Antibiotika-Studie: Hat Remmel Betriebe mit Hähnchen verwechselt?

[10.02.2012]

Hähnchenküken
96,4 % aller Hähnchen in Nordrhein-Westfalen hätten Antibiotika bekommen. Das verkündete der grüne Landwirtschaftsminister Johannes Remmel im November in seiner Studie zum Antibiotikaeinsatz. Agrarstatistiker des rheinisch-westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung zweifeln die Zahlen aber jetzt an.

„Hier ist Agrarminister Remmel einem Irrtum aufgesessen“, schreiben Prof. Dr. Walter Krämer und Prof. Dr. Thomas Bauer. „Dieser Irrtum liegt darin, dass Betriebe mit Hähnchen verwechselt werden. Wahr ist vermutlich, dass nur 3,6 % der Hähnchen in Betrieben aufgezogen werden, die grundsätzlich auf Antibiotika verzichten“, so ihre Analyse. Es gebe aber viele Mastbetriebe, die einmal bei einem Mastdurchgang Antibiotika bräuchten und beim nächsten Durchgang nicht. Alle Personen, die die Zahl 96,4% verbreitet haben, hätten fälschlicherweise alle gemästeten Hähnchen dieser Betriebe als durch Antibiotika kontaminiert klassifiziert. Daher sei der Prozentsatz der mit Antibiotika behandelten Masthähnchen wahrscheinlich kleiner als 96,4%, sind sich die Fachleute sicher.

Eine genauere Betrachtung der dieser Zahl zugrunde liegenden Studie zeigt laut Krämer und Bauer, dass bei 83 % der untersuchten Mastdurchgänge mindestens eine Arzneimittelbehandlung vorgenommen wurde, während bei 17 % der Durchgänge keine Behandlung stattfand. „Aber auch diese Zahl liefert keinen Hinweis, wie viele Hähnchen tatsächlich mit Arzneimitteln behandelt wurden, da sich die Anzahl der Hähnchen je Mastdurchgang stark unterscheidet.“ Mehr Aufschluss liefert ihrer Meinung nach eine repräsentative Untersuchung des Niedersächsischen Agrarministeriums, die die tatsächliche Anzahl der behandelten Masthühner ausweist. Nach dieser Studie wurden 76 % der Masthühnchen in Niedersachsen mit Antibiotika behandelt.

Die Statistiker haben Remmels Studie daher zur "Unstatistik des Monats" gekürt. (ad)
 

Leserkommentare

19 Kommentar(e)
  • Damit kein falscher Verdacht aufkommt bei unseren Kunden:

    [13.02.2012]

    Kühe bekommen definitiv NICHT zu 100% Antibiotika! Wer so etwas behauptet kann kein Bauer sein! So ein Blödsinn und böswillige Unterstellungen, wir Bauern wären Medikamentenmissbräuchler, möchte ich als Milchviehhalter hier gar nicht sehen! Ja, Kühe lassen sich durchaus ohne Trockensteller und somit ohne Antibiotika trockenstellen. Ein Bauer sollte das eigentlich wissen. Und es geht ohne das die Kühe gleich tot umfallen oder sonstwie krank werden. Erst wenn Tiere krank werden brauchen sie doch Antibiotika. Manchmal. Nicht immer! Nie zu 100%!!! Welcher Tierhalter möchte bitte freiwillig kranke Tiere halten? Die ständig mit Antibiotika behandelt werden müssten? Wie es der Vorkommentator zum Ausdruck brachte. Grober Unfug so etwas!

    von detmarkleensang

  • @cairon

    [13.02.2012]

    du bist viel zu sachlich... sowas passt nicht in die grüne Idiologie! Übringens unsere Kühe bekommen auch zu 100% antibiotika, ähm Trockensteller, ach Quatsch ich vergaß die nicht trächtigen Einkalbinnen, die kommen an den Haken. Hier zeigt sich wieder einmal wie mit Macht Medien und Verbraucher manipuliert werden! Die Grünen sind da Könige der Meinungsmache. Ist ja auch einfach, die breite Masse der Journalisten sind links angehaucht und sind sehr zugänglich für solche Themen.

    von christian3009

  • Datensicherheit ist wichtig

    [13.02.2012]

