Hauen und Stechen um Glyphosatwirkung

[30.09.2011]

Feld
Ist der Wirkstoff Glyphosat, der z.B. Hauptbestandteil von Roundup ist, nun für Tier und Mensch gefährlich oder nicht? Über diese Frage können Behörden, Verbände und Parteien derzeit vortrefflich streiten. Während grüne Organisationen und Abgeordnete vehement einen Zulassungsstopp fordern, verweisen offizielle Stellen sowie die Regierung auf strenge Zulassungsprüfungen, die keine Gefahren identifiziert hätten.
 
Um weitere Argumente gegen Glyphosat vorzubringen, hatte der BUND diese Woche den argentinischen Mediziner Prof. Dr. Andrés Carrasco zu einem Berichterstattergespräch eingeladen. Das Treffen wurde dann aber offenbar aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über den Teilnehmerkreis kurzfristig abgesagt.

Prof. Carrasco hatte bei Tierversuchen mit Fröschen den Wirkstoff Glyphosat gespritzt und dann hohe Todesraten und Fehlbildungen bei Embryonen festgestellt.

Ebner: "Das ist der Beweis, das Mittel ist gefährlich!"

Zuvor hatte bereits am Montag ein öffentliches Fachgespräch der Grünen mit  Prof. Carrasco stattgefunden. Agrarsprecher Harald Ebner zeigte sich anschließend erfreut, dass Prof. Carrasco seiner Meinung nach auch kritische Stellungnahmen deutscher Behörden eindrucksvoll hätte entkräften können. „Anders als etwa vom BVL behauptet, treten schwere Missbildungen bereits bei niedrigsten Glyphosat-Konzentrationen auf“, so der Abgeordnete. Der Anstieg der Rate von Fehlgeburten, Missbildungen und Krebs bei Kindern in Argentinien um ein Vielfaches in den letzten zehn Jahren bestätige das auf traurige Weise.
 
Claire Robinson von der Organisation Earth Open Source bemängelte das unwissenschaftliche Vorgehen von BVL und BfR  bei der Interpretation von Studienergebnissen zu Glyphosat, die Grundlage der Erstzulassung waren: Missbildungen und Störungen im Rahmen der embryonalen Entwicklung würden als solche nicht erkannt oder als "Entwicklungsvariationen" verharmlost.

„Glyphosat-Verbot nur gefordert, um GVO-Anbau zu bremsen!“

Christel Happach-Kasan
Unbeeindruckt zeigt sich dagegen die Agrarsprecherin der FDP, Christel Happach-Kasan. „Der Erkenntnisgewinn solcher Tierversuche ist gering, denn Pflanzenschutzmittel werden auf dem Feld zur Unkrautvernichtung angewandt“, sagte sie anschließend. Solche Versuche seien für die Praxis nicht relevant und daher aus Tierschutzgründen höchst bedenklich. Sie kritisierte damit das direkte Spritzen des Mittels in die Blutbahn der Versuchstiere.
 
Die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln ist ihrer Meinung nach in Deutschland umfassend und berücksichtigt mögliche Auswirkungen auf die menschliche und tierische Gesundheit wie auch die Natur. „Eine Gefährdung von Mensch oder Tier ist bisher nicht beobachtet worden.“ Die FDP-Politikerin ist davon überzeugt, dass die Grünen Roundup nur verbieten lassen wollen, weil die heute angebauten gentechnisch veränderten Sojapflanzen speziell auf Glyphosatresistenz ausgerichtet sind. Ohne Glyphosat kein GVO-Sojaanbau, laute der Plan, vermutet Happach-Kasan. (ad)

Mehr zu dem Thema:
Stellungnahme von Monsanto zu den Vorwürfen
Zulassungsstopp für Glyphosat gefordert (23.9.2011)
NGO fordert Glyphosat-Verbot (21.9.2011)
Grüne fordern Risikobewertung des Herbizids Glyphosat (7.9.2011)


 
 

Leserkommentare

14 Kommentar(e)
  • Rettung vor Hunger und Elend???

    [02.10.2011]

    Es ist sehr bezeichnend, wie ein Kommentator versucht, Round up und GVO als Rettung der Menschheit vor Hunger darzustellen. Genau das Gegenteil ist der Fall, siehe Kommentar von paulin. Sogar der so hochgelobte "Goldene Reis" schafft es nicht, simple lebensmittelrechtliche Prüfungen zu durchlaufen. Denn es geht nicht etwa darum, Hunger zu bekämpfen, sondern die Menschheit in immer größere Abhängigkeit von einigen wenigen Konzernen zu bringen. Sind wir tatsächlich so naiv, uns aufgrund von falschen Heilsversprechungen die Nahrungsmittel aus der Hand nehmen zu lassen?

