[02.08.2011]
Nachdem Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire bereits in einem Schreiben an seine Berliner Ressortkollegin Ilse Aigner sein Fernbleiben von der Anuga-Eröffnung angedroht hatte, folgten nun zwei weitere Reaktionen. Der sozialistische Abgeordnete des südwestfranzösischen Departements Landes, Henri Emmannelli, sprach von einer „Diskriminierung“, die gut zehn Unternehmen und insbesondere sämtliche Produzenten in erheblichem Umfang benachteilige. Nur weil es Tierschützern nicht passe, könne er diese Wettbewerbsbenachteiligung nicht nachvollziehen, monierte der Parlamentarier.
Unterstützt wurde er vom Präsidenten der Vereinigung „Jagd, Fischerei, Natur und Tradition“ (CPNT), Frédéric Nihous. Dieser wetterte gegen „extreme Stopfgegner“, die mit Unterstützung einiger „nachdenklicher Deutscher“ gesiegt hätten. Diese Entscheidung der Messeleitung sei ein enormes Risiko für einen wichtigen Wirtschaftszweig und eine tief verwurzelte Tradition Frankreichs sowie „für unseren Südwesten“, beklagte Nihous in einer Presseinformation.
Verständnis für die französische Kritik an dem faktischen Ausstellungsverbot für Stopfleber-Produzenten hat der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann geäußert. In seinem Antwortschreiben kündigte der frühere Tierarzt an, er werde sich bei der Messeleitung für eine ungehinderte Präsentation von Stopfleber-Produkten einsetzen.
„Es darf nicht sein, dass Nichtregierungsorganisationen, die sich selbst als Tierschützer bezeichnen, versuchen, den freien Markt zu beeinträchtigen, obwohl es dafür weder rechtliche noch wirtschaftliche Anhaltspunkte gibt“, so der FDP-Politiker. Er räumte ein, dass die Herstellung von Stopfleber in Deutschland anders als in Frankreich verboten sei. Allerdings gebe es hierzulande kein Vermarktungsverbot für das durch Stopfen gewonnene Produkt. Vor diesem Hintergrund halte es er für inakzeptabel, dass die Veranstalter der Anuga dieses Erzeugnis aus dem Warenverzeichnis gestrichen hätten, betonte Goldmann. (AgE)
vgl.:
Stopfleberverbot auf Anuga verstimmt Frankreich (15.7.2011)
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Leserkommentare
Goldmann und der "freie" Markt
[04.08.2011]
Wie kann man nur dem "freien" Markt so verfallen sein, wie Herr Goldmann, dass man sich aufregt, wenn Stopfleber in Deutschland nicht beworben wird? Typisch: Der "freie" Markt als das goldene Kalb, das man umtanzt! Dieses mit tierquälerischen Methoden hergestellte Produkt sollte jedem Bauern, der tiergerecht wirtschaftet, ein Dorn im Auge sein, dazu braucht man nicht hämisch irgendwelche NGOs vorschieben. Die EU sollte lieber mal zusehen, dass diese "Tradition" in Frankreich ebenfalls verboten wird. Ich für meinen Teil bin froh, dass sich Herr Goldmann für die Politik entschieden hat, und sich nicht als sog. "Tierarzt" in unseren Ställen austobt.
von Doris Peitinger
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