Isermeyer für allmählichen Ausstieg aus den EU-Direktzahlungen

[30.01.2012]

Folkhard Isermeyer
Seine grundsätzliche Kritik an der kommenden Agrarreform hat der scheidende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats, Prof. Folkhard Isermeyer, bekräftigt. Mit der vorgesehenen Fortführung der Direktzahlungen reagiere die Kommission weder auf den Anstieg der Agrarpreise noch auf gravierende Defizite der bisherigen Agrarpolitik bei der Erreichung gesellschaftlicher Ziele, sagte Isermeyerauf der Grünen Woche in Berlin.

Dem Wissenschaftler zufolge werden die Direktzahlungen auch nach einem Greening kaum zur Bewältigung anstehender Herausforderungen beitragen. Dies gelte für eine gesellschaftlich akzeptierte Weiterentwicklung der Tierhaltung ebenso wie für einen verstärkten Klimaschutz der Landwirtschaft und deren Anpassung an den Klimawandel, zudem für die Entwicklung peripherer ländlicher Regionen oder auch die Sicherung der Welternährung. Der Beiratsvorsitzende forderte vor diesem Hintergrund erneut einen „Einstieg in den Ausstieg“ aus den Direktzahlungen. Stattdessen bedürfe es einer zielgerichteteren Politik, um Steuermittel effizient zur Lösung schwerwiegender Probleme einzusetzen. Erreicht werden könne dies mit einer Stärkung und Weiterentwicklung der Zweiten Säule, so Isermeyer.
 
Der stellvertretende DBV-Generalsekretär, Udo Hemmerling, warnte hingegen vor einem Ausstieg aus den Direktzahlungen, die im Durchschnitt in Deutschland rund die Hälfte der Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe ausmachten. Gleichzeitig mahnte Hemmerling zur Vorsicht. Der Aufschwung an den Agrarmärkten sei bislang nur eine Momentaufnahme. Hier müsse die weitere Entwicklung abgewartet werden.
Ähnlich äußerte sich Staatssekretär Dr. Robert Kloos: „Es geht nicht ohne Direktzahlungen“. Der CSU-Europaabgeordnete Albert Deß bezeichnete Direktzahlungen als „Minimalentschädigung“, auf die die Bauern nicht verzichten könnten. (AgE)

vgl.:
Personalwechsel beim Wissenschaftlichen Beirat (23.12.2011)

Leserkommentare

20 Kommentar(e)
  • funktioniert nicht

    [05.02.2012]

    die pachten werden im verhältniss zu aufwand /ertrag auch ohne prämie nicht sinken .wer`s glaubt wird seelig .eine obergrenze bzw. degression muss her um wirklich bäuerliche landwirtschaft z u erhalten und zu fördern!!von oge

    von nitro

  • Warum nur allmählich?

    [31.01.2012]

    Das einzige was am Vorschlag des Herrn Isermeyer zu kritisieren ist, ist der allmähliche Ausstieg. Weg mit den Prämien - sofort!

    von kellerhof

  • da hat herr Isermeyer vollkommen recht.

    [30.01.2012]

    Dauerhaft fortgeführt führen die Direktzahlungen zu zweierlei: 1. eine zunehmend hoher Anteil der Direktzahlungen landet beim Grundeigentümer als Grundrente, also in der Regel beim Verpächter! 2. zu einer immer weiter zunehmenden Gängelung und Bürokratisierung der Landwirtschaft durch die Politik! Beides ist, denke ich, nicht erstrebenswert. Weiterhin muß man ganz klar sagen: Über die höheren Produktpreise sollten die Direktzahlungen auch dauerhaft entbehrlich sein. Diese Produktpreise sind in starkem Umfang an die Erdölpreise gebunden und daher ist ein dauerhaftes Absinken nicht zu befürchten. Alles spricht also für einen gleitenden möglichst langsamen Ausstieg! Danke für die klaren Worte Herr Isermeyer!

    von hhardege

  • zu sinkentem pachtpreise

    [30.01.2012]

    es kann auch dazu kommen das kein bauer flächen pachten will !!!! Mein vater mußte noch bis anfang der 70iger jahre die mit dem hof übernommenen felder pachten (pflichtpachtgesetz) und für die eigenen und für die gepachteten flächen ein SOLL abführen. Die ernte war noch nicht ganz unter dach ,da stand schon der "erfasser" auf dem hof ,und in schlechten ertragsjahren blib kaum was für einen selber. ich war 9 jahre und habe dieses erlebt und fürchte daß ich es nochmal erlebe

    von gerald.hertel

  • sinkente

    [30.01.2012]

    von gerald.hertel

  • direktzahlungen

    [30.01.2012]