    von Doris Peitinger

  • Es steht fest

    [01.10.2011]

    wenn Roundup heute vom Markt verschwindet, das die Flächen dann nicht "BIO" werden und Roundup durch ein neues, teureres Mittel ersetzt wird. Aflatoxin im BIO Getreide ist gemessen an der LD50 etwa 3000 mal giftiger als Glyphosat. Um was diskutieren wir hier eigentlich ? Wirklich gefährlich sind die bioziden Gifte wie Aflatoxine, Botolismus, Mykotoxine und EAEC Erreger in Sprossen vom BIO - Hof ( 50 Tote ). Diese bioziden Gifte findet man dann auch in der so tiergerechten Stroheinstreu. Kommt mal alle runter. Eure Diskussion geht an den wirklichen gefahren vorbei und ist praxisfern. Sie bringt niemanden was ein aus den Konzern. Egal was ihr bezweckt, die Bauern zahlen die Zeche und wieder ein paar kleine Höfe weniger, für die Investoren.

    von futtersilo

  • Zu wenig Platz für Kommentar

    [01.10.2011]

    Ich will einfach nur mit diesem kleinen Bericht sagen, das diejenigen die immer mit dem Argument der Hungernden auf der Welt kommen.Und mit den Heilbringenden GVO-Saaten werben , nicht Recht haben.Niemand wird davon heute satt ,da es fast hauptsächlich nur Soja , Raps und Mais für Futtermittel für Nutztiere gibt und Baumwolle für Bekleidung.Der Vitamin- A Reis wird auch immer erwähnt,aber der ist noch in der Schublade. Es gibt noch viele andere Mängel in Indien usw.als nur bei Vitamin A. Durch die großen Flächen des Soja-Anbaus in Südamerika gehen eher Flächen für die Nahrungsmittelproduktion verloren.Informiert Euch umfassend und nicht einseitig. Es gibt sicher noch andere Alternativen ,ihr Befürworter wollt sie nur nicht sehen und hören

    von paulin

  • Es geht um mehr , was nutzt den Kleinbauern das GVO-Soja?

    [01.10.2011]

    ABHÄNGIGKEIT v.Konzernen Prof.Dr. Andreoli aus Brasilien erzählte wie die Geschichte mit dem Doppelpack Saatgut/Spritzmittel in Brasilien u. Argentinien abgeht. Erst wird den Bauern(meist Analphabeten) noch das GVO-Saatgut und das Spritzmittel(Round up Ready) geschenkt.Zu den Treffen sollten sie ihre Hacken mitbringen. Die wurden dort dann verbrannt.Es wird gesagt das RuR so ungefährlich ist das man es trinken kann.Das nächste Jahr müssen die Bauern dann für das Doppelpack zahlen.Erst brauchen Sie nicht soviel RuR,dann immer mehr.Nach ein paar Jahren wirkt es nicht mehr richtig, dann wird ihnen gesagt"Dann müßt ihr eben hacken".In dem Film "Monsanto mit Gift u. Genen:Schulkinder die durch diese Felder gehen haben Hautauschlag.Werden krank.

    von paulin

  • Angebliche Umweltauflagen und verlogener Verbraucherschutz

    [01.10.2011]

    Diese haben massenhaft kleine Betriebe und nicht nur Landwirte weggemobbt. Die Gewinne der großen Konzerne sind durch die "GRÜNEN" Errungenschaften geradezu explodiert. Paralell wurde dazu ein ganzer Industriezweig für Zertifizierung aus der Taufe gehoben, der auch von uns Bauern bezahlt wird, wie der grüne Punkt auch. Das EEG kostet jeden Landwirt 3.000 € ohne erhöhte Pachtpreise. Wieviel Unheil bzw. Unfug dürfen solche Leute noch anstellen und Existenzen vernichten ? Monsanto hat seine Schäfchen längst im trockenen !

    von futtersilo

  • Auf kosten der Landwirschaft

    [01.10.2011]

    Das Patent für Rounup ist abgelaufen. Die Chemieindustrie verdient zu wennig,da kommt es gerade recht daß ein paar angebliche Grüne Weltretter wo noch meist aus einer Grünlandöde kommen Roundup schlecht reden.Die Industrie und Handel werden sich freuen ein neues Produkt gewinnbringend absetzen zu können.Alles auf kosten der Landwirschaft!! Josef Hofmann

    von josefhofmann

  • Undemokratische Spendenindustrie

    [30.09.2011]

    Angst ist mir nur vor demokratisch nicht legitimierten Organisationen, die unter dem Vorwand GVO im industrieleln Maßstab nur Spenden sammeln und um Erbschaften bitten. Ohne Glyophosat sinkt die Lebensmittelproduktion und die Preise steigen. Die löst Hunger und Armut aus in der 3. Welt. Was wollt ihr denn ? Essen für alle ? Wie soll das klappen ? weniger Erträge heisst noch mehr Regenwald kaputt machen. Euch fehlt allen ernstes der Plan ! ... oder ist es der Plan Angst zu verbreiten und mit den Spenden der Leute schön zu leben ?

    von futtersilo

  • angst und schrecken

    [30.09.2011]

