Kontroverse um die Wirkung der Kappung auf die Agrarstruktur

[02.02.2012]

Hans-Georg von der Marwitz
Fehlentwicklungen in der Agrarstruktur hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz kritisiert. „In Brandenburg erlebe ich Betriebskonzentrationen in bisher nicht vorstellbaren Ausmaß“, sagte der Landwirt kürzlich im Bundestag.

Seiner Beobachtung zufolge kaufen außerlandwirtschaftliche Investoren „einen Landwirtschaftsbetrieb nach dem anderen“. Die Firmensitze befänden sich in der Regel weit entfernt, Gewinne würden nicht in der Region investiert, sondern gingen zumeist an Eigentümer, Gesellschafter und Aktionäre ohne Bezug zur Landwirtschaft und den Dörfern. „Die systematische Konzentration der Landwirtschaft in den Händen weniger Konzerne kann nicht das Ziel unserer Agrarpolitik sein“, so von der Marwitz.

Eine Möglichkeit, korrigierend einzugreifen, sieht der Unionspolitiker in einer Kappung der EU-Direktzahlungen. Sie seien „der zentrale Hebel, um Entwicklungen zu beeinflussen“. Von der Marwitz räumte zugleich ein, mit dieser Meinung in seiner Fraktion „verhältnismäßig einsam“ zu sein. Man sei aber einig in der Bewertung, dass inhabergeführte bäuerliche Betriebe am ehesten den Anforderungen gerecht würden.

FDP-Agrarsprecherin Dr. Christel Happach-Kasan sprach sich hingegen strikt gegen eine Kappung aus. Wichtig sei nicht die Betriebsgröße, sondern „die Art und Weise, wie die Betriebe bewirtschaftet werden“; betonte die FDP-Politikerin. Eine Kappung ginge ihren Ausführungen zufolge nicht nur zu Lasten der gewachsenen Betriebsstrukturen in Ostdeutschland, sondern beeinträchtigte auch die Entwicklung von Wachstumsbetrieben. Sie könne zudem über Betriebsteilungen umgangen werden. Happach-Kasan verwies auf die Notwendigkeit, die Belastungen der Natur durch die Landbewirtschaftung zu vermindern und nannte das Problem des Stickstoffeintrags. (AgE)
 

Leserkommentare

11 Kommentar(e)
  • FDP verteitigt Erungenschaften des Sozialismus

    [02.02.2012]

    Das es mit der FDP politsch und moralisch zu Ende geht zeigen die geistigen Ergüße von Frau Happach-Kasan schon seit langem. Was würde ein Josef Ertel übereine Parteifreundin sagen die den Stickstoffaustrag von Landwirtschaftlichen Flächen für schlimmer erachtet als das vernichten von bäuerlichen Struckturen im Westen und die Zwangskollektivirung im Osten? Was ist das für eine Partei die alles Unrecht rechtfertigt hauptsache es entsteht ein Gewinn für kapitalistische Geldanleger?

    von ekd

  • Lassen wir Herrn von der Marwitz selbst zu Wort kommen

    [02.02.2012]

    http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?contentArea=common&isLinkCallPlenar=1&categorie=Plenarsitzung&action=search&instance=m187&mask=search&ids=1528474

    von helmut_ehrlicher

  • www.bundestag.de

    [02.02.2012]

    Den Redebeitrag (7,25 Min.) sollte man sich ansehen. Als Herr Von der Marwitz das Wort "Familienbetrieb" benutzt hatte, war der Applaus bei der CDU sehr leise. Solche Definitionen hört der -diesmal anwesende- "möchte gern" Bauernpräsident J.Röring nicht gern. Wir sind alle gut beraten Leute wie Herrn Von der Marwitz mit allen Mitteln zu unterstützen. Interessant ist auch die Tatsache, dass der deutsche Steuerzahler 11 Mrd.für Agrarsubventionen ausgibt,und der Stromkunde sich über 11 Mrd für das EEG nicht aufregt...

    von aheumer

  • Scheindiskussion ?

    [02.02.2012]

    Kappungsgrenzen können umgangen werden, wer etwas anderes glaubt ist naiv. Das Grundstückverkehrsgesetzt ist leider kein scharfes Schwert mehr, wenn es um Bodenkauf geht. Hier sollte man erneut über den Begriff "ungesunde Bodenverteilung" diskutieren und scharf anwenden. Wachstumsorientierten Familienbetrieben (meine Definition: Betriebsleiter/Eigentümer arbeitet mit..) Steine in den weg zu legen ist nicht ok. Wenn aber KTG-Agrar oder andere mächtig Land kaufen, so sollte man das begrenzen. Mein Vorschlag: Mindestlohn von 8,50 € oder mehr in der Landwirtschaft, dann werden auch Großbetriebe ruhiger, die teilweise nur 6 € Stundenlöhne bezahlen.

    von landfuerst

  • Herr Von der Marwitz hat eigene Ansichten zur Agrarpolitik

    [02.02.2012]

