Glyphosat: Wiederzulassung steht im März bevor

Spritzdüsen Glyphosat daraf vermutlich weiterhin in die Pflanzenschutzspritze.
Bild: John Deere
Bereits Anfang März könnte die Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat fallen. Ein Ja gilt als sehr wahrscheinlich. Damit wäre der Wirkstoff für die nächsten 15 Jahre abgesichert.

Bereits am 7. oder 8. März sollen die EU-Mitgliedstaaten über die Wiederzulassung von Glyphosat entscheiden. An diesen Tagen kommt der Ständige EU-Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel zu seiner nächsten Sitzung in Brüssel zusammen. Bereits im Dezember und Januar hatte sich das Gremium mit der abschließenden Bewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde (Efsa) für den Wirkstoff beschäftigt. Anfang März steht die Entscheidung an, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gegenüber top agrar bestätigt. Stimmen die EU-Mitgliedstaaten in dem Ausschuss für die Zulassung, muss die EU-Kommission diese nur noch offiziell aussprechen. Sie würde dann für die nächsten 15 Jahre gelten.

Wiederzulassung ohne Auflagen möglich

Offiziell hat die Bundesregierung laut dem BMEL ihre Position noch nicht festgelegt. Vieles spricht dennoch dafür, dass die EU-Mitgliedstaaten der Empfehlung der Efsa für eine Widerzulassung folgen werden. So heißt es etwa im BMEL: "Diese Entscheidung wird auf wissenschaftlicher Grundlage getroffen werden". Laut dem Europaparlamentarier von den Grünen, Martin Häusling, plant die EU-Kommission die Anwendung des Herbizids ohne Auflagen zu genehmigen. Es soll sogar der in der Bundesrepublik untersagte Einsatz als Reifebeschleuniger von Getreide (Sikkation) erlaubt sein. Auch soll es laut Häusling keine Mengenbeschränkung geben. Zudem wolle die Kommission den Verkauf an Laien für den Gebrauch im Garten und auf Gehwegen weiter zulassen.

Kritiker halten Entscheidung für überstürzt

Ebner im Porträt Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter von den Grünen, hält die Wiederzulassung für überstürzt.
Bild: Archiv
Häusling und sein Kollege aus dem Bundestag, Harald Ebner, äußern sich angesichts dessen enttäuscht. Sie halten die Entscheidung für „überstürzt“ und hatten auf ein Hinzuziehen weiterer Studien in die Entscheidung gehofft. „Vor einer solch weitreichenden Entscheidung müssen wenigstens noch die Glyphosat-Bewertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und der WHO-Pestizidexperten vom Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) abgewartet werden“, schreiben sie in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Veröffentlichung dieser Studien sei für Mai dieses Jahres geplant gewesen. Außerdem halten es die beiden für „unverantwortlich, dass die EU-Kommission die Anwendung des Herbizids ohne Auflagen genehmigen will“. Mit diesem Kurs würde die EU-Kommission weit hinter Appelle selbst konservativer Branchenexperten zurückfallen, ist ihre Einschätzung.

Bundesbehörden zeigen Alternativen auf

Die beiden Grünen appellieren an Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), den Vorschlägen des Julius-Kühn-Instituts (JKI) sowie des Umweltbundesamtes (UBA) zur Glyphosat- und Pestizid-Reduktion zu folgen. Das JKI hatte Ende Januar eine ökonomische Folgenabschätzung vorgelegt, nach der die deutschen Landwirte unter bestimmten Bedingungen auf den Einsatz von Glyphosat im Ackerbau verzichten könnten, ohne dabei wirtschaftliche Nachteile hinnehmen zu müssen. Auch das UBA hatte im Januar einen Fünf-Punkte-Plan zur Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes vorgestellt.

Wissenschaftlicher Streit über Krebsauslösung

Die aktuelle Zulassung für den Wirkstoff Glyphosat läuft am 30. Juni 2016 aus. Die Efsa hatte im November 2015 ihre Empfehlung für die Zulassung heraus gegeben. Darin schätzte sie die krebserregende Gefahr von Glyphosat als unwahrscheinlich ein. Anders hatten im Sommer 2015 die Forscher der Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geurteilt, als sie Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft hatten. Seit Beginn des Wiederzulassungsverfahrens gibt es einen wissenschaftlichen und politischen Streit über das Risiko, nach dem der Wirkstoff Krebs auslösen kann oder nicht.

Hintergründe:

Verminderter Glyphosateinsatz ohne wirtschaftliche Nachteile möglich (1.2.16)

UBA ruft zum Umdenken im Pflanzenschutz auf (26.1.16)

Efsa entlastet Glyphosat (12.11.15)

Glyphosat doch krebserregend? BfR gerät unter Druck (30.7.15)

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Thorsten Schäfer · 1.
    Frau Peitinger,

    Sie verlangen doch nicht ernsthaft, das sich jemand auf Philosophen oder Sozialpädagogen verlassen sollte, wenn es um Risikoeinschätzungen geht? Vielleicht beim Wurstbrotverteilen aber sicher nicht bei einer sachlichen Einschätzung.

