[31.10.2012]
Ulrike Höfken
Auf EU-Ebene sind die Verhandlungen über bessere Bedingungen für die Milchbauern laut der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken ziemlich festgefahren. Dennoch werde sie weiterhin auf allen Ebenen über Lösungen in der Milchpolitik diskutieren, um den Milchviehhaltern ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen, sagte die Grünen-Politikerin am Montag bei einer Fachveranstaltung zur Milchpolitik im Ministerium. Rund 100 Vertreter aus Berufsstand, Fachverbänden, Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel und Politik waren hier zusammengekommen, um im Vorfeld des Weltmilchgipfels in Kapstadt zukunftsfähige Instrumente zu diskutieren.
„Ziel muss sein, dass die Landwirte von der Wertschöpfungskette Milch künftig mehr profitieren“, stellte Ministerin Höfken fest. Ansätze seien Initiativen bei der Reform des Gesetzes zu den agrarmarktrechtlichen Bestimmungen, aktive Information zu den Möglichkeiten der Bildung von Erzeugergemeinschaften, Freigrenzen bei der Andienungspflicht oder die Verbesserung der Vermarktung, zum Beispiel bei der Schulmilch.
Höfken wies darauf hin, dass der Stundenlohn der heimischen Milchbauern aktuell bei nur 7,63 Euro liege, einschließlich der Direktzahlungen durch die EU: „Da die Transferleistungen sinken, sinkt das Einkommen der Landwirte noch weiter unter die Mindestlohngrenze, dies gilt auch für große und effektive Betriebe“, befürchtet die Ministerin.
„Die Erzeuger haben in den vergangenen Monaten unter extrem niedrigen Milchpreisen gelitten. Die aktuell angekündigte Preiserhöhung ist nicht mehr als eine dringend notwendige Anpassung, zumal die Kosten der Milchproduktion für Energie, Futter und Dünger in den vergangenen zwei Jahren um 20 % gestiegen sind und heute jeden Liter Milch um rund drei Cent zusätzlich belasten“, erklärte die Höfken. Angesichts der stark schwankenden Preise sei es unerlässlich, die Milchpolitik der EU so neu zu regeln, dass die Erzeuger in Europa tatsächlich gestärkt würden und mehr Nachfrageorientierung sowie Marktstabilität erreicht werden könne.
Prof. Klaus Hoff von der Fachhochschule Bingen wies darauf hin, dass es bei Preisabstürzen weder volkswirtschaftlich sinnvoll noch in Zukunft möglich sei, diese durch Transferleistungen abzufedern. Eine klare Regulierung sei die einfachere und billigere Lösung. Allerdings erteilte der anwesende Vertreter der EU-Kommission, Hermanus Versteijlen den Änderungswünschen eine Absage. (ad)
Leserkommentare
Für die Milcherzeuger brotlose Künste der Ministerin.
[31.10.2012]
Die unverbindlichen Zielsetzungen werden die Milcherzeuger auch nicht retten, gleiwohl Hoffnungen wecken die nie erfüllt werden. Ohne Milchmengenregelierung wird der Milchpreis vom Markt bestimmt. Der Salto rückwärtz durch die Mengenregelierung wird sich zum Glück politisch nicht durchsetzen lassen. Ganz davon abgesehen das die EU Vertreter auch andere Ansätze schon vorab ablehnen.
von kjewittke
Hermanus Versteijlen und die EU-Kommision sind nicht allmächtig!
[31.10.2012]
Die Zeiten vor der Radifizierung des Lissaboner Vertrags sind schon lange vorbei. Damals hatte das europäische Parlament die Macht eines "Bettvorlegers". Heute ist man auf die Zustimmung der EU-Abgeordneten angewiesen. Die Zahl der Befürworter im europäischen Parlament, die venünftige Regelungen im Milchsektor durchsetzen wollen, wächst ständig. Zudem sind auch immer mehr Länder, in der EU, für eine Verlängerung der Milchquote bis 2020. Was für Zuckrübenanbauer und Winzer Recht ist kann man den Milcherzeugern nicht verwehren. Wir finanzieren heute noch den Zusammenbruch des Finanzmarktes. Wem würde ein Crash beim Milchmarkt eingentlich nutzen?
von Dieter Müller
Marktmacht nicht geschenkt!
[31.10.2012]
Diese muss man sich erkämpfen! Es kann nicht sein, dass der Stundenlohn des Milchbauern bei 7,63 € liegt und die Gewerkschaften fordern für die osteuropäischen Saisonarbeitskräfte Mindestlöhne von 8,50 €. Irgendwo läuft was falsch!
von massa04
Den Milchbauern will man ums verrecken ´keine Marktmacht geben.
[31.10.2012]
Nicht mal eine kleine. Das ist soziale Marktwirtschaft!
von Ghostbuster
Mindestlöhne für aktive Agrarunternehmer braucht man das?
[31.10.2012]
Mindestlöhne in der Agrarpolitischendiskusion zum Thema machen ist doch nicht gewollt.oder sollte einem Zukunftsjunglandwirt der gerade seinen Kuhbestand gespiegelt hat bewusst werden das er im globalen Wettbewerb mit weltmarktpreisen nie einen Mindestlohn nach deutschen Vorgaben für sich erwirtschaften kann? Mindestlohn für Milchbauern! wo sollten den die "armen" Molkereikonzerne für ihre "Hochwertigen Exportprotdukte" den billigen Rohstoff bekommen bei staatlich festgelegdem Mindestlohn für Milcherzeuger? Grüne Mindestlohnfantasien werden schwarz-gelbe Agrarpolitik nicht beflügeln.Der DBV setz auch für die Zukunft auf den Unternehmerischen Landwirt der unter Mindestlohn dem Struckturwandel trozt und nur das Wachstum seine Betriebes sieht
von ekd
Diskutieren allein ist nicht genug
[31.10.2012]
„Ziel muss sein, dass die Landwirte von der Wertschöpfungskette Milch künftig mehr profitieren“, stellte Ministerin Höfken fest. Ein wahrer und auch richtiger Ansatz von Frau Höfken. Doch in Kapstadt alleine nur zu diskutieren, bringt nichts, wenn Forderungen von Prof. Klaus Hoff von der FH Bingen einfach abgeschmettert werden, der richtiger Weise darauf hinweist, dass es bei Preisabstürzen weder volkswirtschaftlich sinnvoll noch in Zukunft möglich sei, diese durch Transferleistungen abzufedern. Eine klare Regulierung sei die einfachere und billigere Lösung, meint nicht nur der Professor, sondern auch ein Großteil der Milchbauern. Warum wird das einfach ignoriert? Frau Höfken braucht Gleichgesinnte. Hoffentlich sind diese Politiker zu find
von beernhof
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