Milchmarkt: Nüssel gegen Ausstieg vom Ausstieg

[17.08.2012]


Manfred Nüssel Manfred Nüssel „Die Steuerung der Milchmenge im europäischen Binnenmarkt ist angesichts globaler Marktentwicklungen ein überholtes Politikmodell.“ Das stellte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Manfred Nüssel, klar, nachdem die Grünen ein Modell für eine praktikable Mengensteuerung am Milchmarkt gefordert hatten.

Das Ende der Milchquotenregelung im Jahr 2015 ist seiner Meinung nach unwiderruflich. Für eine Umkehr dieses Beschlusses oder eine Nachfolgeregelung habe es weder in den letzten Jahren, noch aktuell politische Mehrheiten in der EU gegeben. „Diese Realität ist von allen Beteiligten, auch von der nationalen Politik anzuerkennen und klar zu kommunizieren“, so der DRV-Präsident. Als Konsequenz aus den politischen Weichenstellungen müsse das Bewusstsein weiter wachsen, dass sich die Milchproduktion am Markt und nicht an den Milchquoten zu orientieren hat.

Aus den gewachsenen Einflüssen weltweiter Angebots- und Nachfrageänderungen resultiert laut dem DRV eine steigende kurzfristige Volatilität. In diesem Umfeld könnten Milchpreise nicht für längere Zeiträume durch mengensteuernde Maßnahmen gestaltet werden. „Ohne die Berücksichtigung der Marktrealitäten kommt es zur Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Milchwirtschaft“, betont Nüssel.

Mit dem grundlegenden Wandel in der Milch- und Molkereiwirtschaft liege die wesentliche Aufgabe des Staates künftig vor allem darin, in Europa und global für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen sowie die Sicherheitsnetze in den Marktordnungen zu erhalten.

Die Molkereigenossenschaften und ihre Mitglieder bereiteten sich daher seit mehreren Jahren auf die Zeit nach Auslaufen der Milchquote vor. Dabei werde sich auch der Strukturwandel, wie er sich auch mit dem Milchquotensystem zeigte, weiter fortsetzen.

Nüssel wies darauf hin, dass man die Produktsortimente verbreitert, die Wertschöpfung erhöht und die Exportaktivitäten ausgebaut werden. Bei den damit verbundenen unternehmerischen Planungen und Entscheidungen seien die genossenschaftlichen Molkereien dringend auf kalkulierbare, verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. „Eine erneute Diskussion über eine alternative Mengensteuerung am Milchmarkt schafft für alle Beteiligten nur Verunsicherung, ohne dass zukunftsweisende und EU-weit umsetzbare Ansätze präsentiert werden“, erklärt Nüssel.

Der DRV-Präsident ist überzeugt, dass die genossenschaftlichen Molkereiunternehmen auch künftig den Erfordernissen des Marktes gerecht werden. „Sie werden die Chancen des Marktes nutzen und ihren gesetzlichen Auftrag, die Mitglieder zu fördern, bestmöglich erfüllen“, so Nüssel. (ad)

Leserkommentare

10 Kommentar(e)
  • Auskömmliche Preise

    [18.08.2012]

    Bei auskömmliche Preisen müssen "wir" ja sofort den Stall um x(x)% erweitern.(Bei Quote zahlt man für frei Milch bis zu 5€ je liter Ouote und sagt dann es lohnt sich nicht!!!!)Und der Mengenzuwachs müß irgendwohin.Wenn das gelingt, natürlich weitere Ausweitung den Menge.In den USA ist somit eine Milchproduktion erst ab 500 Kühen möglich. Und das auch nur wenn die Mexikaner egal wo in den USA die Arbeit machen und irgendein US-Staat die Milchproduktion subventioniert!!!

    von elinge

  • Alte Leute machen blabla

    [17.08.2012]

    von simson09

  • @ Dieter Müller

    [17.08.2012]

    Was hat die Altersgrenze von Herrn Nüssl mit der Position des DRV zur Mengenregulierung zu tun? Da werden die Verbände wohl nicht viel mitzuschnacken haben. Siehe DMK! Herr Nüssl ist also nicht verantwortlich für die Gründung von Milcherzeugergemeinschaften und auch nicht für eine Mengenregulierung. Herr Foldenauer hatte wahrscheinlich gestern wieder Geburtstag, und heute: Ging auch wieder die Sonne auf! Also nicht soviel Hoffnung auf einzelne Personen setzen, egal was sie so den lieben langen Tag von sich sich geben!

