[23.09.2012]
Eckhard Niemann
Hähnchenmastbetriebe sollten maximal 30.000 Tiere halten dürfen. Zudem sollten die Gesetze für die Tierhaltung deutlich verschärft und die Fleischpreise angehoben werden. Das forderte Eckehard Niemann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), am vergangenen Dienstag bei einer Bürgerdiskussion in Ganderkesee-Stenum. Hintergrund ist, dass ein Landwirt aus Elmeloh seinen Hähnchenmaststall auf 87.000 Plätze erweitern will. Dagegen läuft eine Bürgerinitiative Sturm.
Landwirt Niemann wendet sich vor allem gegen "Agrarfabriken", wie er sagt. Das sind in seinen Augen gewerbliche Betriebe, die einen Ausnahmeparagrafen im Gesetz nutzen, damit große Ställe im Außenbereich errichtet werden könnten. Zwar wachse der Hähnchenfleisch-Verbrauch von 11,4 kg um 400 g pro Kopf und Jahr. Doch wenn weiter so gegessen werde, würden 80 weitere Ställe gebraucht, gebaut würden aber 900, zitiert ihn die Rheinische Post.
Niemann sprach daher von einer "Hähnchenblase", die durch den Kampf der Konzerne um die Marktherrschaft entstehe. Als Gefahren der großen Ställe nannte er unter anderem die Keimbelastung. Durch den ständigen Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast würden Keime resistent. "Wir leisten uns eine Tierhaltung, die wir ethisch nicht vertreten können", sagte Niemann. Und an die Adresse des Bauernverbandes gerichtet mahnte er, die Wagenburg-Mentalität aufzugeben, wenn man überhaupt noch mitreden wolle.
Das sahen andere Landwirte im Raum allerdings skeptisch. So könnten sich junge Familien überhaupt kein Fleisch zu hohen Preisen leisten, antwortete einer. Wenn es so komme, wie sich Niemann das wünscht, seien die Landwirte auf das Wohlwollen der Verbraucher angewiesen. Diese würden dann doch billige Produkte aus dem Osten kaufen, weil ihnen das Fleisch aus Deutschland zu teuer sei.
Ein anderer Landwirt sagte, dass die "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" schon seit 30 Jahren versuche, die Preise für Fleisch auf ein höheres Niveau zu treiben. Doch es gebe keinen Binnenmarkt mehr, sondern einen globalen Markt, auf dem die Preise steigen und fallen würden. "Der Landwirt muss gegenhalten. Das kann er nur mit großen Stückzahlen." Und der Bauernverband, vertreten durch Kreislandwirt Bernhard Wolff, verdeutlichte, dass man auch die Situation der Bauernfamilien berücksichtigen müsse. Sie stellten sich die Frage, wie es auf dem Hof weitergehen solle. Das wollte die Bürgerinitiative jedoch nicht verstehen. Sie fragte, wieso das Anrecht einer Familie höher sei als das gesundheitliche Anrecht eines ganzen Ortsteils. (ad)
Leserkommentare
[24.09.2012]
Mit Gewalt war nicht der Baseballschläger gemeint, um irgendwen eins überzubraten - auch wenn es manchmal sinnvoll erscheint. Aber man kann dem Dominanten Marktpartner, wie zB dem LEH aber auch andere Abnehmer, zB seitens derr Politik mal stramme Daumenschrauben anlegen. Dies muß man natürlich wollen. Die Alternative ist aber, das wir uns am Ende zu Tode-liberalisieren. Daher sind für alle Spielregeln notwendig, mit denen auch ALLEN entsprechend gedient ist.
von preuße
Gewalt ist keine Lösung
[24.09.2012]
von
[23.09.2012]
Es geht hier nicht um Bio, sondern um angemessene Bestandsgrößen. Wir müssen nicht ins unermeßliche wachsen. Aber unsere Erlöse müssen deutlich steigen - und daran sollten wir mal genauso intensiv arbeiten wie an diesem dauernden wachsen!!! Alles andere ist Augenwischerei. Die Industrie und der LEH müssen dies halt hinnehmen - notfalls mit Gewalt!
von preuße
@landfürst
[23.09.2012]
Bio ist im höchsten Maße unrentabel! Es muss die Hälfte an Ertrag je Ha angerechnet werden, bei gleichen Arbeits und Wasseraufwand. Dafür gibt es aber Subventionen! Also Weniger Ertrag bei gleichen Wasserbverbrauch und dt oder Kg ertrag einen höhere Subventinierung! In der Fleischerzeugung ist es doch Gleich, die Biobranche lebt von einer Ideologie. Die Pioniere die Auf ÖKO umgestiegen sind und ihren laden gut an laufen haben wird alles zunichte gemacht durch eine Politik der Grünen die Öko mit gewalt und bezahlbar für die Breite Masse haben wollen, oder anders gesagt Preisdumping durch Marktflutung! Ich gönne jeden Ökopionier seinen Erfolg, nur die Landwirtschaft darf dadurch nicht in Gut und Böse gespalten werden, was die Grünen machen!
von ramsdorf
????
[23.09.2012]
In der aktuellen top agrar habe ich gerade gelesen, dass die Bioschweinefleischerzeugung in den letzten ja fast nie (!"!!) rentabel war!!!! Die grünen Gutmenschen verwechseln Traum und Realität. Es ist doch nachgewiesen, dass eine kleine Gruppe von Konsumenten mit überdurchschnittlichen einkommen hochpreise Lebensmittel nachfragen. Der Restder Konsumenten ist Preisorientiert!! Alles andere ist dummes Geschwafel, ich kann das nicht mehr hören!!! Es wird Zeit, das man diesen Gutmenschen mal richtig auf die Finger haut.
von landfuerst
Hähnchenblase verursacht Bauboom bei Geflügelställen
[23.09.2012]
So schön wie die Ideen von Herrn Niemann auch sind, helfen werden sie nur kurzfristig, denn der Handel kauft International ein wenn es zu teuer wird. Außerdem müssten wir unsere Märkte komplett abschotten mit Garantiepreisen. Gruß
von lukas#001
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