[03.08.2012]
Verkaufsstand für die Faire Milch in einem Supermarkt
Der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Armin Müller, hat kürzlich in der Zeitung Tageblatt erklärt, die „Faire Milch“ sei tot. „Ist sie eben nicht“, kontert jetzt der Kreisvorsitzende des BDM, Karlheinz Fluck aus Aumenau. Richtig sei zwar, dass die Milchvermarktung Süd (MVS), die mit der geschäftlichen Abwicklung vertraut war, finanzielle Probleme hat. Ab 1. Dezember werde die Milch aber über einen neuen Lizenznehmer weitervertrieben, dann sogar bundesweit.
Bisher war die "Faire Milch" nur in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erhältlich. Das Problem für die Bauern ist allerdings, dass nur 30 % der abgeholten Milch auch tatsächlich verkauft werden. Und nur dafür gibt es den "fairen" Preis von 40 Cent je Liter, erklärt die Zeitung.
Laut Fluck gibt es in Hessen nur noch eine Abfüllstation in Schlüchtern, aber keine Molkerei. „Das reicht aber, weil es sich bei Fairer Milch bislang sowieso nur um H-Milch handelt“, so der Kreisvorsitzende, in dessen Gebiet kein einziger an die Faire Milch liefert. „Ich wollte ursprünglich selbst mitmachen, aber wir haben das Auto nicht vollbekommen. Um mitzumachen brauchen sie 20 000 Liter und das jeden zweiten Tag“, begründet Fluck die Entscheidung. Erschwerend kommt seiner Meinung nach hinzu, dass die bisherigen Molkereien Schwälbchen und Hochwald eine Kündigungsfrist von zwei Jahren vorschreiben. Und zwei Jahre warten sei vielen Milchbauern zu heikel. Sie hätten Angst, dass es nicht läuft. „Sie könnten natürlich wieder zurück, aber die Molkerei nimmt nicht mehr jeden. Das soll abschrecken“, so Fluck.
Einen guten Weg sieht das BDM-Mitglied hingegen noch in dem Projekt dreier Milchbauern aus Villmar und weiteren 60 aus den Kreisen Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf. Sie betreiben seit Anfang des Jahres eine frühere Schwälbchen-Molkerei in Marburg. „Die Bauern mussten darauf nicht zwei Jahre warten, weil es bei Schwälbchen eine Satzungsänderung gab, die es ermöglichte, ohne Kündigungsfrist auszutreten. Seit Juni liefern wir an Rewe, noch unter dessen Handelsmarke, aber in drei Wochen unter dem Namen Marburger Traditionsmolkerei", erklärt Fluck. (ad)
Lesen Sie aktuell auch:
NRW: Faire Milch ist endgültig gescheitert (2.8.2012)
Streit um faire Milch (8/2012)
Leserkommentare
Die Faire Milch
[04.08.2012]
hat ein gutes Konzept eine Super Aufmachung ,nicht dieser blau- weiße Einheitsbrei. Man muss denke ich auch mal ein Risiko eingehen. Wenn man will das sich was ändert.Schon alleine um den ewigen Nörglern und Schwarzmalern die Stirn zu bieten. Wir haben das Glück und liefern nach Usseln. Und wir sind stolz zu diesen Milchlieferanten zu gehören. Diese Molkerei ist auch aus der Not heraus geboren. Und die ersten 18 Bauern haben Blut und Wasser geschwitzt ob das gut geht.Aber mit vereinten Kräften hat es geklappt. Also wenn die Faire Milch- Bauern zusammenhalten und weiter ihr Ziel verfolgen gentechnikfreie regionale Milch auf den Markt zu bringen bin ich überzeugt, werden sie das Schaffen. Kunden gibt es. Es kostet Energie aber es lohnt sich.
von paulin
Molkereien pflegen???
[03.08.2012]
Ja, es ist schon merkwürdig, mit welchen Argusaugen "die faire Milch" beobachtet wird und wie gerne man sie beerdigen würde. Wieso nur? Hingegen ist man über jegliche andere Molkereien froh, sobald sie ein neues Produkt hervorbringen? Hier ist Konkurrenz plötzlich erwünscht? Einer der Kommentatoren sollte erst mal selbst Milcherzeuger sein, ehe er gemeinsam mit anderen Erzeugern "Molkereien pflegen" kann - aber scheinbar geht es ihm um etwas komplett anderes... Ebenso, wie manch anderer mit seinem Milchpreis anscheinend so zufrieden ist, dass er dem Kunden rät, zum billigsten Produkt zu greifen. Manche Gedankengänge wären einfach unverständlich, wenn man nicht wüßte, wer oder was dahinter steckt.
von Doris Peitinger
Ich denke ....
[03.08.2012]
.... wir sollten die faire Milch beerdigen. Stattdessen haben wir eine Vielzahl kleiner Molkereien wie Marburg, Usseln oder Neukirchen, die wir pflegen müssen. Wenn diese Molkereien aus eigener Initiative sich eine eigene bundesweite Marke schaffen, kann dies nur begrüßt werden. Dann entsteht auch eine Marke aus einem breiten Programm, die das hält was sie verspricht.
von futtersilo
Totgesagte leben länger !!!!
[03.08.2012]
Was kamen vom HBV schon Speerspitzen gegen die faire Milch. Die Frage nach dem "Warum?" bleibt unbeantwortet. Sollten wir Bauern denn nicht alles mögliche fördern, was mehr Wertschöpfung als Discountware und Drittlandsexporte für uns bringt? Wieso können wir nicht einmal am selben Strang ziehen? Warum muß sich ein HBV Milchpräs. über eine Marke äußern, mit der er nicht das geringste zu tun hat? Er sollte beginnen uber seine eigenen Erfolge als oberster Representant der Hessischen Milcherzeuger nachzudenken. Die kann er dann mal in einer Zeitzung aufzählen, wenn er Lust dazu hat ! Leider kann man keine heiße Luft abdrucken...
von Hardthof
Das letzte Zappeln
[03.08.2012]
einer sterbenen Marke! Das Problem ist nicht die Milch sondern der Käufer! Warum teuerer Kaufen wenn etwas billigeres nebenan steht?
von ramsdorf
[03.08.2012]
Die frage ist ob sich das rechnet?Wenn die Milch in Bayern,BW,und in Teilen Hessens gesammelt werden.Mit Regionalität hat das nichts mehr zu tun. Ebenso tritt man in Konkurrenz mit den Premium Marken.Auch mit regionalen Abfüllern die auch nur für Supermärkte abfüllen.Durch die katastrophalen Auszahlungspreise werden mit Sicherheit kaum Landwirte wechseln.Warten wirs ab bis das scheitert, Besser finde ich das Projekt der drei Milchbauern.Das aus der Not geboren,wird vielleicht noch eine Erfolgsstory.Weil hier der Regionale Bezug erhalten bleibt.Drück ihnen ganz fest die Daumen das es klappt.
von
Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!