    Bei einer Studie sollten die Daten schon stimmen, mal eben so daneben zu greifen finde ich schon bedenklich. Was ich noch bedenklicher finde ist aber, dass hier eine Treibjagd auf einem Nebenkriegsschauplatz statt findet. Nach der Meinung von Alexander Friedrich, der am Uniklinikum Groningen an resistenten Keimen in Krankenhäusern und in der Landwirtschaft forscht, entstehen 90% der resistenten Keime durch die nicht sinnvolle Einnahme von Antibiotika durch Menschen. Nur 10% der Keime sind auf die Tierhaltung zurück zu führen. Sicher muss auch in der Tierhaltung etwas getan werden, aber warum hält man sich beim eigentlichen Problem, den Krankenhäusern und der Humanmedizin so zurück?

    von cairon

  • Nachtrag und Hintergrund zu einem hier zitierten Professor

    [13.02.2012]

    „Hier ist Agrarminister Remmel einem Irrtum aufgesessen“, schreiben Prof. Dr. Walter Krämer und Prof. Dr. Thomas Bauer. Zitat aus dem Artikel. Wer sagt so etwas? Fragen wir mal http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Krämer_(Ökonom). Dort heisst es u.a.: Kritiker werfen Krämer einen „Hang zur Rechthaberei“ vor.[5] So nannte die Wochenzeitung Die Zeit Krämer einen „Professor Besserwisser“.[2] Außerdem stehe er gerne im Rampenlicht und verwende zu oft Kraftausdrücke. Zitatende Wikipedia. Auweia. Musste man sich da mangels Argumenten ne Rampensau zur Hilfe holen? Plagiats- und Manipulationsvorwürfe von Studien gegen Krämer, die dieser wenig erfolgreich mit Unterlassungsklagen und Strafanzeigen übler Nachrede bekämpfen wollte laut Wikipedia. GuteN8

    von detmarkleensang

  • Verbieten aus Vorbei !!!!!

    [12.02.2012]

    Nun die Linken/Grünen/Teile SPD wollen alles verbieten was irgenwie gefährlich ist.Das merkt man Hauptsächlich wenn Sie an die Regierung kommen.Sie Produktion wird zu Teuer wandert ins Ausland ab.Deshalb sollte das Bankrotte NRW Billigerweise die Hänchenmast verbieten.Oder die Nachteile ausgleichen die die Produktion verteuert.Um aber eine weise Weste zu behalten verteuet man nur und wundert sich das das Z.B. Hänchenfleisch aus dem Ausland kommt. Übrigens das wärs:Um Griechenland könnte man die Hänchenproduktion in NRW verbieten/durch Auflagen unmöglich machen und die Produktion nach Griechenland verlagern.Dann behalten die Linken Ihre weise Weste hat aber bestimmt Hänchenfleisch ohne Antibiotika denn die können erst aber 1% Gehalt messen.

    von elinge

  • Seelenverkäufer

    [12.02.2012]

    Nein, mit solchen Leuten die meinen, dem Remmel noch die Hose halten zu müssen, sollte man lieber nicht in ein Boot steigen, weiß man doch wer dort schon alles auf der Brücke sitzt! Ihr Käpitän wir Shettino noch den Rang ablaufen, gute Reise!

    von Slowfoot

  • Ja, wir sitzen alle in einem Boot

    [11.02.2012]

    und daher sollten gerade wir Erzeuger ein großes Interesse daran haben, möglichst sachlich und offen mit Problemen umzugehen. Die Vogelstraußstrategie hilft da nur kurzfristig. Verbraucher erwarten einen transparenten Umgang mit Themen wie Medikamenten Einsatz in der Nahrungsmittelproduktion. Wenn wir nichts zu verbergen haben, dann können wir das auch leisten. Wo es Probleme gibt, können und wollen wir nachbessern. Allerdings sind nachhaltige Lösungen nicht mit "Immer mehr - immer billiger" zu haben. Der "Kostenkönig" muss langfristig nicht der Gewinner sein. Nahrungsmittel haben mehr Attribute als nur einen (niedrigen) Preis.

    von Kirsten Wosnitza

  • Wir sitzen alle in einem Boot

    [11.02.2012]

    Zuerst sind wir Geflügelhalter dran ,keine 4000 Betriebe in BRD . Anschließend knapp 40000 Schweinehalter , da wartet man ab bis nächstes Jahr ,so muß man nur noch 30000 Betriebe kontrollieren , Bis man zur heiligen Kuh kommt hat sich alles beruhigt . 100 Prozent der Kuhbauern setzten Antibiotika ein ,alles andere ist falsch . Und wer 35Prozent Zuschuss kassiert und optiert,dh 54 Prozent der Investkosten nicht finazieren braucht wie unsere Rinderhalter sollten ganz vorsichtig sein.Wir wissen wo der Sickersaft in der Drainage läuft.

    von Fritzchen1

  • Du weißt ganz genau...

