BVL erlaubt Wirkstoff Chlorphacinon zur Feldmausbekämpfung in Thüringen

[05.10.2012]


Mauseloch Mauseloch Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 24. September die breitflächige Ausbringung von Ratron-Feldmausködern mit dem Wirkstoff Chlorphacinon zur Feldmausbekämpfung auf Ackerflächen in Thüringen für einen Zeitraum von 120 Tagen genehmigt. Das teilte das Erfurter Landwirtschaftsministerium am Dienstag mit.

Angesichts des extremen Massenauftretens von Feldmäusen in diesem Jahr und den dadurch in einigen Regionen verursachten gravierenden Ertragsverlusten gelte es nun, insbesondere die Wintersaaten vor Fraßschäden zu schützen, betonte das Agrarressort. Für diese Notfallsituation sei eine Ausnahmegenehmigung zur vorübergehenden Anwendung der Feldmausköder erwirkt worden.

Eine flächendeckende Behandlung werde nicht erfolgen, lediglich Teilflächen in den am stärksten befallenen Gebieten des Thüringer Beckens würden behandelt, betonte das Ministerium. Die Gesamtmenge des auszubringenden Präparates war vom BVL zunächst auf 16 t begrenzt, dann aber auf 26 t erhöht und die Anwendung auf Rapskulturen ausgeweitet worden. Behandlungen dürfen dem Ministerium zufolge aber nur auf Antrag und nach vorheriger Anordnung durch das zuständige Landwirtschaftsamt durchgeführt werden.

Der Naturschutzbund (NABU) Thüringen griff die Entscheidung des BVL scharf an. Mit der breitflächigen Ausbringung von „Ratron Feldmausköder” werde wissentlich der Tod von Zugvögeln in Kauf genommen. Schon 2004 seien im Umfeld des Rückhaltebeckens Straußfurt zahlreiche Kraniche und Gänse mit Feldmausködern vergiftet worden. Ein solches Risiko in Kauf zu nehmen, sei grob fahrlässige und zeige auch deutlich, „wie die Agrarlobby ohne Rücksicht auf Verluste Druck auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ausüben kann”, so der NABU-Landesvorsitzende Mike Jessat.

Der Thüringische Bauernverband (TBV) wies wiederum die Kritik des NABU mit Nachdruck zurück. Er warf dem Naturschutzbund eine Verhöhnung der durch Feldmäuse geschädigten Landwirte vor. Auch wenn die diesjährige Getreideernte in Deutschland knapp über dem langjährigen Mittel gelegen habe, seien vielerorts ganze Schläge von Mäusen kahl gefressen worden. Die Feldmäusekalamitäten hätten nur für den Landkreis Sömmerda zur Ernte 2012 Erlösverluste von 10,9 Mio Euro bis 16,5 Mio Euro verursacht. Die Ertragseinbußen beim Weizen hätten dem Brotjahresbedarf von 500 000 bis 760 000 Bürgern entsprochen, stellte der TBV fest. Er betonte, dass nur durch eine flächige Behandlung der Mäuseplage die Ernte 2013 auf Flächen mit erneutem Massenbefall noch gerettet werden könne. (AgE)
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Leserkommentare

1 Kommentar(e)
  • trotzdem...

    [09.10.2012]

    sollten die Mäusegeplagten Landwirte mal nachdenken, woher denn die Mäuse kommen. Es glaubt da doch hoffentlich keiner mehr an die Mittelalter-Theorie: Man werfe ein paar alte Kornsäcke auf den Boden und alsbald kommen Mäuse hervor...! Anstatt mit der großen Giftkeule nur Symptome zu bekämpfen und langfristig die Lage zu verschlimmern (Greifvögel und andere natürliche Feinde werden auch geschädigt!) könnte doch mal über bewährte ackerbauliche Maßnahmen nachgedacht werden wie z.B. Pflugeinsatz und angepasste Fruchtfolge etc.... So blöde kann doch keiner sein, oder etwa doch???

    von fsieweke

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