[16.08.2012]
Sonne
Die Dürre in den USA verschärft sich weiter. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums wird die Mais- und Sojaernte in diesem Jahr um bis zu 17 % niedriger ausfallen. Dadurch bedingt steigen die Preise weiter an, seit Juni ist Soja etwa 30 % teurer geworden, Mais legte sogar um 50 % zu. Und auch in Indien leiden die Bauern unter einer Dürre. Der Monsun hatte 20 % weniger Wasser gebracht, weshalb es jetzt zu erheblichen Ernteausfällen kommt, berichtet der Spiegel.
Aus Sorge vor einer neuen Nahrungsmittelkrise erwägen die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) daher laut Frankreichs Agrarminister Stéphane Le Foll, erstmals ihr neues Krisenforum einzuberufen. Die spezielle Arbeitsgruppe war nach den Ausschreitungen bei den Krisen 2008 und 2010 geschaffen worden.
Das „Rapid Response Forum“ arbeitet dabei mit einer gemeinsamen Datengrundlage, dem Agrarmarkt-Informationssystem (AMIS). Anschließend können die Mitglieder Empfehlungen an die nationalen Regierungen aussprechen, wie z.B den Abbau von Exporthindernissen. Wie der Spiegel weiter schreibt, kann die Gruppe allerdings fühestens im September ihre Arbeit aufnehmen. Viel zu spät bemängeln Kritiker. Eine Krise auf den Lebensmittelmärkten stehe bereits kurz bevor.
"Die G20 müssen jetzt reagieren", fordert auch Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam. "Im September könnte es bereits zu spät sein." Laut Weltbank hat die Nahrungskrise 2008 rund 100 Mio. Menschen in den Hunger getrieben, 2010 waren es 44 Mio.. Ähnliche Dimensionen erwartet Wiggerthale auch dieses Mal - wenn die Regierungen nicht schnell etwas unternehmen.
Vor allem in Ostafrika könnte sich die bereits jetzt dramatische Ernährungslage weiter verschärfen. Speziell Mais bildet in Ländern wie Kenia, Somalia und Uganda ein Grundnahrungsmittel für Millionen Afrikaner. Oxfam plädiert deshalb wie die FAO für eine Drosselung der Biospritproduktion in den USA. 40 % der amerikanischen Maisernte werden für die Herstellung von Treibstoff verwendet.
Hans Müller
„Die Dürre in den USA ist ein Beispiel dafür, dass die Bauern weltweit mit witterungsbedingten Ernteausfällen leben müssen. Diese Wetterextreme führen uns vor Augen, von welchen unberechenbaren Faktoren die Landwirtschaft und damit unsere Nahrungsmittelversorgung abhängt“, sagte der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Hans Müller, dazu.
Umso notwendiger sei es, dass die Gesellschaft die Kostbarkeit unserer Lebensmittel wertschätzt. „Es ist dramatisch, wenn jährlich viele Millionen Tonnen an Lebensmitteln auf dem Müll landen“, so Müller. Und auch der Umgang mit wertvollen landwirtschaftlichen Nutzflächen gewinne vor dem Hintergrund der aktuellen Ernteausfälle an Bedeutung. „Grund und Boden ist nicht vermehrbar. Acker- und Grünland werden als Folge der weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrung zum Schlüsselfaktor für die Lebensmittelerzeugung“, erklärte der Generalsekretär.
