Aigner bleibt hart: 0,00 % Gentechnik in Lebensmitteln!

[13.06.2012]


Ilse Aigner Ilse Aigner Wenn die EU-Kommission einen Wert von 0,1 % gentechnisch veränderten Bestandteilen in Nahrungsmitteln zulassen sollte, würde das dem Ziel einer umfassenden Verbrauchertransparenz widersprechen. Außerdem würde den Verbrauchern die Wahlfreiheit genommen. Daher lehne Bundesagrarministerin Ilse Aigner eine Aufweichung der Gentechnikregeln strikt ab, erklärte ihr Sprecher Holger Eichele am Montag.
 
Während diese Haltung in der Öffentlichkeit und auch bei vielen Landwirten auf Zustimmung stößt, sieht die FDP Gefahren für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wie der Focus berichtet, mahnt u.a. Wirtschaftsminister Rösler (FDP), dass Wachstum und Wohlstand nur möglich sei, wenn man modernen Technologien aufgeschlossen gegenüberstehe. „Es macht keinen Sinn, wenn wir uns von vornherein einer Technologie verschließen“, erklärt er gegenüber Pressevertretern. Und FDP-Agrar-Sprecherin Christel Happach-Kasan warf Aigner vor, die Linie des Koalitionsvertrages im Alleingang zu verlassen. Darin sei eine praktikable Umsetzung der Nulltoleranz vereinbart.
 
Aigner dagegen sieht sich durch das Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom September 2011 bestätigt, dass u.a. die Nulltoleranz hervorgehoben hat. Sie bringt damit allerdings weite Teile der Lebensmittelwirtschaft gegen sich auf und provoziert einen neuen Koalitionsstreit mit der FDP, so die Zeitschrift.

Rückendeckung bekommt Aigner auch vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): „Wenn Rösler behauptet, dass nur derjenige technologieoffen ist, der die Nulltoleranz abschafft, dann hat er das Problem nicht verstanden", sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. "Mit den angeblichen Import-Problemen wird von der Industrie ein Popanz aufgebaut, der einer Realitätsprüfung nicht standhält: Die Rückweisung verunreinigter Chargen kommt praktisch nicht vor", kontert er.

Nach den Plänen der EU-Kommission sollen die weniger strengen Gentechnik-Regelungen für Futtermittel auf Lebensmittel übertragen werden. Dies fordern vor allem die Importeure von Agrarrohstoffen. Deren Warnungen vor Versorgungsengpässen bei Importfutter- und -lebensmitteln wegen des Nulltoleranz-Prinzips haben sich nach Erkenntnissen von Aigners Ministerium bisher aber nicht bestätigt. (ad)

Hintergrund:
Gentechnik in Lebensmitteln: Aigner will Lockerung verhindern (11.6.2012)

Leserkommentare

5 Kommentar(e)
  • Und wieder mal

    [14.06.2012]

    verwechseln einige die verschiedenen Arten von Gentechnik. Es gibt gravierende Unterschiede zwischen roter und grüner Gentechnik. Zwischen der Gentechnik, mit der Medikamente und Zusatzstoffe hergestellt werden und solcher, mit der Pflanzen verändert werden, damit sie in der Umwelt andere Eigenschaften entwickeln. Wer hier den Verbraucher zu täuschen versucht, in dem er sagt, es wäre ja auch durch einige Zusatzstoffe bereits Gentechnik in der Nahrung, macht sich lächerlich und zeigt eigentlich nur, dass er entweder vom Thema keine Ahnung hat oder eben die Verbraucher mutwillig um ihre Entscheidungsfreiheit bringen will. Am effektivsten würde diese Kundentäuschung natürlich mit einer GVO-Positivkennzeichnung bei Lebensmitteln funktionieren.

    von detmarkleensang

  • Wahlfreiheit

    [13.06.2012]

    Warum lassen wir die Verbraucher nicht an der Theke entscheiden, was sie kaufen wollen? Eine Positiv-Kennzeichnung ist längst überfällig.

    von arafa

  • mehr Gentechnik im Essen als viele denken

    [13.06.2012]

    Viele Zusatzstoffe in Fertiggerichten werden heute doch schon von gentechisch veränderten Organismen hergestellt. Wie man da von gentechnikfreien Essen sprechen kann ist mir ein Rätsel.

    von landfuerst

  • mehr Gentechnik im Essen als viele D

    [13.06.2012]

    von landfuerst

  • [13.06.2012]

    Der Verbraucher will keine Gen-Nahrungsmittel. Warum also müssen wir ihnen diese dann unbedingt aufzwingen? Nur damit so Konzerne wie zB Monsanto noch größere Gewinne einfahren können? Ich bin jedenfalls nicht freiwillig bereit mich vor derren Karren spannen zu lassen, zumal die unsere Interessen auch nur solange vertreten, wie es deren Bilanz zuträglich ist.

    von preuße

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