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  2. von Doris Peitinger · 2.
    Die EFSA und "wissenschaftliche Grundlagen"???

    Nichts anderes ist von der industriehörigen EFSA zu erwarten, deren "wissenschaftliche Grundlagen" sich vorwiegend auf die Eigenstudien der Hersteller ( gerne unveröffentlicht, damit sie nicht nachprüfbar sind ) und die Schreibereien einer Task-Force Glyphosate berufen. Und unsere Poltik läßt sich wieder mal vorführen. Wie es aussieht, wenn man sich zu sehr auf die angeblichen Segnungen, die die Hersteller propagieren, verläßt, sieht man am Beispiel USA mit ihren immer erfolgloseren Bekämpfungsversuchen der Resistenzen. Die europäischen Bauern sollten darauf achten, dass sie nicht in die gleiche ( Kosten- ) falle tappen. Nicht ganz nebenbei sind sie die ersten, die Probleme hätten, wenn sich Glyphosat ( und seine Beistoffe ) als nicht ganz so harmlos erweisen, wie immer propagiert wird.

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  3. von Thorsten Schäfer · 3.
    Ja die Krebsgefahren,

    Wenn werden Dieselmotoren verboten? Immerhin lösen Dieselabgase definitiv Krebs aus und die landen nicht auf dem Feld sondern auf der ganzen Welt.

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  4. von Hans Nagl · 4.
    Krebsauslösung ???

    Die Gefahren für den Anwender (Landwirt) wird hier, und in allen landwirtschaftlichen Medien komplett ausgeklammert .

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  5. von Wilhelm Gebken · 5.
    Die Glyphosatkampange passt zu allen anderen Kampangen der letzten zwei Jahre: Verteuerung der Konventionellen Landwirtschaft

    Unter diesem Blickwinkel betrachtet, haben plötzlich alle Kampangen von NGO´s, Grünen und anderen einen gemeinsamen Nenner: Die konventionelle Landwirtschaft soll geschwächt werden, um Bio konkurrenfähiger zu machen. Zum Glyphosat: Ursprünglich war die "pfluglose Bodenbearbeitung" der heilige Gral der Ökobewegung. Leider führt das in der Praxis zu erheblichen Kohlenstoffverlusten und Lachgasemmissionen, ganz zu schweigen von nicht tolerierbaren Dieselemmisionen durch die ständige Bodenbearbeitung. Gerade Sandböden werden auf diese Art sehr schnell zu Wüsten. Im Gegensatz dazu haben die Konvis mit Glyphosat aus dieser Not eine Tugend gemacht: Für die Bodenbearbeitung auf Sandböden (egal ob mit Pflug oder ohne) gilt eine alte Weisheit: " Du darfst da nicht so oft drüberfahren". Diesen Vorteil, der z. Zt. nur mit der g e z i e l t en (nochmal: gezielten!) Anwendung von Glyphosat abgesichert werden kann, haben die Lobbyisten der BIO-Industrie erkannt und versuchen diesen Vorteil durch Negativkampangen zu zerstören.

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  6. von Lars Henken · 6.
    Glyphosatzulassung

    Beim Thema Glyphosat geht es meiner Meinung nicht mehr um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um eine Art Glaubenskrieg. Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte PSM. Es ist aber auch das am besten Untersuchte PSM. Für die Menschen, die PSM generell ablehnen, wäre ein europaweites Verbot ein moralischer Sieg und eine Bestätigung der eigenen Linie. Dazu werden dann auch eigene "Studien" erstellt und medienwirksam in die Welt geschickt. Ein schönes Beispiel war die angebliche Glyphosatfunde in der Muttermilch im Auftrag der GRÜNEN oder die Erkenntnisse dass Glyphosat im Urin zwar nachweisbar ist, es aber um Konzentrationen von einem 1000sentel der Grenzwerte geht. Grenzwerte spielen plötzlich keine Rolle mehr. Allein die Möglichkeit eines Nachweises reicht zum vermeintlichen Skandal. Dabei sollte man immer im Auge haben, dass mit der heutigen Technik, ein Stück Würfelzucker im Bodensee nachgewiesen werden kann. Wenn Wissenschaft durch Ideologie ersetzt wird, dann sind sachliche Diskussionen nur schwer möglich.

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  7. von Jochen Böhrer · 7.
    Die Grünen sollten sich zum Thema zurückhalten

    Sie haben sich zum Thema mit ihrer getürkten Muttermilchstudie disqualifiziert. https://idw-online.de/de/news645927 Gegen die Zulassung zur Reifebeschleunigung und für Leute ohne Sachkundenachweis wäre auch ich. Aber ich bezweifle, dass dies wirklich von der EU-Kommision so vorgesehen ist. Vermutlich ist diese Behauptung ein weiterer Taschenspielertrick von Häusling, um den Protest zu verstärken.

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