Erstkalbealter bei Holsteins auf 24 bis 26 Monate senken

[16.02.2012]

Prof. Dr. Steffanie Wiedemann
Holsteinrinder sind durchaus in der Lage, mit 24 bis 26 Monaten zum ersten Mal abzukalben. In Schleswig-Holstein etwa sind bislang 29,4 Monate die Regel. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine optimierte Aufzucht der Kälber. Das erklärte Prof. Dr. Steffanie Wiedemann bei der 62. Öffentlichen Hochschultagung der Christian-Albrechts-Universität Kiel.
 
Sie ist der Ansicht, dass sich die Aufzucht der künftigen Milchkühe durchaus effizienter gestalten lässt, berichtet der aid-infodienst. Wichtig dabei sei eine rasche und großzügige Versorgung der Kälber mit Erstgemelk in guter Qualität.
 
Die Biestmilchgabe ist laut Wiedemann die wichtigste und kostengünstigste Methode, um die Gefahr schwerer Erkrankungen oder von Aufzuchtverlusten zu reduzieren. Ein frisch geborenes Kalb sollte deshalb innerhalb der ersten zwei Lebensstunden mindestens zwei Liter Kolostrum aufnehmen, spätestens zur nächsten Mahlzeit sollten weitere zwei Liter angeboten werden. Eine adäquate Energie- und Nährstoffversorgung sei anschließend auch für die folgenden Lebenswochen im Hinblick auf eine effiziente Kälberaufzucht unerlässlich, unterstrich die Kieler Wissenschaftlerin.
 
Es müsse grundsätzlich überdacht werden, ob eine eher knappe Versorgung mit Milch oder Milchaustauschern zielführend sei. Dabei verwies Wiedemann darauf, dass eine intensive Fütterung der Kälber in den ersten Lebenswochen kurzfristig die Kondition der Tiere und mittel- bis langfristig die Produktivität im Sinne einer höheren Laktationsleistung als Milchkuh verbessert. Bereits neu geborene Kälber könnten bei einem ad libitum Angebot an Vollmilch ca. 8 bis 12 Liter pro Tag aufnehmen und dabei Tageszunahmen von 600 bis 1.000 Gramm erreichen. Dagegen erreichen Kälber, die knapper mit Energie versorgt werden, lediglich Zunahmen von 200 bis 400 Gramm. Zudem deutet vieles darauf hin, dass sich eine niedrigere Fütterungsintensität im Lebensabschnitt Kalb auch negativ auf die Aufnahme von Trockensubstanz auswirkt, zitiert der aid die Juniorprofessorin.
 
Milchviehhalter, die das Leistungspotenzial ihrer Kühe besser nutzen wollen, sollten ihr Aufzuchtmanagement im Hinblick auf die aktuellen Forschungsergebnisse durchaus einmal überarbeiten, lautet Wiedemanns abschließender Rat. (ad)

Leserkommentare

2 Kommentar(e)
  • Eigentlich logisch

    [16.02.2012]

    Ja, das sich die Lehrmeinungen alle Jahre wieder ändern auch. Aber man braucht doch nur in der eigenen Spezies schauen. Bei den Menschen. Bei den weiblichen Teenies. Was sich da auf Modelmaße runterhungert, da passiert nix, kannste vergessen. Die wohlgenährten bis fetten, die werden trächtig. War schon immer so. Warum sollte das bei Rindern jemals anders gewesen sein? Zur Geschlechtsreife brauchts einen ausgereiften Körper. Den haben knapp mit MAT gefütterte Kälber auch nicht. Knapp füttern bis Mangel war schon immer die beste Verhütungsmethode...

    von detmarkleensang

  • Das haben...

    [16.02.2012]

    ..meine Großeltern und Eltern ähnlich gemacht, besser noch mit Vollmilch. Aber bis vor kurzem sollte man ja laut Lehrmeinung knapp Milchaustauscher geben, damit die Kälber früher anfangen, festes Futter zu fressen. Die Kälber sahen ja immer struppiger aus als die gut gefütterten (Vollmilch)Kälber und der gesunde Menschenverstand konnte mit der Milchaustauscher-Sparmethode auch nichts anfangen. Naja, so ist das, neuere Versuche bestätigen eben jetzt, dass es wirtschaftlicher ist, die Kälber in den ersten Wochen vollzupumpen (bis zu 12 Liter!). Ich bleibe lieber in der Mitte.

    von blabla

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