäischen Agrarmärkten tendenziell volatiler. Wachsende Betriebe, die sich zunehmend spezialisieren und sich gleichzeitig stärker schwankenden Agrarpreisen gegenübersehen, müssten ihr betriebliches Risikomanagement ausbauen, lautet der Rat der Autoren. Vor diesem Hintergrund würden funktionierende Terminmärkte für die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft immer wichtiger, um die zunehmenden Preisrisiken globalisierter Agrarmärkte reduzieren zu können.
 
Da zumindest kurzfristig Übertreibungen an den Warenterminmärkten u. a. durch das gestiegene Engagement von Finanzmarktakteuren nicht ganz ausgeschlossen werden könnten, spricht sich Reinhardt für eine maßvolle Regulierung aus, die durchaus einen positiven Effekt auf die Volatilität der Terminmärkte haben und Preisschwankungen glätten könnte.
 
Eine wichtige Voraussetzung funktionierender Terminmärkte sei außerdem eine ausreichende Liquidität, so der Banker weiter. Die Regulierung müsse deshalb mit Augenmaß erfolgen und dürfe nicht zum Austrocknen bestehender Warenterminmärkte führen.

 
Spekulanten sind wichtig

Horst Reinhardt Horst Reinhardt Wie die Rentenbank in ihrem Geschäftsbericht weiter ausführt, sorgen gerade die Spekulanten für die notwendige Liquidität und machten damit Preisabsicherungsgeschäfte der Akteure mit physischem Warengeschäft erst möglich. Die langfristig insgesamt positiven Aussichten der Agrarmärkte lockten immer mehr Kapitalanleger in die Rohstoffmärkte. Die Anzahl der an Warenterminbörsen gehandelten Agrarterminkontrakte habe sich seit 2002 versechsfacht und zuletzt rund 44 % der insgesamt an Börsen gehandelten Rohstoffterminkontrakte entsprochen. Agrarrohstoffe bilden damit laut dem Bankvorstand nach der Kontraktzahl die größte Anlageklasse unter den Rohstoffen. Solange die Erfüllung des Termingeschäftes nicht an die physische Lieferung des Basiswertes gebunden sei, könne das Handelsvolumen praktisch unbegrenzt ausgedehnt werden.
 
Reinhardt hält es für machbar, spekulative Blasen sowohl an den Agrarmärkten als auch an den Finanzmärkten durch eine bessere Datenbasis bzw. ein globales Informationssystem über Erzeugung, Lagerbestände und Verbrauch der wichtigsten Agrarrohstoffe einschränken zu können. Ein solches Agrarmarkt-Informationssystem habe die G-20 Mitte letzten Jahres beschlossen.

Solide Ergebnisse

Landwirtschaftliche Rentenbank Franfurt/Main Landwirtschaftliche Rentenbank Franfurt/Main Insgesamt zeigte sich die Förderbank sowohl mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2012 als auch mit dem Jahresabschluss 2011 sehr zufrieden. Nach einem Rekordergebnis im Jahr 2011 übertraf die Nachfrage nach Programmkrediten im 1. Quartal 2012 mit 1,3 Mrd. Euro (1,2) erneut das Vorjahresniveau. Zinsüberschuss und operatives Ergebnis lagen ebenfalls deutlich über dem Vorjahr. Zufrieden äußerte sich Reinhardt auch über das Emissionsgeschäft in den ersten drei Monaten: „Mit 4,4 Mrd. Euro (4,6) haben wir schon fast die Hälfte unseres Mittelbedarfs für 2012 zu günstigen Konditionen eingedeckt“. Das operative Ergebnis nach HGB lag im 1. Quartal 2012 mit 103,3 Mio. Euro (91,9) deutlich über Vorjahr und über Plan. (ad)

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