Müller sprach sich schließlich noch dafür aus, den Spekulationsblasen auf Agrarmärkten einen Riegel vorzuschieben. Er begrüßte die Ankündigungen mehrerer Banken, aus dem hochspekulativen Geschäft mit Geldanlagen im Agrarbereich auszusteigen. (ad)
vgl.:
USA korrigiert Sojabohnenernte stark nach unten (15.8.2012)
USA: Regierung hilft geschädigten Landwirten (14.8.2012)
Dezember-Mais in den USA erreicht neues Rekordhoch (13.8.2012)
Dürre: FAO mahnt USA zur Drosselung der Biospritproduktion (11.8.2012)
Welt-Nahrungsmittelpreise steigen wieder (10.8.2012)
US-Katastrophengebiete wegen anhaltender Dürre ausgeweitet (6.8.2012)
Weltbank erwartet weitere Preissprünge bei Nahrungsmitteln (3.8.2012)
Dürre-Krise in den USA verschärft sich: Lebensmittelpreise ziehen an (24.7.2012)
Dürre: US-Farmer erwarten schwere Ausfälle bei Maisernte (19.7.2012)
Schorlemer Stiftung,
Kto.-Nr. 1700349035,
BLZ 380 601 86
Volksbank Bonn Rhein-Sieg eG
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Leserkommentare
Bioenergie stabilisiert Lebensmittelpreise
[20.08.2012]
Jeder erinnert sich an die Theorie des Schweinezyklusses: Nachdem 2008 wegen knapper Reserven die Getreidepreise Rekordniveaus erreichten, wurden weltweit in den Folgejahren mit dem historisch teuersten Dünger Übermengen produziert, die dann nicht mehr kostendeckend abgesetzt werden konnten. Mit der alternativen Möglichkeit der energetischen Nutzung werden die Nahrungsmittelpreise stabilisiert. Fallen Sie, so fließen Mengen in die Energie ab, und es wird weiter angebaut. Steigen heute die Preise so weit, dass die energetische Nutzung nicht mehr rentabel ist, sind somit genug Reserven da, weil die Produktion zuvor bei niedrigen Preisen fortgesetzt wurde. Wenn korrupte Regimes allerdings Waffen dringender als Nahrungsmittel brauchen...
von wein-franke
"Experten erwarten neue Nahrungskrise"
[16.08.2012]
Wenn "Experten solche Aussagen machen, mache ich mir um die Globale Lebensmittelversorgung keine sorge da "Experten" selten recht haben.
von beglaebeglae
Wenns sich nicht lohnen würde
[16.08.2012]
Wenn sich Biosprit nicht lohnen würde über "dem" Preis müßten wir nicht darüber diskutieren. Nun noch verarbeiten wir Nahrungsmittel zu Bioenergie. Ist da der Preis für Enathol nicht zu hoch das Nahrungsmittel nicht "einfach" wieder Nahrungsmittel sind ??? Ist somit die Energie im Gedreide "mehr" Wert als konventionelle Energie in Öl. Denn wenn der Rapsölpreis über "den" Betrag steigt sind die Ausgleichskosten höher als der Beimischzwang. Der Preis wäre ab da gedeckelt. Denn hätten wir "mehr" Nahrungsmittel wenn der Preis bei nur 10€ (ohne "Bioenergie) je dt liegen würde.Die Produktion von Nahrungsmittel wäre nicht lukrativ und somit auch "nicht" vorhanden.
von elinge
@Courtois
[16.08.2012]
..dieses greening dient doch nur dazu um für Flächen, die nicht zu bewirtschaften sind (..z.B. in den rumänischen Karpaten) , irgendwie ein paar EU-Dollars zu bekommen. Ich hoffe nicht, dass unsere Amateur-Vertretung in Brüssel/Staßburg sich darauf einlässt.
von blabla
dt natürlic
[16.08.2012]
24 Euro/dt sorry
von Slowfoot
Also
[16.08.2012]
umgerechnet kommt das auf gut 24 Euro/To aus... dafür können wir das in Deutschland auf Stilllegungsflächen auch..... Aber sie haben noch die Ernte aus den Vorjakren: http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,m6v1lrthmmjjyde1~cm.asp
von Slowfoot
@Slowfoot
[16.08.2012]
Das hat nix mit Dürre zu tun. Sondern mit Globalem Handel. Der Weizen aus Indien scheint trotz Transports um die halbe Kugel für weniger Geld zu haben sein als Weizen aus Europa. Oder er erfüllt bestimmte Qualitätsanforderungen (oder auch nicht). Würde der Hamburger Händler nicht davon ausgehen damit Gewinn zu erwirtschaften, würde er diesen nicht kaufen...
von alorie
Och
[16.08.2012]
das ist ganz einfach, ein Hamburger Händler kauft diese Tage in Indien Weizen aus neuer Ernte,soweit zur Dürre in Indien, liebe Redakteure.....
von Slowfoot
Greening?
[16.08.2012]
Wie passt zu diesen Forderungen das Greening der EU, wonach 7% der Fläche stillgelegt werden sollen? Urplötzlich scheinen laut Niebel die 3% Fläche für Biosprit schon zu viel zu sein.
von Courtois
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