BDM: Milchbauern werden aus dem Markt gedrängt

Romuald Schaber, Hans Foldenauer und Peter Guhl Romuald Schaber, Hans Foldenauer und Peter Guhl Angesichts der zunehmenden Konzentration auf dem Milchmarkt und steigender Produktionskosten sieht der BDM großen Handlungsbedarf für eine Bündelung der Rohmilch auf Erzeugerebene. Den Milcherzeugern werde eine echte Marktteilnahme immer mehr erschwert. „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es z.B. keinen Wettbewerb mehr. Wir Milchbauern müssen also sehen, das wir unsere Milch zusammenlegen und einen Preis machen, erst dann geben wir sie an die Molkereien“, sagte Peter Guhl von der Meg Milch Board. Er forderte darüber hinaus eine Abschaffung der Andienungspflicht an die Molkreien.

BDM-Vorsitzender Romuald Schaber bestätigte diese Forderung. In Dänemark beispielsweise sei man schon weiter. Dort bräuchten die Bauern nur 80 % an Arla liefern, der Rest sei frei an andere Genossenschaften lieferbar. Seine Forderung an die Bundesregierung lautet daher:

  • Unterstützung einer Bündelungs- und Informationskampagne. Viele Milchbauern wüssten das gar nicht.
  • Ermöglichung der Doppelmitgliedschaft wie in Dänemark. Das Milchpaket der EU verwehre das.
  • Überarbeitung der Krisenmechanismen. Derzeit würden sie bei einem Milchpreis von 21 Cent greifen; besser seien 30 Cent. Wird diese Grenze erreicht, müsste es freiwillige Mengenstilllegungen geben sowie ein Aussetzen der Quotenzuteilung von 1 %, bis der Markt wieder stabil ist. Zur Umsetzung empfahl Schaber der Regierung, schnellstmöglich mit dem größten Milchlieferanten in Europa, Frankreich, zu sprechen.

In der Pressekonferenz ging der Vorsitzende auch auf das Milchpaket der High-Level Group ein. „Gut ist die Möglichkeit, Branchenverbände gründen zu können. Das bringt nur nicht viel, weil sie von der Kartellgesetzgebung her keine Absprachen treffen dürfen“, kritisierte Schaber. Er bemängelte zudem die unterschiedlichen Vertragsgestaltungen in der EU, die zu Ungerechtigkeiten führen. Kritik ernteten darüber hinaus die aus Sicht der BDM unzureichenden Bündelungsgrenzen sowie die Ungerechtigkeit bei der Ursprungskennzeichnung. „Regionale Anbieter dürfen ihre Produkte kennzeichnen, der Gesamtmarkt darf das bei Milch aber nicht.

BDM-Sprecher Hans Foldenauer formulierte abschließend die Ziele für 2012: „Unser Hauptaugenmerk wird darauf gerichtet sein, wie die Milcherzeuger nachhaltig ihre Wertschöpfung durch ihre Markterlöse erzielen können. Wir halten das auch im Sinne der Vitalität der ländlichen Räume für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabenstellung.“ Dazu zählen ein unabhängiges Marktmonitoring, schnelle, verbindliche Marktanpassungsschritte ebenso wie die Flexibilität im Produktionsverhalten. (ad)

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16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Ghostbusters · 1.
    2. Oder doch?

    Wenns nach unten ging schneller als nach oben. Mit denen kann mans ja machen oder besser gesagt: Mit den Dummen treibt man die welt um.

  2. von Ghostbusters · 2.
    Milchbauern waren bisher doch am Markt gar nicht beteiligt!

  3. von agroalf · 3.
    Lauter olle Kamellen

    Mein Gott, der BDM wird sich nie weiter entwickeln, bevor nicht der letzte Milchbauer gekündigt hat. Ein Prozent Quotenaufstockung aussetzen! Dann liegen wir eben EU-weit 4 % unter der Quote statt 5. Ändert insgesamt gar nix! Aussetzen geht eh nur, indem das ganze in die nationale Reserve geht, was in der BRD wieder ausschließlich den Überlieferern bei der Saldierung nützt. Effekt gleich Null. Jahrelang diskutiert, Schaber nix dazu gelernt. Doppelmitgliedschaft ist nur ein verzweifelter Versuch, die sog. "MeG" Milchboard am Leben zu erhalten. Eine Vereinigung die so gut wie gar keine Milch verkauft. Sinnlos. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass sich Bauern zusammenschließen können. Schön dass das der BDM in MeckPomm jetzt auch schon weiß.

