[20.08.2012]
Erhard Richarts
Die Milcherzeuger und -verarbeiter in Deutschland bzw. der EU können nach Einschätzung des Milchmarktexperten Erhard Richarts recht zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wie Richarts vergangene Woche in Frankfurt feststellte, sind die deutschen Milchpreise mittlerweile auf Weltmarktniveau angekommen. „Mit einem durchschnittlichen Milchpreis von fast 35 Cent je Kilogramm im Jahr 2011 lässt sich schon arbeiten“, erklärte der Milchmarktexperte.
Auch 2012 entwickelten sich die Milchmärkte hoffnungsvoll. Trotz einer vorübergehend etwas verhalteneren Entwicklung sei für das Gesamtjahr „mit einem nach wie vor guten Preis von 30 Cent bis 32 Cent zu rechnen“, prognostizierte Richarts. Die Zukunftsaussichten sind nach seinen Worten „insgesamt gut“: Schließlich werde der Milchverbrauch innerhalb der Europäischen Union weiter zunehmen. So dürfte im laufenden Jahr weit mehr als die Hälfte des Milchmengenzuwachses vom EU-Binnenmarkt aufgenommen werden. Der Grund hierfür seien veränderte Ernährungsgewohnheiten, die den Fokus stärker auf Milchprodukte lenkten, erläuterte der Fachmann.
Richarts mahnte allerdings, wer langfristig erfolgreich am Markt präsent sein wolle, müsse „vor allem den Veränderungen in der Milcherzeugung Rechnung tragen“. Er verwies dabei auf die veränderten Strukturen: Seien im Jahr 2005 noch rund 10 % der Milchkühe in Beständen zwischen 100 und 300 Tieren gehalten worden, so seien es im Jahr 2010 bereits 24 % gewesen. „Mit dem Melkroboter ist die Grenze von 80 Kühen für den Familienbetrieb geknackt worden. Zwei bis drei Mal so große Bestände sind heute problemlos zu managen. Dies ermöglicht vielen Betriebsleitern einen Aufstieg in ganz neue Dimensionen“, sagte Richarts. Zahlreiche Betriebe bauten momentan Kapazitäten auf, um nach dem Wegfall der Milchquote mit voller Kraft im Marktgeschehen präsent zu sein.
Eine nicht unbedeutende Rolle für die europäische Absatzsituation spielt nach Darstellung des Milchmarktexperten auch der Eurokurs. Daher seien Milchprodukte aus der EU seit der Finanzkrise für den Export noch attraktiver geworden. „Sinkt der Eurokurs um 3 Cent, so steigt der Milchpreis auf den Weltmärkten ceteris paribus um 1 Cent“, erklärte Richarts.
Momentan sei Russland das wichtigste Zielland für Milchexporte aus dem EU-Raum. Aber auch Chinas Milchbedarf wachse unaufhörlich. Dabei seien zuweilen komplexe Verbundbeziehungen zu berücksichtigen: So wirke sich etwa der höhere Konsum von Schweinefleisch deutlich auf die Nachfrage von Molkenpulver als Austauschfutter für die Ferkelaufzucht aus. Nach Einschätzung von Richarts wird die globale Nachfrage nach Milch und Milcherzeugnissen längerfristig betrachtet derart zunehmen, dass die Weltproduktion „höchstwahrscheinlich hinterherhinken wird“. (AgE)
vgl.:
Milchmarkt: Nüssel gegen Ausstieg vom Ausstieg (17.8.2012)
Foldenauer warnt vor massivem Höfesterben (16.8.2012)
Welzmiller: Laufzeiten der Kontrakte anpassen! (15.8.2012)
EU-Milchpreise im Juni gestiegen (14.8.2012)
Schorlemer Stiftung,
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BLZ 380 601 86
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Leserkommentare
Ja was wir bekommen wissen wir jetzt!
[20.08.2012]
Doch was die Erzeugung kostet das sagt er nicht der tolle Hecht. Nur mit Staatsknete werden die zu groß geratenen Betriebe über Wasser gehalten!!!!
von Ghostbusters
Experten gib es
[20.08.2012]
aber im wahrsten Sinne des Wortes. Erfolgreich im täglichen Leben bzw. als Unternehmer - das gibt es nicht. Weil die nachher immer wissen was richtig gewesen wäre. Aber das weiß auch jeder Bauer so,
von Agrarwelt
[20.08.2012]
warum hat dieser experte keine kühe ?
von schuchi
"Experten" gibt es viele,
[20.08.2012]
Milchbauern immer weniger! Nach China gingen letztes Jahr 700 000 l.Toll! Was für ein Markt!
von rita#001
[20.08.2012]
Durchschnittspreis von 30-32 cent für 2012. Wieviel hatten wir im bisherigen Jahresverlauf? Wieviel werden es demnach im Restjahr sein?
von rasta-man
Artikel genau lesen
[20.08.2012]
von rasta-man
Durchhalteparolen
[20.08.2012]
Da sind wir wieder angekommen beim Milchpreis, wo die sogenannten Marktexperten anfangen, Durchhalteparolen zu verbreiten. Der ehem. Mitarbeiter der ZMP verkündet, wie toll die Wachstumsmärkte sind und die Familienbetriebe ins massive Betriebswachstum gehen. Das letzteres der immer größer werdenden Zukunftsangst geschuldet ist, wird hier verschwiegen. Die damit verbundenen finanziellen Risiken durch einseitige Ausrichtung der 'spezialisierten Betriebe' wird völlig vernachläßigt. Hier geht es einzig und allein um 'billigen Rohstoff' für die Milchindustrie, die vom Umsatz lebt und dafür den niedrigen Einkaufspreis bei den Bauern braucht. Die Mär vom schnelleren Verbrauchsanstieg gegenüber den Produktionskapazitäten paßt dazu.
von chatter
Ein "guter" Milchpreis
[20.08.2012]
von 30-32 Cent bei den diesjährigen Preisen für Kraftfutter, Energie und Dünger, nicht zu vergessen laufende Steigerungen der Pacht- und Landpreise? Herr Richarts mag ein "Milchexperte" sein - zum Milcherzeugungsexperten macht er sich durch solche Aussagen nicht. Was er mit "Aufstieg in ganz neue Dimensionen" meint, bleibt ebenfalls im Dunkeln.
von Kirsten Wosnitza
..naja..
[20.08.2012]
...30-32 Cent bei 4% Fett, nicht wie noch 2010 und davor bei 3,7%, nicht vergessen. Kosten für Energie, Kraftfutter usw. lassen kein Jubel aufkommen. Es ist irgendwie wie immer, wer richtig Geld verdienen will, sollte etwas anderes machen als Milch zu erzeugen. Deshalb stirbt die Milchkuhhaltung ja auch in Ackerbauregionen aus.
von blabla
Erzählt mal was neues....
[20.08.2012]
......so ein blabla,Familienbetriebe haben die 80 Kuh Marke geknackt.Na und???Gehts denen jetzt besser als vor 20 Jahren??Nein,sie arbeiten mit Fremdarbeitskräften,oder lassen den Lohnunternehmer kommen.Und somit wissen wir wo das mehr verdiente Geld hingeht.Und vieleicht hat Herr Richarts noch nix davon mitbekommen wie teuer das Futter geworden ist.Denn 60 euro für die dz Soja und 24 euro fürs Getreide sind stolze Preise.Tja Experten halt......
von simson09
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