Rübengeld sorgt für Ärger

[09.02.2012]

Werden norddeutsche Rübenanbauer schlechter bezahlt als ihre süddeutschen Kollegen?
Die Rübenanbauer in Norddeutschland sind unzufrieden mit der von der Nordzucker angebotenen Zuckervergütung. Nach Angaben der Hannoverschen Allgemeine Zeitung befürchten sie weniger Rübengeld zu bekommen als ihre süddeutschen Berufskollegen. Der Branchenprimus Südzucker habe sich bereits im Januar mit seinen Anbauern auf einen satten Nachschlag geeinigt. Die Südzucker zahlt einen Bonus von 10,71 € je Tonne und kommt so auf eine Gesamtvergütung von 37 €/t.
 
Bei der Nordzucker sind dagegen die Verhandlungen mit dem Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) noch nicht abgeschlossen. Laut HAZ liegt das gegenwärtige Angebot des Braunschweiger Unternehmens bei 30 €/t. Man werde in den Preisverhandlungen mit dem DNZ am Ende aber ein Ergebnis erreichen, das „nahe an den Wettbewerb herankommt“, zitiert die Zeitung einen Sprecher der Nordzucker. Es könne jedoch nicht sein, dass nur die Rübenanbauer mehr bekämen. Auch die Aktionäre und das Unternehmen selbst müssten „in angemessener Weise am Gewinn beteiligt werden“, um die Nordzucker für die Zukunft zu rüsten, so der Sprecher weiter.
 
Offensichtlich sind sich die Rübenlieferanten untereinander auch nicht ganz einig. Jedenfalls wirft der Norddeutsche Zuckerrüben Aktionärsverein dem DNZ vor, zu weich zu verhandeln. Das sieht DNZ-Geschäftsführer Dr. Heinrich Hubertus Helmke völlig anders. "Der Aktionärsverein vertritt nur einige wenige Rübenanbauer. Unsere Mitglieder stehen voll hinter unserer Verbandslinie. Das zeigen die Winterversammlungen", betont Helmke.
    
Wie die Zeitung unter Berufung auf Rübenanbauerkreise weiter berichtet, soll die Nordzucker auf Verbandsvertreter Druck ausgeübt haben, um sie von „überzogenen Forderungen“ abzubringen. Das weist der Pressesprecher der Nordzucker, Dr. Klaus Schumacher gegenüber top agrar strikt zurück: "Diese anonymen Vorwürfe sind absurd! Nordzucker ist immer ein fairer Verhandlungspartner gegenüber dem DNZ und wird dies auch bleiben. Wir sind sicher, am Ende der Verhandlungen ein Ergebnis zu erreichen, mit dem beide Seiten zufrieden sind." (lsp)

Leserkommentare

6 Kommentar(e)
  • @ otto

    [13.02.2012]

    ... lächerlich ist etwas anderes! Denn als Unternehmer möchte man immer den höchsten cash flow erzielen! Das gilt für den Landwirt sowie für die Zuckerunternehmen. Das jeder dabei an seinen Vorteil denkt ist doch klar. Man kann also nicht von einem Gejammer sprechen schließlich verhandeln auch Sie über Preise, oder etwa nicht? Ein Landwirt kann leider nicht in die Bücher der Fabriken schauen und hat daher leider keine Einsicht für welchen Preis die Fabriken ihren Zucker verkaufen. Bei den hohen Weltmarkpreisen für Zucker freuen sich natürlich die Fabriken. Ob 30 Euro Rübengrundpreis gerecht ist kann nur die Fabrik beurteilen und ich hoffe das die Entscheidungsträger den Sinn für Gerechtigkeit nicht verloren haben... von Andreas

    von hw11

  • @ yvain

    [09.02.2012]

    ich bin kein Mitarbeiter von Nordzucker oder dem Anbauerverband, habe mein Lieferrecht aber leider nicht bei Südzucker oder Nordzucker. Im übrigen möchte ich nochmals zum Ausdruck bringen, daß die von der Natur gesegneten Südhannoveraner Ackerbauern sich sinnvolleren Betätigungsfeldern zuwenden sollten. Das Gejammer übers zu niedrige Rübengeld bei 13,5 to Zuckerertrag/ha und 30 € Rübengrundpreis ist doch lächerlich.

    von otto#001

  • Wert des Unternehmens???

    [09.02.2012]

    Wie ist der Verkehrswert des Unternehmens zu berechnen? Sind es die Zuckerfabriken und sonstigen Immobilienwerte abzüglich der Verbindlichkeiten? Nein! Ohne die Rübenanbauer ist das Unternehmen nichts wert!! In Zeiten, in denen die Zuckerrübe von vielen Betrieben "nur noch der Fruchtfolge halber" angebaut wird und nahezu jede andere Kultur der ZR den Rang abläuft sollte Nordzucker den Umgang mit seinem höchstem Gut, den Rübenanbauern, sorgfältig überdenken. Die Zuckerrübe läßt sich in den Betrieben problemlos ersetzen, die "Rohstofflieferanten" für Nordzucker aber nicht.

    von klarseher

  • @otto#001

    [09.02.2012]

    Das lässt tief in die unterste Schublade blicken, dass die Nordzucker jetzt Ihre 'Mitarbeiter' dazu einsetzt Landwirte zu diffamieren. Ich habe soeben meine Anbaufläche von 45 ha auf 38 ha gesenkt. In Zeiten wo der Weizen 22 € kostet, kostet mich sowas nur ein Lächeln. Desweiteren pflichte ich klarseher voll bei.

    von yvain

  • Profilneurotiker

    [09.02.2012]

    Der Vorsitzende eines "Aktionärsverbandes"klagt über die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit eines Anbauerverbandes gegen die AG? Da haben wohl aus Geltungsdrang und Langeweile Ackerbauern, die keinen Posten im Anbauerverband oder Aufsichtsrat ergattern konnten, einen Aktionärsverband gegründet. Wie gut der Anbauerverband gearbeitet hat, kann man bei LIZ im Rübenpreisrechner erkennen. Geben sie einmal Quotenrüben Nordzucker 20 km Frachtentfernung und 19 % Zuckergehalt ein, und vergleichen diese Nordzuckerwerte mit Anklam oder P&L Könnern, dann sehen sie klarer. Ratio

    von otto#001

  • Schoßhündchen Anbauerverband

    [09.02.2012]

    Verhandlungspartner auf Augenhöhe? Jeder rübenanbauende Aktionär kennt die Verquickung von Anbauerverband und Aufsichtsrat. Eine wirkungsvolle Vertretung der Interessen der Rübenanbauer war zu keinem Zeitpunkt gegeben. Ebenso war jedem, der die Struktur und die Machenschaften des sog. Aufsichtsrates kennt klar, dass die zu "Rohstofflieferanten" degradierten rübenanbauenden Aktionäre zwar vor 2 Jahren die Nordzucker vor der drohenden Pleite bewahrt haben, heute aber um das Ihnen zustehende Rübengeld geprellt werden.Jedem Rübenanbauer ist zu empfehlen, die künftige Rübenfläche so knapp, wie nur möglich zu bemessen. Versprechungen über künftige Rübengeldzahlungen nutzen nichts, das Vertrauen ist zerstört!

    von klarseher

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