  4. von goodman · 4.
    BDM

    War der BDM schon mal am Markt, mit der fairen Milch wird er nicht unser aller Milch verkaufen?!!!!

  5. von elinge · 5.
    Was stimmt nicht an der Aussage des BDM???

    Milcherzeuger werden aus dem Markt gedängt?? Die haben ja nur geschlafen sonst hätten sie schon.... Wenn der Durchschnittsbetieb heute 250-500 Kühe hätte ---gäbe es da genausviel Betriebe wie heute??? Müßte er dann vielleicht nicht schon 1000 Kühe haben? Nein er hat geschlafen und müßte 5000 Kühe halten, jetzt wo in Rußland schon 18.000 er Kuhställe betrieben werden,müsste... Wir brauchen jedes Ha für die Ernährungssicherung muß da der Gunstbetrieb genau so gefördert werden wie der Benachteiligte,der nur mit Ausgleich bewirtschaften werden kann?? Ganz zu schweigen von großen Betrieben,auch Nebenerwerbslandwirte die Arbeiten gehen und die Arbeit für 4-7€ je h/400€ Arbeitslohn machen lassen. Aber die GROSSEN wollen nicht verzichten!!

  6. von werni · 6.
    Glaubwürdigkeit

    Wenn sich der BDM an Schabers Ausführungen orientiert dann kommt er wieder zurück in die Spur.2012 wird es beweisen. zu Foldenauer er redet wie ein schlechter Politiker:Viel Reden und nichts Sagen.Es wäre durchaus mal angebracht seine Position zu überdenken.Meiner Meinung wäre er bei Biogas oder den Grünen besser aufgehoben

  7. von Dieter Müller · 7.
    Angepasster Krisenmechanismus bei teurer Milchproduktion!

    Das Gedächtnis der Milcherzeuger,unabhänig welchem Verband sie angehören, dürfte die letzte Milchkrise noch gut gespeichert haben. Ich hoffe das gilt auch für den Herrn Walter Heinrich der oft sogar die Sachlichkeit, bei seinen Kommentaren, vergisst. Damals wurden Milchpreise unter 21 Cent, teilweise sogar unter 17 Cent gezahlt. Die üblichen Einlagerungen reichten nicht aus, sodass verstärkt teuren Exporterstattungen und Liquiditätshilfen helfen mussten. Die beiden letzten Hilfen sind derzeit nicht mehr im Programm und nur mit Einlagerungen wird keine neue Krise gemildert. Zudem ist die Milchproduktion immer teurer geworden. Warum also nicht neue Ideen diskutieren und vernünftige präventive Massnahmen beschliessen.

  8. von walterheinrich · 8.
    Der BDM hat abgewirtschaftet!

    Der BDM hat noch nie etwas sinnvolles zur Agrarpolitik beigetragen und wird es auch nie tun. Dieser Verein mit seinem unglaubwürdigen Führungsduo kostet uns Milchbauern Geld. Auflösen - erlöst uns endlich!

  9. von Hardthof · 9.
    Allesamt gute Ansätze

    Gefordert sind nun wir Milcherzeuger! Den Skeptikern gegen eine Bündelung unserer Milch sei angeraten einen Schritt weiter zu denken! ...Wenn Milch gemeinsam angeboten wird, für einen Preis, der Molkereien in die Pflicht nimmt zu handeln,es aber keine andere Milch gibt, auf die Molkereien zurückgreifen können, dann wird auch die Molkerei ein Interesse daran haben, diesen Preis zu erwirtschaften. Und dass dies unter anderem von der Anlieferungsmenge abhängig ist,ist klar. Der Marktbeobachtung muss die Produktion folgen. Als allererstes müssen aber wir Milcherzeuger ein Zeichen setzen. Wir müssen zeigen, dass wir Handlungsfähig sein können. Dann wird die Politik gerne folgen. Einzelkämpfer sind sich selbst, und dem Markt überlassen!

  10. von landfuerst · 10.
    Groß oder Kelin?

