Es kann viel mehr Biomasse angebaut werden als gedacht

[10.10.2012]


Brachflächen in % der Ackerflächen (Durchschnitt 2006-2009) Brachflächen in % der Ackerflächen (Durchschnitt 2006-2009) Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim prognostiziert langfristig deutlich höhere Biomassepotenziale als bislang angenommen. Die Hohenheimer Wissenschaftler gehen in ihren jetzt vorgestellten Zwischenergebnissen davon aus, dass unter Berücksichtigung der zukünftigen Konsumgewohnheiten und der Bevölkerungsentwicklung der Flächenbedarf für die Nahrungsmittelproduktion in Deutschland und Europa langfristig zurückgehen wird, selbst wenn die Nahrungsmittelexporte als Beitrag zur Sicherung der Welternährung gesteigert werden. Das schaffe Perspektiven für die Biomassenutzung sowohl für energetische als auch stoffliche Verwendungen, ohne dafür schützenswerte Naturflächen zu beeinträchtigen, zitiert die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).
 
So könne der Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland schon heute knapp verdoppelt werden, ohne das Ziel einer ausreichenden Nahrungsversorgung aus den Augen zu verlieren. Die Wissenschaftler kommen in der Studie zu der Einschätzung, dass langfristig (2050) bei der Fortschreibung gegenwärtiger Entwicklungstrends in Deutschland sogar bis zu 7,5 Mio. ha für den Non-food-Anbau zur Verfügung stehen könnten, selbst wenn zusätzlich 2,4 Mio. ha für Nahrungsmittelexporte zur Sicherung der Welternährung verwendet würden. Gestützt auf die Modellrechnungen in den realitätsnahen Szenarien könnten auch global die Biomassenutzungsflächen in 2050 auf rd. 200 bis 300 Mio. ha ansteigen und gleichzeitig die zur Ernährungssicherung notwendige Flächengrundlage aufrecht erhalten werden.
 
Flächenpotenziale (verbleibend) für Bioenergie nach Sicherung der Welternährung (Welt) Flächenpotenziale (verbleibend) für Bioenergie nach Sicherung der Welternährung (Welt) Nachhaltige Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen, aber auch die In-Kulturnahme von Brachflächen seien dabei der Schlüssel, um die Konkurrenz der Ansprüche an die landwirtschaftlichen Nutzflächen langfristig in vertretbaren Grenzen zu halten. Während die Fachleute für Europa, Nord- und Südamerika große Potenziale sehen, erwarten sie in Teilen Afrikas, Asiens und in Mittelamerika einen langfristigen Importbedarf für Nahrungsmittel und kaum Möglichkeiten für den Energiepflanzenanbau.
 
Voraussetzungen für eine „Hebung“ der Potenziale seien nun verlässliche politische Rahmenbedingungen für Investitionen in die unterschiedlichen Biomassenutzungs-Linien, die bei nachhaltiger Herstellung eine höhere Effizienz, wirtschaftliche Vorteile und eine bessere Ausschöpfung der Produktionspotenziale auf den verfügbaren Flächen sicherstellen, heißt es weiter.
 
Die deutsche Studie steht damit im Widerspruch zur IFPRI-Studie, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben und für deren politische Entscheidungen maßgeblich herangezogen wurde. Die Hohenheimer Wissenschaftlern sind der Ansicht, dass ein Verzicht auf die Bioenergieproduktion - in Deutschland und der EU - oder eine Herabsetzung der Ziele kein Weg aus dem Dilemma wäre. (ad)

Download Zwischenergebnis der Studie von Prof. Dr. Enno Bahrs

Leserkommentare

7 Kommentar(e)
  • Was machen hohe Preise????

    [10.10.2012]

    Wer von uns versucht nicht den höchsten Ertrag je ha zu erzielen??? Wenn in Osteuropa,Australien,Brasilien,Argentienen.... ist der Ertrag zwar nur 20 dt hoch ( Wer von uns(West EU) versucht nicht das maximum zu ernten auch bei hohem Produktionsmitteleinsatz??? In Länder wie Osteuropa,Australien,Brasilien,Argentien,.... wurde auch bei 8€ je dt und 20 dt Erntemenge je ha Gedreide angebaut.Das würde heißen daß auch in diesen Länder jeder versucht bei diesen Preisen erstens den Höchstertrag zu erzielen.Außerdem werden Gremzertragsböden in den Anbau mit einbezogen. Vor allem wenn er den Ertrag an der Börse schon verkauft hat!!!!

    von elinge

  • Man könnte fast glauben,

    [10.10.2012]

    es wäre einigen Bauern recht, wenn der Weizen wieder bei 9 €/dt läge.Ich finde, wir alle können froh sein, dass es durch die Bioenergie mittlerweile echte Alternativen in der Vermarktung gibt. Beim nächsten Absturz (und der kommt) wird das Geschrei noch größer. Weil man zur Zeit den Gewinn in Form von Pachtzahlungen raushaut, und die gehen nie mehr runter...

    von arafa

  • Endlich mal sorgfältig gearbeitet!

    [10.10.2012]

    Was würden denn die deutschen Bauern machen, wenn auf einen Schlag ganz Süd-Ost-Europa in der Lage wäre sein Bodenpotenzial effektiv zu nutzen? - Richtig! Schmetterlinge auf Brachflächen zählen. - Wir können so was von glücklich sein, dass die noch ein paar Jahre brauchen werden. Das ist dringend benötigte Zeit zur Entwicklung von Nutzungsalternativen!

    von user10

  • Hohenheim irrt sich gewaltig

    [10.10.2012]

    Die Praxis sagt genau das Gegenteil.Pachtpreise von 1000-1500€.Weltweit sinkende Getreidebestände verschärft durch Dürren.Der mittelfristige Weg wäre der Senkung des Nawaro Bonus.Förderung der Ersatzstoffe aus der Abfallwirtschaft.Um den Druck aus den Flächen zu nehmen.

    von

  • BAHRS verrechnet sich nicht !

    [10.10.2012]

    Also ihr könnt denken was ihr wollt. Prof. Bahrs lässt sich weder kaufen, noch lebt der in einer weltfremden Unkenntnis. Das eher einer der letzten Verbündeten der Bauern, im Gegensatz zu Tangermann oder Schmitz.

    von futtersilo

  • studie

    [10.10.2012]

    möchte mal gerne wissen,welcher interessenverband die studie bezahlt hat....wahrscheinlich die,die gerade umsatzeinbußen zu verzeichnen haben...nachtigall,ick hör dir trapsen

    von 16672

  • Dilemma

    [10.10.2012]

    Was ist denn der Weg heraus aus dem Dilemma? Wenn sich diese Wissenschaftler nur nicht täuschen, die so kräftigen Optimismus verbreiten. Warum wird die Biomasseerzeugung zur Energiegewinnung denn so verfochten und gefördert.? Ein Vergleich! Um 1 Mio. kW Strom im Jahr zu erzeugen benötigt man bei Windkraft ca. 1000m² Fläche für die Aufstellung eines Rotors, bei PV Nutzung ca. 2 - 3 ha Fläche zur Installation von Modulen. Bei Biogas hingegen ganze 60 ha Produktionsfläche, mit einem enormen Aufwand an verbrauchter Energie bis die Masse im Silo ist. Was ist denn so verwerflich, dass man Windräder und PV Anlagen nicht mehr fördert? Es wird weniger Fläche benötigt und die jeweiligen Energieträger Sonne und Wind sind kostenneutral.

    von beernhof

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