Milchbauern protestieren vor DMK-Molkerei in Waren

[07.09.2012]


Gestern in Waren   Foto: BDM Gestern in Waren Foto: BDM In Mecklenburg-Vorpommern erhalten die Milchbauern derzeit 25 bis 28 Cent je Liter, im Bundesdurchschnitt sind es 29 Cent. Laut Friedrich Rüße vom Landesvorstand des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) reicht das nicht, um die steigenden Kosten für Energie, Futter und Düngemittel sowie Pachten zu decken. Bei jedem Liter Milch zahlen die Bauern derzeit zehn Cent zu.

Einige Milchbauern haben daher am Donnerstagabend vor der Molkerei Müritz Milch in Waren mit ihren Schleppern demonstriert. Die Warener Molkerei gehört zum Deutschen Milchkontor, dem nach eigenen Angaben größten deutschen Molkereiunternehmen. Das Unternehmen verarbeitet jährlich fast 7 Mrd. kg Milch von 11 000 Erzeugern.

Der BDM fordert, dass die Molkereien den Milchbauern unverzüglich mehr zahlen. Durch das Zusammentreffen von sinkenden Milchpreisen und gestiegenen Kosten sei den Milchviehhaltern in Deutschland bereits ein Schaden von mindestens 4 Mrd. Euro entstanden, zitiert der Nordkurier den Milchbauernverband. Höhere Preise müssten daher die Grundlage der Verhandlungen der Molkereien mit dem Handel sein.

Tietböhl: Demos lösen Probleme nicht

Rainer Tietböhl Rainer Tietböhl Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl schätzt die Lage der Bauern ebenfalls kritisch ein, ist allerdings mit dem Vorgehen der BDM-Mitglieder nicht einverstanden. Demonstrationen lösen seiner Meinung nach die Probleme nicht. Der Protest dürfe sich weniger gegen die Molkerei richten als vielmehr gegen den Einzelhandel. Dort müsse die Milchwirtschaft höhere Preise durchsetzen, forderte er laut der Schweriner Volkszeitung.


 
Dennoch ist auch Tietböhl davon überzeugt, das die Bauern für eine gewinnbringende Milchwirtschaft etwa 36 Cent benötigten. "Die Lage ist schwierig." Die Futterpreise hätten sich verdoppelt, die Energiekosten seien um ein Drittel gestiegen. Um überleben zu können, hätten die Betriebe inzwischen alle Neuinvestitionen gestoppt.
 
Die Milchwirtschaft wies die Kritik laut der Zeitung dagegen zurück: Ein Überangebot an Milch in Australien und Neuseeland habe die Weltmarktpreise und damit den Markt in Deutschland unter Druck gesetzt, sagte Roland Frölich, Geschäftsführer der Hansano-Molkerei Upahl, die den Bauern nach eigenen Angaben derzeit 30 Cent je Lieter zahlt. Allerdings erhole sich der Markt langsam. Im vierten Quartal deuteten sich steigende Preise an.

BDM bekräftigt Forderungen an die Politik

Gestern in Waren   Foto: BDM Gestern in Waren Foto: BDM Grund für den geringen Preis, den die Erzeuger erhalten, ist das weltweite Überangebot an Milch. Hier soll, so der BDM, auch die Politik eingreifen. So sollte auf die Erhöhung der Milchquote, die die Liefermenge begrenzt, verzichtet werden. Geplant ist, sie zum April 2013 um 1 % anzuheben. Damit würde das Überangebot an Milch weiter wachsen.

Nach Ansicht des BDM fehlt zudem eine Regelung für den Wegfall der Milchquote von 2015 an. Es sei zu befürchten, dass die Bauern versuchen, den niedrigen Milchpreis durch mehr Produktion auszugleichen, was den Preis weiter nach unten treiben würde.

Peter Guhl, Vorsitzender Milch Board, sprach von der schwachen Position der Milcherzeuger: „Wir Milchviehhalter sind keine Eigentümer der Molkerei, wir haben keine Marktmacht“. Eine Chance für die Milcherzeuger um mehr Marktmacht zu bekommen sieht Guhl in der Bündelung der Milch vor den Molkereien. Thomas Diener, Kreisvorsitzender Bauernverband Müritz e.V., unterstützt die Milchviehhalter. Er plädiert ebenfalls für eine Mengensteuerung und fordert die Milchviehhalter auf, sich zur Wehr zu setzen. (ad)

Lesen Sie mehr:
MIV: Milchpreise können erst zeitversetzt steigen (7.9.2012)
BDM: Milchpreise müssen sofort steigen!   (6.9.2012)

Leserkommentare

16 Kommentar(e)
  • Milchpreise des BDM

    [10.09.2012]

    Außer demonstrieren und Milch vernichten hat der BDM nocht nicht viel gebracht. Eigenen Versuche, die Milch selber zu verarbeiten und zu verkaufen sind wohl schief gegangen?! Aber eines hat er geschafft: er spaltet die Milchviehhalter - und damit die Stärke der Landwirte.

    von cubussus

  • Milchbauern, werdet erwachsen.