    Ist doch egal. Ich weiß dass gerade große Betriebe mit Billigarbeitskräften arbeiten z. B. suchete KTG Agrar einen Schleperfahrer im NET für 6,5 € Studenlohn!! Ich bin alles andere als ein Sozi, aber ein Mindestlohn irgendwo zwischen 8 und 10 € halte ich für sinnvoll. So mancher müßte seine Produktionskosten vielleicht neu überdenken!! Aber es gibt auch Ökobauern die schwafeln von fairer Produktion und zu hause melkt der Osteuropäer für kleines Geld!!! Das geht dann auch nicht mehr!

  11. von slb · 11.
    Alles für die "Kleinen"??

    Die Forderungen sind Jenseits von Gut und Böse. Der BDM war schon immer realitätsfern und hat am Markt vorbei gedacht.Warum sollen die Betriebe unterstützt werden die in den letzten Jahren "vergessen haben" die notwendigen Investitions- Schritte in Ihrem Betrieb zu vollziehen? Werden diese Forderungen Realität würde nur Geld verbraten werden und zwar bei den Bauern und Molkereien. Wachsen oder weichen. Die letzteren machen sich auf einer Demo in Berlin gegenseitig froh.

  12. von sebontch · 12.
    Dass die...

    ... Bundesregierung eine Bündelungskampagne unterstützen soll ist eine total unrealistische Forderung, die zudem den Milcherzeugern nicht weiterhilft. Das ganze Bündelungsgeschwafel ist für die Katz. Wenn am Markt ein Überangebot herrscht, haben die Bauern eine schlechte Position, egal ob sie gebündelt sind oder nicht. Das andienen an mehrere Abnehmer ist nur bei Betrieben mit einer (Zwei)-Tagesproduktion von mehr als 25000 kg sinnvoll. Kleinere würden bei einer Splittung möglicherweise Staffelzuschläge verlieren, die Erfassungskosten steigen etc.. Also auch diese Forderung für die Katz. Lediglich Schabers dritter Punkt enthält sinnvolle Ansätze, welche er selbst jedoch durch das sinnlose Beiwerk seiner sonstigen Forderungen aus dem Focus nimmt.

  13. von sebontch · 13.
    Dass die...

    ... Bundesregierung eine Bündelungskampagne unterstützen soll ist eine total unrealistische Forderung, die zudem den Milcherzeugern nicht weiterhilft. Das ganze Bündelungsgeschwafel ist für die Katz. Wenn am Markt ein Überangebot herrscht, haben die Bauern eine schlechte Position, egal ob sie gebündelt sind oder nicht. Das andienen an mehrere Abnehmer ist nur bei Betrieben mit einer (Zwei)-Tagesproduktion von mehr als 25000 kg sinnvoll. Kleinere würden bei einer Splittung möglicherweise Staffelzuschläge verlieren, die Erfassungskosten steigen etc.. Also auch diese Forderung für die Katz. Lediglich Schabers dritter Punkt enthält sinnvolle Ansätze, welche er selbst jedoch durch das sinnlose Beiwerk seiner sonstigen Forderungen aus dem Focus nimmt.

  14. von Slowfoot · 14.
    Thema kann im Treff diskutiert werden

    BDM, das Wort zum Demosmstag

  15. von landfuerst · 15.
    Wolf im Schafsfell

    Ja all diese Forderungen kann ich unterstützen! Aber auf der Pressekonfernez wurde anscheinend die heutige Domo in Berlin nicht thematisiert. Vielleicht schämt sich Schaber mittlerweile selber dafür, dass er heute auf der Demo redet, an der wahrscheinlich auch PETA-Verteter Teilnehmen werden. Durch die offizielle Teilnahme des BDM neben dem Deutschen Tierschutzbund, dem NABU etc.... hat der BDM für mich seine Glaubwürdigkeit verloren. Kein Bauer der heute in Berlin unter der Fahne des BDM demonstriet sollte sich später beschweren, wenn die Tierschutzauflagen erhöht werden und seine Wirtschaftlichkeit in Gefahr gerät (z.B. Verbot der Anbindehaltung, die solls bei BDM-Mitgliedern ja noch geben.)

  16. von Kommanmder · 16.
    Milchbauern aus dem Markt drängen

    Nah dann mal los. Steht endlich auf und werht euch bevor es zuspät ist.Wir Milchbauern müßen das Zepter selbst in dir Hand nehmen. Die Ideen und das Know how hierzu ist da. Wir dürfen keinbe Zeit verlieren.

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