    Herr Von der Marwitz ist eine absolute Ausnahmeerscheinung innerhalb der CDU. Er sagt selbst, dass er sich innerhalb der CDU mit seinen eigenen Ansichten zur Agrarpolitik „isoliert“ fühlt. Es ist die Person die hier deswegen wählbar ist und nicht automatisch der CDU Partei-Moloch, der solche aufrichtigen Politiker in seinem Agrarindustrie-Wahlprogramm unterzubuttern versucht. Wir brauchen mehr solcher Politiker, egal von welcher Partei. Aber auch hier sind es wieder die gleichen Leute, die nicht differenzieren wollen (oder können?) und automatisch alles von CDU, DBV, usw. als den einzigen Bauern-Heilsbringer darstellen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Bauern denken heute mit und sind besser informiert.

    von helmut_ehrlicher

  • Gesicht rein kapitalistischer Lobby-Gesinnung

    [02.02.2012]

    landwirtschaftliche Betriebe, Dörfer, ja ganze Regionen werden jetz rein kapitalistischen Strukturen zugeführt. Die Moloche fressen alles, was Zinsen bringt. Die oben beschriebene Vorgangsweise wurde seit dem Beitritt der Ostländer praktiziert. Dänen haben bspw. in der Slowakei zig tausende Ha gekauft, um diese an Börsen zu Rekapitalisieren. Heuschreckenmethoden, hinter welchen Menschen stecken. Anonym , natürlich. Die witzlosen Diskussionen über die Reform der Agrarpolitik sollte man sofort stoppen und im Gegenzug ein kapitalistisches Facebook für die Cocacolas, Unilevers, Permiras,.....schaffen. Bekanntlich haben diese Firmen ja ein superreines Gewissen, so eines wie unser österreichische Finanzminister a.D..

    von heinrichunger

  • Wegen einem Mann wird die CDU nicht wählbar!

    [02.02.2012]

    Auch nicht für einen konventionellen Bauern. Denn das Gros der CDU meint immer noch, die große Wahrheit im Märchen vom konstant-prozentualen Wachstum zu sehen. Welches es bis auf bei Krebsleiden nirgendwo in freier Natur oder freiem Markt gibt. Und auch ein CDU-geführtes Agrarministerium wie das in Niedersachsen gibt eher ein schlechtes Bild ab, gerade für die konventionellen Bauern. Wenn ein Lindemann in vorauseilendem Gehorsam der grünen Konkurrenz alle Betätigungsfelder wegnehmen will und noch eine kräftige Schippe drauf legt, dann leiden die Bauern darunter gewaltig! Umso gefährlicher, wenn die CDU noch ein paar mehr Prozente hat als die FDP, die sich dankenswerter Weise schon abgeschafft hat. Ich hoffe, von der Marwitz setzt sich durch

    von detmarkleensang

  • ehrlicher

    [02.02.2012]

    Die von ihnen sog.C-Partei ist für einen konv.Betrieb das Rückgrat zum überleben.Das zeigt die jüngste Vergangenheit.Es wäre schön wenn es der BDM auch mal merken würde.Danke Herr Marwitz!!

    von werni

  • ehrlicher

    [02.02.2012]

    Die von ihnen sog.C-Partei ist für einen konv.Betrieb das Rückgrat zum überleben.Das zeigt die jüngste Vergangenheit.Es wäre schön wenn es der BDM auch mal merken würde.Danke Herr Marwitz!!

    von werni

  • Das Schweigen der Frau Happach-Kasan.

    [02.02.2012]

    Bei Klassenarbeiten in der Schule, insbesondere bei Aufsätzen, gab es Schüler die bekamen eine sechs. Diese "Experten/innen" lasen dann den roten Vermerk, Thema verfehlt, unter ihrer Arbeit. Das Thema von Herrn von der Marwitz ist der Ausverkauf von Landwirtschaftsbetrieben an sogenannte Investoren, die oft keine Bezug zur Landwirtschaft haben. Die Frau Happach-Kasan reduziert dieses Thema ausschl. auf die Kappungsfrage bei Wachstumsbetrieben. Hier wird eine Politik vertreten die Anlegern, die keinen Bock mehr haben Staatsanleihen zu kaufen, neue Renditechancen durch den Kauf von Bauernland incl. Prämienansprüche eröffnet. Der Liberalismus schlägt hier voll zu. Die soziale Marktwirtschaft spielt bei der 2-3 % Partei FDP keine Rolle mehr.

    von Dieter Müller

  • Bravo, Herr Von der Marwitz!

    [02.02.2012]

    Es ist beschämend, dass sich in der C-Partei scheinbar nur noch ein aufrichtiger Politiker wie Von der Marwitz befindet, der die Auswüchse der fehlgeleiteten Agrarpolitik richtig analysieren kann und dann die Erkenntnisse auch im Bundestag artikuliert. Die falsche Zielstellung von Frau Happach-Kasan und ihrer mittlerweile unbedeutenden FDP zur Landwirtschaft wird hier auch wieder einmal nur allzu deutlich.

    von helmut_ehrlicher

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