    [09.09.2012]

    Nach vielen erfolgreichen Berufsjahren, weitestgehen ohne Mitgliedschaft im BV,weiß ich, dass jeder Betriebleiter zu 99,9% für seinen Erfolg verantwortlich ist. Ob der BV Präsident was sagt zur Michpolitik, oder nicht, ist völlig belanglos. Um einen Vortrag vom BV Präsidenten zu hören, laufe ich keine 50m. Der BDM sollte ein breit getragenes Konzept für die Zeit nach 2015 vorlegen,sich von namhaften Wissenschaftlern unterstützen lassen und dies mit den Parteien und Ministern diskutieren. Eine Auseinandersetzung mit dem BV ist nicht zielführend.Dass der BV kein Problem damit hat,Bauern in den Abgrund zu beraten,sieht man an der Bioenergie.Beim derzeitigen Getreidepreis ist ein Maisverkauf lukrativer als die Verstromung.Man sollte d.verklagen

    von

  • Der Werni ist schon ein lustiger Vogel !

    [09.09.2012]

    Gern les ich solche Statements. Zur belustigung aller reicht leider nur ein Werni nicht aus!

    von Hardthof

  • [08.09.2012]

    @werni, hier muß ich dich doch mal etwas korrigieren. Bei deinem Kommentar solltest du mal drüber nachdenken, warum der BDM überhaupt stark geworden ist? Richtig, weil der BV die Probleme in der Milchviehaltung ignoriert bzw klein geredet hat. "Wer für 21 Cent nicht produzieren könne, müsse halt aufhören" hieß es damals aus Reihen des BV. Wie die s damals, geschweige denn heute funktionieren soll hat auch der BV nicht vorgemacht. Zur Erinnerung, bei Problemen in der Schweinehaltung war es eben dieser BV, der sehr schnell, wenn nicht sogar sofort nach staatlicher Unterstützung rief.... Warum bekommen Rinderhalter diese Rückendeckung nicht?

    von preuße

  • Ablenkungsmanöver

    [08.09.2012]

    @Ehrlicher; Willi ist ein Mann der mit einem von Gott gesegnet worden ist"Diplomatie".Das ist eine Eigenschaft von den Die Führungskräfte des BDM nur träumen können. Der BDM vertritt nur Betriebe die Bio sind oder extensiv wirtschaften oder es bald tun werden. Der Rest wir sich selbst überlassen.2008 war es noch anders 2012 sind es die Tatsachen.Der Willi wäre der ideale Mann um den BDM auf vorderman zu bringen.Er würde auch eine anäherung an dn BV schaffen was eure Führungskräfte nicht schaffen bzw.nicht wollen. Wiesop hört man von BDM kein Statement zu den Äußerungen der Frau Künast.Ist die flexible Mengensteuerung esWert sich dafür koste es was es wolle zu verkaufen??Denkt mal über eure Position nach.Sonst geht ihr den Bach runter!

    von

  • Steigbügelhalter der Kapitalinvestoren

    [08.09.2012]

    Wer sich nicht wehrt, wird finanziell und persönlich in dauerhafte Abhängigkeit verfallen. Auf einem guten Weg sind da die Flugbegleiter die sich hoffentlich erfolgreich gegen diese Planungen wehren. Die Anleger, die noch vor Jahren Sicherheit und gute Renditen, z. B. mit Staatsanleihen, genießen konnten suchen weiter Alternativen. Nicht nur Land sondern auch moderene Betriebsanlagen sind die gesuchten Objekte. Um dort möglichst billig einzusteigen braucht man Preise die bei weitem nicht die Kosten decken und die Bauern dann zum Einlenken zwingen. Der Herr Tietböhl beschränkt sich auf das Analysieren und zeigt keine Lösungen auf. Wenn diesem Mann keine Ideen hat, dann sollte er zumindest Anderen bei ihren Aktivitäten nicht kritisieren.

    von Dieter Müller

  • DMK ?

