„DBV-Kampagne zum Flächenfraß ist verlogen“

[03.02.2012]

220 ha sollen bebaut werden
Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des BUND kritisiert die DBV-Kampagne "Stoppt Landfraß" als verlogen und wirft den Funktionären des Verbandes bewusste Irreführung vor. Nach Ansicht der Umweltschützer versucht der Bauernverband den Eindruck zu erwecken, als seien es vergrößerte Naturschutzgebiete oder Ausgleichsmaßnahmen, die den Bauern die Flächen entziehen.
 
„Die eigentlichen Ursachen für Flächenverluste, wie der Bau von Autobahnen, Großgewerbegebieten oder Ferienhaussiedlungen, werden vom Bauernverband nicht angegangen“, so Arndt Müller aus Mecklenburg-Vorpommern. Er bemängelt, dass der BUND bei seinen Versuchen, den Flächenverbrauch einzudämmen, bis heute keine Unterstützung vom Bauernverband erhalten habe. „Wir vermissen bis heute den Protest des Bauernverbandes gegen den unnötigen Bau von neuen Verkehrstrassen, wie die Autobahn A 14, die in Größenordnungen Agrarfläche vernichtet. Ebenso fehlt uns die Stimme der Bauern bei der Ausweisung von unsinnigen Großgewerbestandorten auf wertvollen Agrarflächen“, erklärt Müller.
 
Als Beispiele für Großprojekte, wo Protest angebracht gewesen wäre, nennt der Aktivist das Industriegebiet Pasewalk mit 220 ha, das Gewerbegebiet Pommerndreieck an der A 20 mit über 200 ha und der Airpark Rostock-Laage mit 500 ha sowie große Siedlungsprojekte, Beispiel Seniorendorf Gut Christinenfeld bei Klütz auf insgesamt 35 ha.

"Was macht nun aber der Bauernverband, um den Flächenverbrauch zu reduzieren? Er fordert mit der gleichen Kampagne Stoppt Landfraß, dass Ausgleichsmaßnahmen durch Geldzahlungen und sogenannte produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen – wie Blühstreifen in bestehenden Äckern – ersetzt werden“, kontert der BUND-Mann. Seiner Meinung nach hätten es flächenverbrauchende Großprojekte dann noch leichter, Agrarflächen in Anspruch zu nehmen. Investoren und Planer, zum Beispiel eines Ferienhausgebietes in freier Landschaft, müssten dann nur noch Ersatzgeld zahlen und wären mit dem Thema Ausgleichsmaßnahmen durch, bemängelt Müller.

Er fordert den Bauernverband daher auf, seine Landfraß-Kampagne zu stoppen und mit dem BUND gemeinsam gegen die wahren Verursacher von Versiegelung und Flächenverbrauch vorzugehen. (ad)

DBV-Umweltbeauftragter weist Kritik an Landfraß-Petition zurück (30.1.2012)

Leserkommentare

13 Kommentar(e)
  • Landfrass ist ein Verbrechen am Hunger in der Welt

    [06.02.2012]

    Es geht nicht um die Macht des DBV, sondern um die Existenzgrundlage vieler Landwirte. Der hohe Flächenverbrauch für Infrastrukturmaßnahmen sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen fördert die Spekulation mit der wichtigsten Produktionsgrundlage der Landwirte. Spekulanten sind dabei die Gewinner. Diese Spekulationsgewinne zahlt dann auch jeder Steuerzahler. Es wird garantiert eine Zeit kommen , wo jeder m² Boden, der sich für eine landwirtschaftliche Nutzung eignet wieder gesucht wird. Für neue Gewerbegebiete gibt es genug alte Industriebrachen.

    von Stange

  • @elinge

    [06.02.2012]

    sehr schön dargestellt!!!!!! Es geht nicht um die größe unserer Betriebe, sondern um das was letzlich im Geldbeutel übrig bleibt. Und genau dafür kämpft der BDM in Form eines adäquaten Milchpreises. Daran könnte sich der DBV für seine Klientel durchaus mal ein Beispiel nehmen. Nur hat diese Diskussion nichts mit dem Thema Landfraß zu tun. Ich halte die Kampagne für richtig - wieso sollen wir Landwirte Konsequenzen für Projekte tragen müssen, die weder auf unserem Mist gewachsen sind, noch von uns in irgendeiner Weise forciert oder betrieben werden? Das einzelne von Bauland etc partizipieren können ist halt deren Glück - begründet aber nicht, das andere dafür den Kopf hihalten müssen.

    von preuße

  • Was hat der BDM mit Flächenfraß zu tun???

