[25.07.2012]
Geflügel impfen
Gegen die Infektiöse Laryngotracheitis (ILT), eine schwere Atemwegserkrankung bei Hühnern, wird seit Jahren mit ILT-Viren geimpft. Ebenso lange befürchten Kritiker, dass sich die abgeschwächten Viren noch vermehren können. Die Impfviren könnten sich dann mit natürlichen Herpesviren zu neuen, gefährlichen Erregern kombinieren und die Tiere noch kranker machen. Genau das ist offenbar nun in Australien passiert.
Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Wissenschaftler von der Uni Melbourne berichtet, würden in dem Land bei Herpesviren in den Geflügelställen grassieren, die aus drei in Australien verwendeten Impfstoffen hervorgegangen sind. Teilweise lägen die Verluste bei 18 %. „Die neue Seuche ist entstanden, weil verschiedene abgeschwächte Herpesvirus-Impfstoffe in denselben Hühnenpopulationen verwendet wurden“, so die Genetikerin Joanne Devlin. Es müsse verhindert werden, dass so etwas in Zukunft wieder geschieht.
Zur Vorsicht mahnt auch das Friedrich-Loeffler-Institut. Es sei ein Charakter der Herpesviren, dass sie lebenslang im Körper bleiben – sowohl nach einer Impfung als auch nach einer natürlichen Infektion. Die Viren würden sich in die Nervenzellen zurückziehen und bei Stress wieder ausbrechen. Auf solche schlafenden Krankheitserreger könnten die Impfviren im Körper treffen und sich mit ihnen zu neuen, unangenehmen Erregern vermischen, erklärt Institutsleiter Thomas Mettenleiter, der selbst an ILT-Impfstoffen arbeitet. Die deutschen Vakzine seien aber andere als in Australien.
Wie beim Menschen ist der Einsatz von Lebendimpfstoffen auch in der Tierhaltung die Regel. „Die Mehrzahl der Impfungen erfolgt mit Lebendimpfstoffen über das Trinkwasser“, zitiert die Zeitung den Tierarzt Werner Lüthgen. Eine Impfung jedes einzelnen Tieres sei zu aufwändig. Weil den Hühnern über das Trinkwasser aber nur geringe Mengen an Viren zugeführt werden können, sei es Voraussetzung, dass sich der Impfstoff im Organismus des Wirttieres noch vermehrt, so der Fachmann. Mettenleiter ergänzt dazu aber, dass nie mehrere verschiedene Vakzine in derselben Region eingesetzt werden sollten. (ad)
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