    Frau Happach-Kassan erzeugt bei mir angst und schrecken.sie arbeitet nur für ihre persönlichen interessen und nicht zum wohl der bürger.gvo-pflanzen sparen in keinster weise glyphosat ein .das GEGENTEIL ist der fall.somit ist der fortschritt ein rückschritt!!.-der liebe gott hat uns verstand gegeben um die FOLGEN unseres HANDELNS abschätzen zu können.-krebs wird immer mehr zur volkskrankheit .hält uns diese krankheit einen spiegel vor?jede krebszelle verhält sich asozial.sie nimmt mehr als sie braucht und vergisst ,dass sie so nicht überleben kann .sie entzieht ihrem wirt die lebensgrundlage und damit auch sich selbst.-die erde ist UNSERE lebensgrundlage .wir müssen anfangen zum besten für alle zu handeln und für alle,die nach uns kommen

    von heike comeback

  • Profitgier

    [30.09.2011]

    Anstatt aus der Vergangenheit zu lernen, lassen wir uns weiter von Chemiefirmen und ihren Sprachrohren, die sie vorrausschauend in entsprechenden Schaltstellen untergebracht haben, Lügen von angeblicher Unbedenklichkeit erzählen. Es gibt genügend Studien und leider auch bereits eine Reihe von Opfern durch Round up, jedoch wird weiterhin versucht, dies aus Profitgründen als falsch bzw. unwahr darzustellen. Dass Frau Happach-Kassan als Agrarsprecherin einer Partei, zu deren Sponsoren u. a. Syngenta und KWS gehören, ins gleiche Horn bläst, ist nur allzu verständlich.

    von Doris Peitinger

  • Geht auch mit Kochsalz

    [30.09.2011]

    Wer 3 Eßlöffel Kochsalz ißt und kein Wasser bekommt ist tot. Wer 20 ml Kaliumchlorid i.v. spritzt stirbt und man hinterlässt noch nicht mal analytische Spuren im Blut .... und wer im Frühjahr Sprossen vom Biohof gegessen hat ...

    von futtersilo

  • Verbieten von Wasser

    [30.09.2011]

    Ich behaupte wenn jemand(Mensch) in 2 Min 5l Wasser trinken muß werden mindestens 80% unter dieser Zeit ertrinken. Atrazin war ein Mittel wo man wenn man 2 Jahre hintereinnander Mais pflanzen wollte in diesem mußte man bei 8l Aufwand das nächste Jahr kein Herbizideinsatz mehr nötig war. Auch bin gegen GVO aber vor allem weil vor bei Zulassung der Markt mit allem möglichen und unmöglichem Experimentiert würde die ein Desater nicht auszuschliessen, und wenn, dann womöglich schlimmer als ein Gau. Solche Versuche wie dieser Prof könnte man mit Zucker,Fett,usw ich glaube wenn ich will wäre da alles giftig ja man müßte da vielleicht sojar Wasser verbieten wenn das Obrige Experiment so verläuft wie ich vermute.

    von elinge

  • Alles Quatsch

    [30.09.2011]

    Schon eine Pflanze jakobskreuzkraut ist giftiger als ein 200 l Fass Glyphosat. Welche weniger untoxische Variante stünde denn zur Verfügung ? Glyphos ist ein Glücksfall mit seinen geringen Auswirkungen auf die Umwelt und seiner guten Wirkung. Die Sprossen vom Biohof waren auf jeden Fall toxischer und haben mehr Tote verursacht als Glyphosat in 30 Jahren Anwendung. Eine Mrd. Menschen hungert auf dieser Welt.

    von futtersilo

  • Interessenskonflikte? Ach was... Prüfungen von Pflanzenschutzmittel

    [30.09.2011]

    werden in Deutschland vom BfR und in der EU von der EFSA gemacht. Neben der Aussage eines Wissenschaftlers, dass Roundup nach neuen Zulassungskriterien höchstwahrscheinlich die Zulassung verwehrt werden müsste ist interessant, wer so alles in der EFSA und dem BfR arbeitet. So z.B. Ursula Gundert-Remy, die ehemalige Leiterin des Fachbereichs Chemikalienbewertung im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die nun neu in das EFSA-Expertengremium für „Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen“ (ANS) berufen wurde. Laut lobbycontrol.de war sie auch schon in beratender Funktion für die industrienahe Denkfabrik und Lobbyorganisation ILSI tätig, welche u.a. von BASF und Monsanto getragen wird.

    von detmarkleensang

  • Verantwortungsbewußtsein für Mensch und Tier

    [30.09.2011]

    Mich erinnert die Diskussion an die 80ziger Jahre und Atrazin. Völlig unbedenklich für Mensch und Umwelt, zudem höchst wirksam und kostengünstig, so wurde das Herbizid gepriesen und von uns Landwirten auch entsprechend eingesetzt. Wie falsch diese Darstellungen der Chemieindustrie und Zulassungsstellen war, stellte sich bald heraus. Man fand den Wirkstoff in unseren Trinkwasserbrunnen bzw. -quellen. Sämtliche, von Wissenschaftlern unterfütterten Unbedenklichkeitsbeteuerungen erwiesen sich falsch. Die Lehre daraus ist, nicht darauf warten, bis bei Mensch und Tier Krankheitssymptome beobachtet werden können. Wer solange zuschauen will, ist sich seiner Verantwortung nicht bewußt und handelt verantwortungslos.

    von foldenauer

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