    Es sollte doch jedem klar sein: - die Pachtpreise werden auch ohne Direktzahlungen nicht sinken (hat schon mal jemand erlebt, dass die Pachtpreise sinken?) - die Auflagen, die wir heute haben werden weiter bestehen bleiben und mit größter Sicherheit weiter verschaerft werden - eine Rückkehr zu gestützten Nahrungsmittelpreisen ist ebenso unwahrscheinlich wie eine Verringerung der Bürokratie

    von maggiheng

  • Weg mit den Prämien

    [30.01.2012]

    Wenns nach mir ginge wären die Prämien eher gestern als morgen abgeschafft worden. Fakt ist, dass viele Landwirte überhöhte Pachtpreise zahlen (können), die jetweder ökonomischer Grundlage entbehren, und das z.T. auch weil es Prämien gibt. Fallen die Prämien für die LW weg, werden die Produktionskosten sinken, z.B. wird Dünger, Pflanzenschutz billiger (wir sehen es doch bei den derzeit hohen Preisen für Getreide, die Industrie will ein Stück vom Kuchen abhaben). Der entscheidene Vorteil bei Wegfall von Prämien ist aber, dass die guten Landwirte auch ohne Prämie überleben werden und die schlechten vom Markt verschwinden... (s. Neuseeland)

    von agronaut

  • Wie denn anders? Prämien komplett abschaffen!

    [30.01.2012]

    Prämien komplett abschaffen. Wenn ich mehr als 300 €/ha Pacht bezahle, muß ich keine Prämien mehr haben. Gruß

    von lukas#001

  • Wie denn anders?

    [30.01.2012]

    Sicher wäre es einfacher sämtliche Direktzahlungen usw. komplett abzuschaffen, die behördlichen Auflagen gleich mit. Aber Einbußen im Einkommen kann und will kein Betrieb hinnehmen. Preise für landw. Produkte kann und will die Politik aber nicht bestimmen. Und wer schafft weltweit Agrarsubventionen ab und vereinheitlicht Produktionsstandards auf dass alle vergleichbar sind?? Das jetzige System ist das fairste und transparenteste bisher, gleichwohl mit hohen Ansprüchen an Bürokratie. Und ha ist ha. Egal ob der Betrieb 20, 200 oder 2000+ ha bewirtschaftet. Egal ob Öko oder konventionell. Alle die anders argumentieren begeben sich auf einen sehr schmalen Grat von Missgunst und Neid. Und dies führt letztenlich zum Zerbrechen des Berufstandes.

    von kjh#001

  • Direktzahlungen

    [30.01.2012]

    Immer wieder der gleiche Vorwurf hier: "Die Subventionen werden ungerecht verteilt." Aber wie soll es denn gerechter gehen? Soll die Höhe nach den tatsächlichen Kosten bemessen werden und so "Misswirtschaft" unterstützt werden? Soll die Höhe nach den angebauten Kulturen bemessen werden und so direkt auf das Angebot Einfluss genommen werden? So lange Landwirte unentgeltlich gesellschaftliche Leistungen, wie Erhalt der Kulturlandschaft usw. erbringen sind Direktzahlungen gerechtfertigt. Übrigens machen die nur deshalb einen so großen Anteil am EU-Haushalt aus, weil die Landwirtschaft bisher der einzige Sektor ist, der wirklich komplett von Brüssel gemeinschaftlich gelenkt wird.

    von chrisman#001

  • Der Knebel bleibt weitgehend

    [30.01.2012]

    Genau wegen dieser Auflagen werden die Direktzahlungen nicht so schnell verschwinden, da kann man alle diejenigen, die sie weiterhin haben wollen ein Stück weit beruhigen. Denn nur durch die Zahlungen hat man uns im Griff damit wir Auflagen einhalten müssen. Die Auflagen werden aber wohl noch schärfer werden.

    von herzas1

  • Direktzahlungen

    [30.01.2012]

    @Dieter Müller Also ich wäre froh wenn die Direktzahlungen abgeschafft würden. Die paar Euros kann ich gut drauf verzichten, wenn alle diese nicht nehmen würden. Denn die gängelei von den Behörden gehen mir ziemlich auf den Geist. Die meisten Subventionen gehen sowieso nicht in die Landwirtschaft, sondern an die Verpächter. Die Prügel das sie Subventionen annehmen bekommen die Landwirte aber zu 100%! Und auf diese Prügel kann ich gut verzichten. Gruß

    von lukas#001

  • Isermeyer hat recht

    [30.01.2012]

    Bei der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise kann doch keiner ernsthaft erwarten, dass dieses Subventionssystem langfristig aufrecht erhalten wird. Ferner kommen Verbände wie der BUND, NABU, AbL BDM auf die Idee das Prämiensystem politisch zu instrumentalisieren. Mir ist ein nachhaltiges standortangepaßtes freies landwirtschaftliches Unternehmertum wichtig. All das wird man mit der Fortführung des Prämiensystems zerstören. Jedes Jahr kommen neuer Aktenordner für Dokumentation und Sicherung der Prämien hinzu, der Durchschnittslandwirt überblickt doch heute kaum noch alle Auflagen die er erfüllen muss. Wenn Herr Remmel sagt: "Wenn ich will kann ich ein Großteil der Betriebe schließen lassen, weil sie Auflagen nicht erfüllen" dann hat er recht..

    von landfuerst

  • Weltmarktkonditionen auch für Agrarwissenschaftler!!

