Koalition lehnt Aussetzung der Glyphosat-Zulassung ab
[10.02.2012]
Pflanzenschutz
Die Bundesregierung lehnt ebenso wie die Koalitionsfraktionen eine Aussetzung der Zulassung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat ab. Das ist in der Sitzung des Ernährungsausschusses gestern in Berlin deutlich geworden. Ein entsprechender Antrag der Grünen erhielt keine Mehrheit.
Der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU, Franz-Josef Holzenkamp, und der zuständige Berichterstatter Alois Gerig bezeichneten die Forderung der Grünen als unbegründet. Derzeit lägen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, die eine Aussetzung der Zulassung rechtfertigen würden, erklärte die CDU-Politiker.
Happach-Kasan: Glyphosat ist bei fachgerechter Anwendung unschädlich
Christel Happach-Kasan
Auch FDP-Agrarsprecherin Christel Happach-Kasan geht diese Forderung zu weit. „Moderne Pflanzenschutzmittel wie der Wirkstoff Glyphosat sind bei fachgerechtem Einsatz für Mensch und Umwelt ungefährlich“, sagte sie nach den Beratungen.
Den Antrag der Grünen bezeichnete sie als „unseriöse Panikmache“. Das sei unseriös und fahrlässig. „Es hilft weder der Umwelt noch dem Verbraucher, wenn Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen diskreditiert werden, sobald deren wissenschaftliche Ergebnisse grüner Ideologie widersprechen“, sagte sie. Die häufig zitierten Tierstudien mit Hühnerembryonen oder Amphibien, bei denen große Dosen des Wirkstoffs Glyphosat negative Auswirkungen hervorgerufen haben, seien für die Bewertung der Giftigkeit von Glyphosat ohne Wert. Derartige Studien tragen ihrer Meinung nach nicht zum Erkenntnisgewinn bei und sind nicht mit dem Tierschutzgedanken vereinbar.
Gleichwohl sieht es Happach-Kasan als eine wichtige Aufgabe an, den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln zu optimieren. Dazu gehöre es, den Eintrag von Glyphosat in Oberflächengewässer weiter zu minimieren. „Hierzu müssen die Anwender weiter geschult werden, vor allem im Bereich der Kleingärtnerei und Hobbygärtner.“
Die Sprecherin verweist darauf, dass in Deutschland und der EU nur Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, die höchsten Kriterien genügen. „Bei sachgerechter Anwendung gilt Glyphosat verglichen mit anderen Herbiziden als wenig umweltbelastend; es ist biologisch abbaubar und für Menschen nicht toxisch“, ist sich die Politikerin sicher.
Ebner: Zulassung muss ausgesetzt werden
Harald Ebner
Auf dem richtigen Weg sieht sich dagegen Grünensprecher Harald Ebner. „Wir begrüßen den kürzlich ausgesprochenen Zulassungsstopp für Glyphosat-Zusatzstoffe aus der Gruppe der Tallowamine. Dadurch wurde ein Teil unser Forderungen erfüllt.“ Für unverständlich hält er jedoch, dass Fertigmischungen weiterhin erlaubt sind, die diese Stoffe enthalten.
Für die deutsche Landwirtschaft sieht Ebner verheerende Langzeitfolgen der Glyphosatanwendung, die vermutlich noch gar nicht alle bekannt sind. Anders als bislang angenommen werde Glyphosat keineswegs schnell abgebaut, sondern im Boden gebunden, wo es auch nach Jahren noch wirksam werden kann. Die Anfälligkeit der Kulturpflanzen für Krankheiten nehme dadurch zu und auch die Erträge nachfolgender Kulturpflanzen könnten massiv beeinträchtigt werden.
Die Haltung von Union und FDP bezeichnete Ebner als Ausdruck von Lobby- und Klientelpolitik. „Auf jeden Fall aber ist es ignorant und unverantwortlich.“ (ad)
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Leserkommentare
Wasserschutzgebiet
[14.02.2012]
ich bewirtschafte große Flächen im WSG. Mulchsaat und Ganzjährige Bodenbedeckung ist Pflicht. Den Nitratgehalt wurde auf 35 m/g red. Ohne Glyphosat müssten wir zurück zum Pflug. von Werner
von sendelbach
Risiko Glyphosat
[13.02.2012]
Ich habe vor einiger Zeit eine Anfrage zu diesem Thema an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)gestellt und eine ausführliche Antwort erhalten. Das Bundesamt sieht der Zeit keine Gefahr die ein Verbot von Glyphosat rechtfertigen würde. Die angesprochenen Versuche mit Hühnern und Fröschen werden nicht als wissenschaftlich fundiert angesehen. Die Initiative der Grünen ist in meinen Augen eine reine, ideologische Panik-Kompanie. Und wenn man den Leuten vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)nicht glauben kann, welche Daten sind dann als gesichert anzusehen?
