[24.11.2011]
Ernte in Russland
Die sogenannten russischen Agroholdings haben seit Ende der neunziger Jahre in vielen Teilen Russlands geholfen, die Produktivität der von ihnen aufgekauften überschuldeten landwirtschaftlichen Betriebe deutlich zu steigern. Das ist eines der zentralen Ergebnisse von Forschungen des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) zu russischen Agroholdings.
Heute ließen sich zwischen Agroholdings und anderen russischen Landwirtschaftsbetrieben allerdings keine wesentlichen Unterschiede in der Produktivität mehr ausmachen. Dr. Jürgen Wandel vom IAMO stellte auf dem Fachpodium klar, dass Agroholdings in den westlichen Ländern fälschlicherweise oft als „Megafarmen“ wahrgenommen würden. Tatsächlichen seien es agrarwirtschaftliche Unternehmensgruppen mit einer Holding an der Spitze und einem weit verzweigten Netz von Tochterunternehmen.
Charakteristisch für die Agroholdings sei, dass sie nicht nur landwirtschaftliche Produktionsbetriebe, sondern auch Lebensmittel verarbeitende und vermarktende Unternehmen umfassten. Eine der russischen Agroholdings betreibe sogar eine eigene Supermarktkette zur Vermarktung ihrer Produkte.
Konstantin Hahlbrock vom IAMO erläuterte, dass viele Agroholdings eine sechsstellige Hektarzahl landwirtschaftlicher Produktionsfläche bewirtschafteten. Die größten Unternehmensgruppen kämen auf bis zu 500 000 ha. Diese Flächen seien jedoch nie zusammenhängend, sondern auf Dutzende landwirtschaftliche Produktionsbetriebe verteilt, die im Falle einiger Holdings sogar tausende Kilometer voneinander entfernt lägen. Ein durchschnittlicher Agroholding-Tochterbetrieb bewirtschafte rund 5 300 ha landwirtschaftliche Nutzfläche.
Entstanden seien die Agrarkonzerne ab 1998, erläuterte Hahlbrock. Damals habe die Politik aufgrund einer Währungskrise des russischen Rubel ein Massensterben überschuldeter landwirtschaftlicher Betriebe befürchtet und private Investoren mit Subventionen und Steuererleichterungen gezielt zum Einstieg in den Agrarsektor motiviert. Diese hätten dann massiv Betriebe aufgekauft.
Agroholdings konzentrierten sich heute vor allem auf landwirtschaftliche Produktionszweige, die sich in der Bewirtschaftung industrieähnlich organisieren ließen. Ein weiteres Charakteristikum der Unternehmensgruppen sei es, dass sie sich relativ schnell wieder aus Produktionssparten zurückzögen, wenn die Gewinne sänken. (AgE)
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