    von wolfgangheinrich

  • Das Problem

    [17.08.2012]

    der Milchviehhalter liegt nicht in der Volatilität der Märkte. Es liegt darin begründet, dass sich diese Volatilitätviel zu oft auf viel zu niedrigem Preisniveau abspielt. Wenn die Preise auf auskömmlichen Niveau schwanken, können unternehmerische Landwirte selbst für Absicherungen sorgen. Sicherheitsnetze ändern nichts am niedrigen Preisniveau, sondern sie verzögern die Anpassung an die Signale des Marktes.

    von Kirsten Wosnitza

  • Herr Nüssel wird im April 2013 die Altersgrenze erreichen.

    [17.08.2012]

    Fazit: er geht vor dem evtl. Auslaufen der Quote. Vielleicht funktioniert eine nötige Milchmengenregulierung ohne Nüssel bzw. Sonnleitner besser.

    von Dieter Müller

  • Nüssel...

    [17.08.2012]

    ... hat das Genossenschaftsprinzip noch nie interessiert. Meierereien, welche noch nach dem Genoprinzip wirtschaften sind ihm ein Graus und sind zu eliminieren. Der Präsident des DRV ist der größte Feind des Genossenschaftsprinzips ... paradox ..

    von sebontch

  • Herr Nüssel was wollen Sie eigentlich?

    [17.08.2012]

    Die Konzentrationen, Fusionen und Zusammenschlüsse der genossenschaftlich geführten Molkereiunternehmen in Deutschland, die Sie immer wieder fordern zeigen ganz deutlich einen Milchgeldrückstand für die betroffenen Milchbauern. Wo bleiben die Synergieeffekte, von denen immer gesprochen wird? Zeigen Sie bitteschön einen Weg auf, der uns Milchbauern aus der misslichen Lage hilft, herauszukommen. Sie berufen sich auf ein funktionierendes Sicherheitsnetz. Wie sieht das aus? 21 Ct, das ist wohl die Lösung?

    von beernhof

  • Herr Nüssel was wollen Sie eigentlich?

    [17.08.2012]

    "Bei den unternehmerischen Planungen und Entscheidungen seien die genossenschaftlichen Molkereien dringend auf kalkulierbare, verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen". Was sind Ihre konkreten Forderungen? Darüber schweigen Sie sich aus, zumindest darüber, was die Position der Milcherzeuger angeht. (topagrar online vom 26.06.2012)"Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Manfred Nüssel, ist vehement dagegen, weitere Erzeugergemeinschaften im Milchsektor aufzubauen. Damit erteilt er den Forderungen von Agrarpolitikern in Bund und Ländern eine Absage. „Die Bildung von Erzeugergemeinschaften trägt nicht zur Stabilisierung des Milchpreises bei“, sagte Nüssel bei der Generalversammlung der Bayerischen Milchindustrie"

    von beernhof

  • Nüssel und der DRV verdienen ja auch ihr Geld damit

    [17.08.2012]

    Selbst wenn für die Milchviehhalter nichts übrig bleibt. Deshalb möchte er die Diskussion gerne schon jetzt, Jahre bevor entschieden wird, beenden. Das mit der "kurzfristigen Volatilität" spielt aber nur für Molkereien eine Rolle. Dank Winterrückstellungen etc. kommen diese Marktgeschehen bei den Bauern lange schon nicht mehr an. Wenn aber unter solch einer kurzfristigen Volatilität die Milchpreise nicht auf längere Zeiträume gestaltet werden können, wieso werden dann die Vertragsbeziehungen zu den Molkereien noch so langfristig angelegt? Dann müsste auch hier wesentlich kurzfristiger gehandelt werden können und dürfen. Von den Bauern! Denen wird genau dies, was Nüssel im Sinne der Verarbeitungsindustrie und dem Handel anmahnt, vorenthalten

    von detmarkleensang

  • Aus dieser Stellungsnahme....

    [17.08.2012]

    .....kann man hören ,wo die Reise hin geht.Kein Wort über die Milcherzeuger,nur dass gute Rahmenbedingungen für die Molkereien geschaffen werden müssen,na dann gut nacht Marie.....

    von simson09

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