    [08.09.2012]

    Preisbrecher nach unten DMK Vor einer Woche in einem Geschäft in Tschechien: DMK Butter 23,9 Kronen, Butter aus Tschechien 34,5 Kronen, Kerrygold 44,9 Kronen. DMK ist der billige Jacob auf Kosten der Bauern. Eroberung neuer Märkte mit Dumpingpreisen!!!!

    von Hans-Nagl

  • @landfürst

    [08.09.2012]

    Das ursprüngliche Bild zum Artikel war laut Untertitel ein Foto einer früheren Demonstration! Mangels aktueller Fotos, die dann ja nachgereicht wurden, hatte die Redaktion eben etwas in der Schatzkammer gewühlt. Es gab keine Milchverschüttungsaktion in Waren! Oder steht etwa was davon in dem Artikel? Hast selber Blödsinn verbreitet. Setzen, sechs!

    von detmarkleensang

  • Dr. Willi Billau for President! Oder warum man bei anderen BV-Funktionären immer das Gefühl hat für dumm verkauft zu werden

    [07.09.2012]

    Leider wird im Zuge dieser Meldung wieder einmal das Missverhältnis von Spitzenfunktionären des Bauernverbandes zur Basis und unterstützenswerten „Local Heros“ vom BV an der Basis allzu deutlich. Während man an der Bundes- und Landespitze des BV „Dellenpolitik für eine billige Rohstoffbeschaffung der Molkereien macht“, bluten die Milcherzeuger aus und verlieren innerhalb kürzester Zeit über 4 Milliarden Euro Wertschöpfung. Mit Dr. Willi Billau und Thomas Diener an der Spitze des DBV würde ich sogar wieder eintreten, denn die wissen noch was an der Basis los ist, bzw. dass man als Standesvertreter seine Bauern verstehen, unterstützen und für sie einstehen muß. Danke dafür!

    von helmut_ehrlicher

  • Irgendwie versteh ich den LBPräsidententen auch nicht

    [07.09.2012]

    DBV Mitglieder dürfen in Berlin gegen die Agrardieselbesteuerung demonstrieren. Liegt´s vielleicht daran, daß die "falsche" Seite zu der Demo aufgerufen hatte? Wieso geht´s nicht miteinander? Und immer nur auf den LEH schimpfen Herr Tietböhl kann auch nicht richtig sein denn es sind die Molkereien die für den Preis liefern!

    von Friesenkuh

  • Wo ist bild mit Milchwegschütten

    [07.09.2012]

    Warum hat man das bild zur dieser Info ausgetauscht? Zuerst waren da Beuern zu sehen, die Milch wegschütten. Will man diesen Blödsinn nicht an die Öffentlichkeit kommen lassen, weil es schlecht fürs Image der Milch ist? Liebe Redakteure ich finde es nicht ok, wenn nicht vollständig informiert wird

    von landfuerst

  • Demonstrationen sind demokratisches Grundrecht!

    [07.09.2012]

    Lieber Herr Tietböhl, wenn Milcherzeuger demonstrieren, weil ihnen wegen der gestiegenen Kosten das Wasser bis zum Hals steht, dann geh ich als BV-Mitglied hin und stelle mich hinter diese Leute, oder organisiere mit diesen gemeinsam eine Demo. Die Zeiten, in denen wir Bauern alles hinnehmen, sind vorbei! Mit kollegialem Gruß: Willi Billau

    von massa04

  • In Deutschland ist alles anders

    [07.09.2012]

    Herr Tietböhl wie können Sie sich erklären daß nun nach ein paar Demonstrationen in England Arla den Milchpreis erhöht und wollte Ihn vor 3 Wochen noch senken.Sind Sie Vorstandsmitglied der DMk oder welche Interessen verteten Sie wenn eine Demonstration vor der Molkerei verurteilen.

    von klauspfeifer

  • [07.09.2012]

    Demonstrationen lösen das Problem nicht - soweit so richtig. Demonstrationen sind aber dafür da, das die Öffentlichkeit auf Mißstände aufmerksam wird. Dies ist andernorten gang und gäbe. Der aktuelle Streik bei der Lufthansa ist auch nichts anderes - würde mich als Fluggast auch ärgern. Nichts desto trotz sind deren Forderungen ja vieleicht auch berechtigt; ich weiß es nicht. Aber wenn wir nicht demonstrieren sollen, hat ja Herr Tietböhl sicher eine Lösung, wie wir an unsere, seiner Meinung nach, berechtigten 36 Cent kommen sollen....

    von preuße

  • Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl:

    [07.09.2012]

    "Der Protest dürfe sich weniger gegen die Molkerei richten als vielmehr gegen den Einzelhandel." Dies werte ich dann mal als Absichtserklärung des BV-Landesfürsten, eine entsprechende Demonstration gegen den Einzelhandel zu planen und durchzuführen. Ein sehr schönes Angebot, Herr Tietböhl! Dann machen Sie mal! Die Milchbauern werden Ihnen zur Seite stehen, wenn Ihre Aktion stattfindet! Sie werden an Ihren Worten gemessen werden...

    von detmarkleensang

  • [07.09.2012]

    @Tietböhl: Der Bauernverband will anscheind weiter schlafen/ darf nicht zur Molkerei demonstrieren, da sonst die Zuschüsse von der Milchindustrie für den Bauernverband wegfallen!! Welche Idee haben Sie denn, lieber Herr Tietböhl??? Weiter schlafen wird uns aufjedenfall nicht weiter bringen...

    von MilchbauerMV

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Interessante Produkte


traktorpool

weitere Angebote