Milchbranche braucht dringend zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit!

[23.09.2011]


Wilhelm Brüggemann, Dr. Theodor Seegers, Dr. Ludger Schulze Pals, Heinz Korte, Dr. Ludger Wilstacke, Hans Stöcker und Prof. Dr. Klaus Kocks. Die Verbraucher entfremden sich immer mehr von der Landwirtschaft und haben auch von der Milchproduktion ein romantisches Bild. Wie die Branche hierauf reagieren kann, diskutierte die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW vergangene Woche in Werl.

Dr. Ludger Wilstacke vom Düsseldorfer Agrarministerium lobte, dass sich die Haltungsbedingungen für Kühe und die Arbeitsbedingungen für Landwirte durch den erheblichen Strukturwandel und Konzentrationsprozess deutlich verbessert hätten. Allerdings sehe die rot-grüne Landesregierung noch Handlungsbedarf, wie das Wochenblatt Westfalen-Lippe den Ministerialbeamten zitiert:

  • Die Stellung der Landwirte in der Wertschöpfungskette muss gestärkt werden. Deshalb muss das Milchpaket der EU-Kommission nachgeschärft werden.
  • Milch und Milchprodukte sollten nicht nur auf dem Weltmarkt abgesetzt, sondern wieder vermehrt in der Region vermarktet werden.
  • Die Landesregierung will die Steuerungsmöglichkeiten für den Bau von Ställen im Außenbereich verbessern, insbesondere bei rein gewerblich betriebenen Anlagen.
  • Der Verkehr und das Ausbringen von Wirtschaftsdüngern sollen strenger dokumentiert und kontrolliert werden.
  • Die Lücke zwischen Verbrauchervorstellung und landwirtschaftlicher Realität muss geschlossen werden.
Heinz Korte, Milcherzeuger aus Bremervörde, mahnte seine Berufskollegen an, dringend etwas in Sachen Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Bislang hätten Tierschützer und Medien vor allem die Geflügel- und Veredelungsbranche im Visier, aber noch nicht die Milcherzeuger. „Wir brauchen eine Branchenkommunikation, die sachliche Informationen liefert und gleichzeitig die Emotionen der Bürger anspricht“, forderte er. Kritik übte er an den Fernsehspots einiger Molkereien. Die dargestellten Szenen seien nicht mehr zeitgemäß und spiegelten nicht die Realität wider.

Der Medienfachmann Prof. Dr. Klaus Kocks kritisierte neben der bilderbuchhaften TV-Werbung vor allem Aktionen wie die Verleihung der „Goldenen Olga“ für die besten Milcherzeuger Niedersachsens. Auch die Werbe-Kuh Lotte fällt bei ihm durch. „Das sind Aktionen aus den 1960er Jahren. Sie müssen endlich in der neuen Welt ankommen“, sagte der Experte. Er forderte die Milchbranche auf, bessere Werbe- und Imagekampagnen zu entwickeln. Konkrete Vorschläge blieb er allerdings schuldig, so das Wochenblatt.

BMELV will Privilegierung einschränken

Dr. Theodor Seegers Dr. Theodor Seegers vom Bundesagrarministerium stellte der Versammlung schließlich noch die Pläne zur künftigen Steuerung von landwirtschaftlichen Bauvorhaben vor und sorgte damit für Unruhe im Saal. So überlegt die Regierung derzeit, die Privilegierung zukünftig an den Viehbesatz einer Gemeinde anzuknüpfen. Dadurch könne eine Gemeinde mit hohem Viehbesatz, z.B. 2 GV/ha, weitere Stallbauten untersagen. Nach Einschätzung von Dr. Seegers wird die Privilegierung dadurch nicht eingeschränkt. (ad)

Mehr zum Vortrag von Prof. Kocks lesen Sie hier:
"Freunde der Milch" statt "Milchindustrie-Verband" (17.9.2011)

Leserkommentare

3 Kommentar(e)
  • die Zeit der "Gießkannenwerbung" ist vorbei

    [26.09.2011]

    CMA ade - es lebe die CMA? Wir hatten bereits eine nationale Werbung, an der sich zwangsweise auch die Landwirte beteiligten. Nun möchte also Niedersachsen Geld in Werbung investieren, um das "Milchschiff" wieder flott zu machen?! Unsere Großmeiereien (DMK, ARLA, CAMPINA, MÜLLER etc.) investieren in Werbung für ihre Produkte. Reicht das etwa nicht? Oder soll diese Werbung mit Steuergeldern noch unterstützt werden? Überlasst den Produzenten die Werbung, die verstehen mehr davon als unsere Politiker. Sie verfügen auch über das dafür nötige Kapital!

    von cubussus

  • Praktika

    [25.09.2011]

    Eine Möglichkeit sich zu öffnen und Jugendlichen die Milchwirtschaft näher zu bringen.Vorträge in den Schulen halten.Wer kein besonders guter Redner ist kann sich im Rahmen eines Tages des offenen Hofes einen Referenten einladen. Agrarkoordination bietet so etwas schon an. Wir dürfen einfach nicht nur vor uns hinwurschteln sondern auf die Menschen zugehen. Besonders wir Frauen sind da gefordert. Das ist genauso wichtig wie ein gepflegter Stall und Hof.

    von paulin

  • strukturschwund =moderne landwirtschaft???

    [23.09.2011]

    tatsächlich hat der erhebliche strukturwandel bzw.schwund die bedingungen für kühe ,landwirte und bewohner ganz und gar nicht verbessert.es hat sich herrausgestellt,dass fleisch und milchprodukte, sowie gewinne exportiert werden aber die regionen auf den exkrementen sitzen bleiben!!!-erfreulich ist ,dass die vermarktung in den regionen in der zukunft wieder mehr fokussiert werden soll.wird das reichen? der vorschlag von Dr. Theodor Seegers halte ich für den richtigen ansatz und dringend notwendig und dient ganz sicher zum besten für alle

    von heike comeback

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