    [05.02.2012]

    Der BDM will einen Milchpreis wo auch kleinere Betriebe überleben können weil der Milchpreis 40cent als unterester Preis stehen sollte!!! Wenn ich mit 200.000 Liter Milchverkauf"gut" leben könnte müßte ich mich nicht darüber aufregen wenn der 500 Kuhbetrieb abstriche machen muß weil ja das ha nicht den gleiche Ausgleich bringt wie für einen benachteiligten Betrieb. Wieso muß ich als Bauer 13 oder gar 17 to Gedreide vom ha Dreschen wenn ich mit dem halben Ertrag den doppelten oder gar dreifachen Preis erzielen könnte??? Für "mich" als Bauer als Verbraucher zählt der Gewinn am Ende des Wirtschaftsjahres nichts anderes!!! Wieso muß der Endverbraucher nur 9 oder gar 8 und nicht 20% des Durchschnittsgehalts für Nahrung ausgeben. ++

    von elinge

  • @kleensang

    [04.02.2012]

    Diese Argumentation könnte glatt im BDM-Aktuell stehen. Echt auch eine Kunst, so die Tatsachen zu verdrehen. Wenn überhaupt, dann ist die derzeitige Ausgleichsflächenregelung eine Planwirtschaft. Ein stures Punkte-System führt zwangsläufig dazu, dass bestes Ackerland aus der Nutzung genommen werden muss, um nur ja möglichst viele Punkte zu bekommen. Die Aussage, dass die Unterstützer dieser Aktion Land aufkaufen würden, um es dann an den BUND zu verkaufen, sollte doch bitteschön mit Beispielen belegt werden. Mir selbst ist kein solcher Fall bekannt. Ob die höhere Beleihung die explodierenden Pachtpreise ausgleichen kann, wage ich absolut zu bezweifeln. Und überhaupt, die BDM-Jünger wollen doch nicht wachsen und investieren, oder nicht?

    von agroalf

  • Wenn wir schon bei "verlogen" sind...

    [03.02.2012]

    Wieso ziehen Bauern mit Unterschriftenlisten herum, die selber Land pachten und es dabei auch noch anderen abspenstig machen und ihr Eigenland an NABU und Co verkaufen oder selbst versiegeln? Wieso haben, wenn man sich mal umhört, Betriebe mit einem hohen Eigenlandanteil kein so großes Interesse an dieser Aktion, wie es Betriebe mit einem sehr hohen Pachtlandanteil zu haben scheinen? Und wieso will sich der DBV nicht dem Markt (dem Land-Markt) stellen? Wieso versucht er da eine Intiative zur Planwirtschaft gesetzlich zu verankern? Wo doch sonst der Markt alles alleine regelt? Wenn Land knapper wird, dann wird es teurer. Dann kann man es auch höher beleihen. Sehr wichtig für Wachstumsbetriebe! Warum wollen die darauf verzichten? Erklärungen?

    von detmarkleensang

  • Ganz schön verlogen

    [03.02.2012]

    Ganz schön verlogen Herr Ehrlicher ist nichtBauernverband sondern der BUND. Wenn Fläche in manchen Gebieten so knapp wird, dass man mit 1000 Euro keinen ha mehr pachten kann, gleichzeitig aber mehrere 100 Ha aus der Produktion genommen werden müssen, ist das schon ein Riesenproblem. Ja, es sind auch Baugebiete, Industriegebiete, Kieslöcher und sonst was dabei, aber über 50 % gehen wirklich auch für Ausgleichsmaßnahmen verloren. Aber kein Wunder, das der BDM Seite an Seite mit BUND usw auf DEMO geht. Die Frage ist nur warum er gegen die Mehrheit der Bauern kämpft. Also mal ehrlich: das ganze ist ganz schön peinlich und Bauernfeindlich!

    von jole

  • @ramsdorf

    [03.02.2012]