    [30.01.2012]

    Wir nehmen die Einkommen von Proffesoren z. B. in Indonesien, Lateinamerika, Afrika, China usw. und ermitteln das durchschnittliche Gehalt. Wenn Herr Isermeyer Glück hat liegt er dann sogar knapp über Hartz 4. Wer die europäischen Bauern, bei ihren hohen Betriebskosten, ohne Direktbeihilfen, auf den Weltmarkt entlassen möchte, der geht bestimmt gerne mit gutem Beispiel voran. Sollte er natürlich bei seinen nächsten "wertvollen" Statements eine gute und nachhaltige Lösung bzgl. der Erzeugerpreise präsentieren, ist seine aktuelle Stellungnahme bestimmt diskutabel.

    von Dieter Müller

  • Richtig Herr Isermeyer

    [30.01.2012]

    Herr Isermeyer war schon immer der Mann der klaren Worte, wenn sie auch nicht immer so so richtig ankommen bzw. plaziert sind. Was meint er mit Einstieg in den Ausstieg? Ich hoffe doch er meint damit, dass endlich eine spürbare Degression eingeführt wird. Wenn bspw. 30% der Direktzahlungen an 1,5% der Betriebe ausbezahlt werden, oder Konzerne ausserhalb einer Landwirtschaft mit Direktzahlungen der EU begünstigt sind, dann hat er recht mit dem Ausstieg. Wenn dann diese Gelder in eine ländlich strukturierte nach ökulogischen Grundsätzen bewirtschaftete bäuerliche Landwirtschaft umverteilt werden, ohne großen Bürokratieaufwand, dann kann ich ihm wieder beipflichten. Was wollen wir lieber? Eine industrielle Landwirtschaft oder doch bäuerlich?

    von beernhof

  • Direktzahlungen

    [30.01.2012]

    Hallo, die Direktzahlungen der ersten Säule kommen doch garnicht bei dem Bauern an, der Pachtland hat. Ca. 60 % sind Pachtland und damit sind die meisten Prämien Durchlaufposten bei den Betrieben. Daher ist die Behauptung die Prämien sind die Hälfte des Einkommens der Bauern TOTAL IRREFÜHREND!!!! Der DBV Generalsekretär sollte aufhören wenn er solch etwas von sich gibt. Denn soetwas ist einfach nicht ehrlich. Herr Isermeyer hat schon die richtigen Ansätze. Gruß

    von lukas#001

  • auch ein isermeyer kann mal recht haben!

    [30.01.2012]

    wenn mir einer der 60 000 euro prämie bekommt sagt "wenn ihr nicht billiger produzieren könnt ,müßt ihr aufgeben!",bekomme ich einen dicken hals. das gleiche wie isermeyer hat auf dem borkener bauerntag herr kleffmann von der beratungsfirma kleffmann gesagt. dabei habe ich keinen widerspruch gehört. die gewinner der prämie sind nur die großen und die ernährungsindustrie! mfg!jupp wissing-marinbur

    von hewi

  • Armutszeugniss der Großbetriebe!

    [30.01.2012]

    Ich dachte groß heißt immer besser und billiger! Jetzt brauchen die schon 50 % aus staatl. Zuwendungen um zu überleben. Ein Kleinbetrieb bekommt nur ein Bruchteil arbeitet genausoviel und braucht auch nicht mehr für seine Familie. Wo ist da die Rechtfertigung solche Beträge auszuzahlen. Abschaffen liebe Politik oder alle Gleichberechtigt subventionieren!

    von Ghostbusters

  • Zuerst die Reform ...

    [30.01.2012]

    ...aber so, dass der Markt für uns Landwirte funktioniert!

    von Realist79

  • Vorher ging´s auch ohne Dirketzahlungen

    [30.01.2012]

    als die Gemeinsame Politik noch nicht gab, allerdings hatten wir da auch andere Erzeugerpreise. Dirketzahlungen sind Preissubventionen um Lebensmittel kostengünstiger dem Verbraucher anzubieten. Unsere Vorfahren haben auch Landwirtschaft ohne GAP betrieben und Kulturlandschaft erhalten!

    von Friesenkuh

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