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Report Mainz wirft Tierschutzbund Etikettenschwindel vor

Tierschutzaktivist Jürgen Foss mit seinem illegalen Filmmaterial Tierschutzaktivist Jürgen Foss mit seinem illegalen Filmmaterial Das ARD-Magazin „Report Mainz“ hat in seiner Sendung am Dienstagabend das neue Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes massiv kritisiert. Der Vorwurf: Es handele sich um reinen Etikettenschwindel, da sich an den Haltungsbedingungen in den vom Tierschutzbund zertifizierten Betrieben nichts geändert habe.

Dazu bedienen sich die Autoren offensichtlich illegal gefilmter Szenen aus einem Schweinemastbetrieb. Das Filmmaterial stammt von Jürgen Foss, Aktivist bei Animal Rights Watch. Der Tierschutzbund geht auf Nachfrage von top agrar davon aus, dass die Aufnahmen aus  Tierschutzlabel-zertifizierten Ställen stammen. Allerdings habe der Sender das Material trotz mehrfacher Bitte nicht zur Verfügung gestellt.

Zu sehen ist ein Schweinemastabteil, dass Schwachstellen wie nicht ablaufenden Kot oder zu weite Spalten zeigt. Zusätzlich werden Tiere mit angebissenen Schwänzen gezeigt. Die SWR–Redakteure Oda Lambrecht und Edgar Verheyen nehmen dies völlig unkritisch auf und verallgemeinern diese Bilder für die gesamte Landwirtschaft und das Tierschutzlabel. „Es handelt es sich um das gleiche Haltungssystem wie ohne das Siegel“, ergänzt Foss, der den Zuschauer in dem Glauben lässt, das Label des Tierschutzbundes garantiere den Schweinen Stroh und eine grüne Wiese. Über die Regeln des Siegels erfährt man nichts.

Untermauert wird dies wie immer durch einen vermeintlichen Experten. Laut Tierarzt Dr. Ruppert Ebner hat dieser Stall nichts mit art- und wesensgerechter Haltung zu tun. „Die Tiere müssen sich in so einem Stall zwangsläufig verletzen.“ Auch Eckehard Niemann von der AbL kommt zu Wort und stellt die kühne Behauptung auf, das Tierschutzlabel sei eine PR-Aktion des Schlachtkonzerns VION. „VION versucht sich in einem kleinen Segment einen Tierschutzruf anzueignen“, so der Verbandvertreter.

Schröder: „Das Label ist ein Anfang - mit den Landwirten!“

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Report Mainz konfrontierte auch den Präsidenten des Tierschutzbundes, Thomas Schröder, mit den Bildern. Aus seiner Sicht sind die gezeigten Szenen schwer verständlich und nur erklärbar, wenn man die bisherige Situation der Tiere im konventionellen Stall als Vergleich heranzieht. Was in dem Bericht dagegen überhaupt nicht vorgestellt wird, ist das gesamte Konzept des Tierschutzlabels.

Laut Schröder ist die Einstiegsstufe ein erster Schritt hin zu mehr Tierschutz, den der Tierschutzbund aktiv begleite, wenn auch anderes wünschenswert wäre. „So lange wir keine verbindliche Tierschutz-Kennzeichnung haben und keine Ansätze erkennbar sind, dass die gesetzlichen Mindeststandards entscheidend angehoben werden, müssen wir handeln. Und das geht nur in Schritten in den bestehenden Systemen zusammen mit denen, die die Tiere halten“, so der Präsident gegenüber top agrar-Online.

Das Gesamtpaket bedeute schon in der Einstiegsstufe ein deutliches Mehr für den Schutz der Tiere im Vergleich zum gesetzlichen Standard, auch und gerade aus wissenschaftlicher Sicht. Diesen Vergleich habe Report Mainz nicht gezogen, so Schröder weiter. „Dann hätte der Zuschauer schnell erkannt, dass die Einstiegsstufe im Vergleich zu der konventionellen Haltung mehr Platz, mehr Beschäftigung, kürzere Transportwege und Kontrolle nach Tierwohlkriterien am Schlachthof bedeutet.“ Wer behaupte, das sei nicht der Fall, habe sich mit den Kriterien nicht auseinandergesetzt, kontert der Tierschützer. (ad)

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