Lindemann will gläserne Höfe bevorzugen

[03.02.2012]

Gert Lindemann
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann will in den Richtlinien für die Agrarinvestitionsförderung verankern, dass Landwirte, die in besonderer Weise für Transparenz in ihren Ställen sorgen, einen Bonuspunkt bekommen. Damit hofft er, die Landwirte wieder in die gesellschaftliche Mitte zu rücken und den schlechten Ruf der Tierhaltung zu verbessern.

Wie ein Sprecher des Ministeriums ergänzt, werde Niedersachsen außerdem Betriebe verstärkt fördern, die den Tierschutzplan des Ministers sowie die Vorgaben zur Gruppenhaltung von Sauen einhalten. 
 
Zum Plan der gläsernen Ställe erklärte der CDU-Politiker im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, die Tierhalter könnten beispielsweise zusätzliche Fenster einbauen, durch die auch Wanderer und Spaziergänger jederzeit von außen einen Blick in die Ställe werfen können. Zudem hält er es für sehr wichtig, dass die Landwirte den Dialog mit den Verbrauchern führen, um zu zeigen, wie die moderne Landwirtschaft heute funktioniert. „Die Verbraucher müssen sehen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Ich glaube, in aller Regel müssen sich die Landwirte dabei nicht verstecken“, so Lindemann.
 
Als schuldigen für die heutige Anschauung macht der Minister die Werbung aus.  Sie suggeriert seiner Meinung nach eine Landwirtschaft wie vor 40 Jahren. „Wenn Verbraucher heute große Ställe sehen, fühlen sich nach so vielen Horrormeldungen, die über moderne Nutztierhaltung verbreitet werden, irritiert und unsicher“, argumentiert Lindemann weiter. Selbst dort, wo belegbar keine Gesundheitsgefährdung für die Anwohner besteht, rege sich Widerstand allein aus dem Gefühl, hier könnte etwas Gefährliches passieren. „Dem wird man nur begegnen können, wenn man offen an das, was man vorhat, herangeht und die Bürger einbezieht.“ Der Agrarpolitiker will aber nicht verleugnen, dass es „an der einen oder anderen Stelle durchaus Probleme mit moderner Nutztierhaltung gibt, denen wir uns stellen müssen und was wir mit unserem Tierschutzplan auch tun“.
 
In diesem Zusammenhang spricht sich Lindemann für eine Aufhebung der Privilegierung für großgewerbliche Anlagen aus. „Wir haben meines Erachtens unzweifelhaft ein Problem etwa im Landkreis Emsland mit 33 Mio. Plätzen für Geflügel. Da habe ich viel Verständnis, wenn man sagt, dass dort die Grenze des Erträglichen erreicht ist. Bei einer so hohen Dichte an Nutztieren in der Region muss man eine sehr sorgfältige Planung machen, wenn da noch weitere Ställe dazukommen sollen“, so Lindemann. Er stellt sich aber klar hinter alle Betriebe, bei denen ein bestandsbetreuender Landwirt einen guten Überblick über die Tiere behält und sicherstellen kann, dass er sich anbahnende kritische Situationen sehr schnell erfassen und gegensteuern kann.

Der Minister warnt jedoch vor dem zunehmenden Einfluss von Investmentgesellschaften und Hedgefonds. „Man muss das im Auge behalten. Denn dieses Problem kommt auf leisen Sohlen. Es fängt damit an, dass der Bauer seine Küken und sein Futter von einem großen Unternehmen bekommt und dann quasi in Lohnmast arbeitet. Das ist dann nicht mehr die klassische Form bäuerlicher Betriebsführung, die wir in Niedersachsen erhalten wollen.“ (ad)

Leserkommentare

5 Kommentar(e)
  • Nebelwerfer

    [06.02.2012]

    Die Ideen von Herrn Lindemann mögen ja ganz toll klingen, ich halte sie aber nur wenig effektiv. Glaub er wirklich der Verbraucher findet einen großen Maststall schöner weil ein Fenster drin ist? Wegen der Hygiene möchte ich nicht jeden Tag fremde Spaziergänger auf meinem Hof haben und wie sieht es mit der Haftung aus falls was passiert? In der Lehr- und Versuchsanstalt Echem habe ich noch keine frei laufenden Besucher gesehen, sollte man nicht lieber an solchen Standort Führungen für Normalbürger anbieten und so die Leute heran führen anstatt ein paar Fenster als Lösung anzusehen?

    von cairon

  • Investmentgesellschaften und Hedgefonds.

    [03.02.2012]

    Herr Lindemann hat die Situation der kapitalgeilheit auf landw. Flächen und Betriebe richtig erkannt. Nachdem die Staatsanleihen zu riskant geworden sind und auch andere Anlagen wenig Sicherheit bieten, stürzt sich derzeit das Kapital auf den Agrarbereich. In der Regel wurden aber die neuen Mastanlagen mit staatlichen Zuschüssen gebaut, von denen dann die Industrie provitiert. Der Landwirt/Lohnmäster erhält meistens weniger als Arbeitnehmer in der Industrie. Die Frage ist: was will oder kann Herr Lindemann dagegen tun und wie ist der derzeitge Koalitionsparter (FDP) hier aufgestellt. Fakt ist, dass die Grunderwerbsteuer im letzten Jahr um über 20 % gestiegen ist. Der Staat provitiert sogar noch am Verkauf von landw. Flächen.

    von Dieter Müller

  • gut weitermachen

    [03.02.2012]

    das ist doch mal ein guter vorschlag,miteinander und nicht gegeneinander.gruss h.-j.

    von hjfricke

  • Guter Ansatz

    [03.02.2012]

    Eigentlich sollte jeder Betrieb der Fördermittel bekommt auch "vorzeigbar" sein.

    von JosefSchlüter

  • Recht und Unrecht...

    [03.02.2012]

    Alle gesellschaftlichen Gruppen dürfen heute ihre Ansprüche an die Lw stellen. So sollen neue Stallanlagen eingegrünt werden, aber auf der anderen Seite entstehen Schadnagerlebensräume durch die die Gesundheit der Tiere gefährdet wird und die Menschen denken die Lw verstecken sich hinter großen Hecken...Wenn man gesunde Tierhaltung will kann man auch nicht unkontrollierte Besucher bis an den Stall lassen um durchs Fenster zu schauen....Im übrigen stimmt der Verbraucher und Wähler jeden Tag an der Ladentheke ab....Ich bin entsetzt, dass selbst ein Herr Lindemann in Aktionismus verfällt.

    von landfuerst

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