    Also Flächenprobleme haben die BDM-Mitglieder bei uns anscheinend nicht. Die Fäire Milch verlangt aufgrund ihrer Vorgaben mehr Fläche je kuh als "normale " Milch. Aber einige vom BDM schwenken bei uns jetzt weg von "Fairer Milch" hin zu Biomilch wo man noch mehr Fläche braucht....Die Faire Milch scheint nach meinen Beobachtungen nicht so rentabel zu sein wie biomilch....

    von landfuerst

  • @ehrlicher

    [03.02.2012]

    Was macht denn der BDM in der Sache? Letztendlich ist doch auch der Milcherzeuger davon betroffen, denn wenn Fläch noch knapper wird steigt der Pachtpreis! Was soll das denn? Oder haben sie Flächenmäßig ausgesorgt?

    von ramsdorf

  • War zu erwarten

    [03.02.2012]

    Dass die Umweltverbände mit der derzeitigen Regelung bestens zufrieden sind, ist doch mehr als verständlich. Jedes Jahr bekommen die verschiedenen Untergruppierungen hektarweise Land geschenkt, um dort ihre grünen Phantasien auszuleben. Warum sollte der BUND sich für den Schutz von uns Bauern und unserer Lebensgrundlage aussprechen?

    von agroalf

  • Die Frage ist nur wer hier verlogen ist

    [03.02.2012]

    Man bekommt den Anschein,der BUND will den Flächenverbrauch gar nicht eindämmen.Ist ja auch nicht gerade vorteilhaft für dieses Klientel,denn ohne Fächenverbrauch auch keine Ausgleichsfläche und somit kein Betätigungsfeld auf denen Sie sich austoben können. Pardon sie selber nicht,denn es könnte schmutzige Hände geben,das überlassen sie den "Hiwis" vom Bauhof und den bezahlen wir dann auch wieder.

    von andreashofer

  • Ich weiss nicht was das soll

    [03.02.2012]

    Herr ehrlicher,was soll das ewige rumgemaule am DBV?Der Bauernverband sind nicht nur die Bundes-und Landesverbände.Es sind auch die vielen Kreis-und Ortsverbände mit ihren Mitgliedern.Und den Landverlust bekommen wir dort sehr stark zu spüren.Es gibt sicherlich in manchen bereichen unterschiedliche Meinungen.Nur wenn wir nicht auf das Problem aufmerksam machen und immer wieder nachhaken,dann machen es andere.Und dann werden dinge gefordert und durchgesezt die uns allen das leben schwerer machen.(Ökoligische Vorangflächen usw)

    von Torbecke

  • Es ist eines der größten Probleme!!

    [03.02.2012]

    Da bin ich überhaupt nicht ihrer Meinung! Der Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Nutzfläche in einer vom Klima her am günstigsten beschaffenen Region der Welt ist mit das größte Problem!! Ich bin auch der Meinung, dass manches Infrastrukturprojekt überdacht werden sollte! Zuerst ist immer eine Nutzung der vorhanden Industriebrachen vorzuziehen, den diese lassen sie nur mit erheblichen Aufwand rekultivieren. Aber Herr Ehrlicher sie haben es schon richtig erkannt, der Bauernverband und seine Mitglieder sind sich in diesem Thema sehr einig und diese Einigkeit ist notwendig, wenn politisch Bewegung in den Prozeß bringen will. Ein Einheitsverband wie der Bauernverband hat auch gar nicht die Möglichkeit nur Einzelinteressen zu vertreten!

    von christian3009

  • Gäbe es nicht viel größere, dringendere Probleme für einen "Einheitsverband"?

    [03.02.2012]

    Diese DBV-Kampagne dient doch wirklich nur dazu, dass sich am Ende der DBV hinstellt und die gesammelten Unterschriften dafür benutzt, um sich selbst einen Persilschein gegenüber der Gesellschaft auszustellen, wie viele Unterstützer er (noch!) hat. Weiterhin soll auf jeden Fall eine Position gegen kritische Verbände den Bauern (in den eigenen grünen Medien) vermittelt werden, um Bündnisse gegen die falsche DBV-Verbandspolitik zu untergraben. Kompromissfähigkeit sucht man beim DBV vergebens. Bauern verunsichern und Bauern spalten ist das Ziel der Agrarindustrie. Die Fronten weiter verhärten und die Mauern noch höher ziehen. Das kann der DBV gut, das macht er auch hier exzellent. Er klebt förmlich an der Macht und tut alles für deren Erhalt.

    von helmut_ehrlicher

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