von cairon
Der Internationale Strafgerichtshof
[12.02.2012]
nimmt nach dem letzen Besuch einer deutschen Deligation Anfang Februar 2012, ich war beim vorletzen Besuch dabei, Strafanzeigen auch von Bürgern der BRD auf, wenn schwere Menschenrechtsverletzungen oder ähnliches darzustellen ist. Eine Aussage des Chefanklägers. Round up im Einsatz ist mit seinen Eigenschaften und lobbygesteuerten "Packungsbeilagen" für mich eine sehr starke Menschenrechtsverletzung und zugleich eine Belastung der Schöpfung Natur. Heiner Lohmann als natürliche Person im juristischen Sinn
von 1azorenhoch
IG Botulismus hat hierzu...
[12.02.2012]
den Fall Mario Kuder, wo aus zunächst unerklärlicher Weise Stallluft und Tiere mit Rückständen von Glyphosat belastet vorgefunden wurden. Dazu schrieb die Freie Presse Sachsen am 26.5.2011 :"Im Fall des chronischen Botulismus im Vogtland gibt es eine neue Spur: Landwirt Mario Kuder, der nach eigenen Angaben rund 700 Rinder infolge der Krankheit verloren hat, trägt eine mehr als 1000-fach erhöhte Dosis des Pflanzenschutzmittels Glyphosat im Körper. Mikrobiologin Monika Krüger von der Universität Leipzig bestätigte einen entsprechenden Bericht des MDR. "Wir haben auch Rückstände im Futter, im Rinderkot und in der Stallluft gefunden", sagte sie der Freien Presse. Krüger vermutet einen Zusammenhang mit der Krankheit....
von 1azorenhoch
Volksvertreterin?
[12.02.2012]
Oh ja, wir sollten tatsächlich genau beobachten, welchen Posten Frau Happach-Kasan nach ihrer politischen Laufbahn übernimmt, nachdem sie derartige Lobbyarbeit für die Gentechnikfirmen übernimmt. Die Auswahl ist sicher groß - es gibt ja nicht nur Monsanto, sondern auch Bayer, BASF, etc werden von ihr massiv vertreten. Leider hat sie darüber ganz vergessen, dass sie als Volksvertreter gewählt wurde und damit auch den Willen das Volkes zu vertreten hätte, anstatt Konzerninteressen. Es ist nur zu hoffen, dass eine derartige Partei mit solchen Politikern bei der nächsten Wahl im Untergrund verschwindet.
von Doris Peitinger
Glyphosat
[11.02.2012]
Viele Hausbesitzer und Hobigärtner brauchen pro Jahr einen Liter!
von walterengel
Glyphosat
[10.02.2012]
Ob Glyphosat gefährlich ist oder nicht, kann nicht von Politikern beurteilt werden, sondern ausschließlich von Fachleuten der Zulassungsbehörden. Insofern ist die Panikmache der Grünen reine Polemik. Reinhard Heinrich
von chb2209
Die Bundestagswahl in 2013 rückt näher.
[10.02.2012]
Wenn die 2-3 % Partei FDP, nach der nächsten Bundestagswahl, nicht mehr dabei ist, sollte man genau recherchieren bei welchem Konzern die Frau Happach-Kasan dann beschäftigt wird. Mich würde eine Einstellung bei Monsanto nicht überraschen.
von Dieter Müller
Die Bundestagswahl in 2013 rückt näher.
[10.02.2012]
von Dieter Müller
Früher galten DDT und PCB auch als unschädlich
[10.02.2012]
Liebe Frau Happach-Kasan, woher nehmen Sie eigentlich die Sicherheit zu behaupten, Glyphosat sei ungefährlich. Monsanto wurde bereits zweimal vor Gericht verklagt wegen der Aussage "Roundup sei biologisch abbaubar". Dem ist leider nicht so! Aber möglicherweise haben Sie auf dem Gebiet der Toxizität von Glyphosat und Roundup schon Jahrzehnte geforscht, dann hätte ich gerne Ihre Forschungsergebnisse. Der französische Wissenschaftler Prof. Seralini hat über 10 Jahre auf deisem Gebiet geforscht und festgestellt, dass eine Glyphosatkonzentration die um das 400-fache geringer ist als üblicherweise in der Landwirtschaft eingesetzt zu einem Absterben von Embryonalzellen führt! Die Gesundheitsgefahr hat Prof. Huber durch 40 Jahre Forschung belegt.
von azorenhoch
Oberfläschengewässer können nicht das Problem sein
[10.02.2012]
wenn Landwirte nach Berührung mit Round up an Krebs erkranken! Hapach Kassan ist mittlerweile ein Sicherheitsrisiko!
von Realist79
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