    [11.02.2012]

    ...das es auch in der Rinderhaltung genügend zu bemängeln gäbe! Laß die erstmal mit Geflügel und Schweinehaltern fertig sein und dann sind wir dran!

    von schorse77

  • Verwechslungen?

    [11.02.2012]

    Was haben hier jetzt Kühe, Bullen, AbL und Ökos zu suchen? Hier geht's um Hähnchen! Da bin ich Verbraucher. Ich bin der Kunde und ich will vernünftiges Hähnchen. Gibt es selbst auf Nachfrage nicht hier in der Gegend. Per Zufall bin ich letztens mal über einen tollen Erzeuger gestolpert. Übrigens bekennender Konvi! Nix Öko! - Als Milchviehhalter setze ich Antibiotika möglichst selten ein. Denn je öfter Antibiotika bei immer mehr Tieren eingesetzt wird, desto weniger wird es in immer kürzerer Zeit wirken, wenn man es mal braucht! Ich habe eine großes Interesse daran, Antibiotika möglichst nie einzusetzen, weil das nur bei kranken Tieren erforderlich ist. Ich will aber keine kranken Tiere halten! Hähnchenhalter sollten das nicht anders sehen..

    von detmarkleensang

  • Die Geschichte mit den Steinen und dem Glashaus

    [11.02.2012]

    Bitte vorsichtig argumentieren! Wieviele Kühe werden antibiotisch behandelt? Wie sind Trockensteller zu bewerten? Oder wie seiht es in der Bullenmast aus mit Kälberzukauf? Merkt ihr denn nicht das alles was der ABL und Ökos gegen Hähnchenmast vorbringen auch auf die Milchviehhalter irgendwann zurückfallen wird!?

    von schorse77

  • Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast…

    [11.02.2012]

    Oh mein Gott! Wie fürchterlich! Es sind nicht 96,4% der Hähnchen mit Antibiotika behandelt worden, sondern nur 83%. Nein, halt! Es sind sogar nur 76%! Dann haben wir ja überhaupt keine Probleme. Was haben wir ein Glück! --- Na immerhin führt diese ganze Aufregung dazu, dass mal genau nachgesehen und nachgerechnet wird. Ist doch auch schon mal was. Wusste man vorher doch alles nicht. Und es zeigt sich, dass auch ein Anteil von 76% mit Antibiotika behandelter Hähnchen noch so hoch ist, dass durch noch bessere Haltungsbedingungen viel Potential zu Medikamenten-Einsparungen vorhanden ist.

    von detmarkleensang

  • Wetten dass ...

    [11.02.2012]

    ... die Erkenntnis der Agrarstatistiker , obwohl selbige wohl ausgewiesene Fachleute sind , Herrn Remmel sch....egal ist ? Wichtig ist ihm eher , dass seine Sichtweise erst einmal für ordentlich Furore gesorgt hat .

    von bananenbaer

  • [10.02.2012]

    Aber erstmal die Leute verrückt machen. Da sitzt doch die Fleischmafia hinter. Die wollen nur billige Ware einkaufen.

    von heiko#001

  • [10.02.2012]

    Und es zeigt sich wieder einmal, welche Partei besser in der Oposition aufgehoben ist als in der Regierung . Vielleicht wachen jetzt auch manche BDMler und ABLer,daß sie das sinkende Schiff vor dem ersaufen noch verlassen.

    von Fritzchen1

  • Ökos

    [10.02.2012]

    von Fritzchen1

  • Unser Ökofuchs

    [10.02.2012]

    Ich glaube das wurde bewusst so dargestellt! Man sollte nix glauben was aus dem Ökobereich kommt...

    von schorse77

  • Die vier Grundrechenarten

    [10.02.2012]

    hätten genügt, um das richtige Ergebnis zu bekommen. Es waren nur 962 Fälle mit ganz wenigen Merkmalen und für die Beschung hatte man sagenhafte 4 Monate Zeit! Auf die 96,4% kann man vom Rechenweg und von der Interpretation her gar nicht kommen, wenn man nicht darauf kommen will! Statt der 546750 Tiere, die laut Studie in NRW antibiotikafrei aufgezogen wurden (3,6%), sind mindestens 1415940 Tiere antibiotikafrei aufgezogen worden! Kann man sich so verrechnen? Grüße: Georg Keckl

    von nls_keckl

  • Warum steht das nicht in der Bild?

    [10.02.2012]

    Oder ist diese Meldung nicht Sensationsträchtig genug?

    von ramsdorf

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