[20.10.2011]
Wilhelm F. Thywissen
Mit der Entwicklung des Lebensstandards in Schwellenländern normalisieren sich die dortigen Ernährungsgewohnheiten – und damit der Konsum von tierischen Produkten. Es ist somit ein Trugschluss, den bestehenden und wachsenden Fleischkonsum per se zu verteufeln und im nächsten Schritt daraus die Folgerung abzuleiten, die Importe von Soja in die EU wären Kern des vermeintlichen Problems und der Hebel für eine Lösung. Das sagte Wilhelm F. Thywissen, Vorsitzender vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.
Er ist davon überzeugt, dass man mit dem Verzicht auf Sojaimporte nicht den Fleischkonsum und folglich die Fleischproduktion reduzieren kann. Vielmehr würde allein die Wertschöpfung der Produktion in Länder wie Südamerika verlagert und das Fleisch von dort importiert – ohne die europäischen Qualitätsstandards sicher stellen zu können.
Zum anderen gehe es dabei gar nicht allein um den Fleischkonsum: Proteinfuttermittel sind laut Thywissen ein wesentlicher Bestandteil der Tierernährung – und damit ebenso essenziell für die Produktion von Milch, Milchprodukten und Eiern. „Deutschland und Europa können nicht auf Sojaimporte als hochwertige Proteinquelle verzichten. Deutschland verfügt nicht über die klimatischen Bedingungen, um ausreichend Proteinfuttermittel zu produzieren; eine intensive politische Förderung heimischer Leguminosen hat daran nichts geändert“, so der OVID-Vorsitzende. Selbst der im letzten Jahrzehnt gestiegene Rapsanbau und das daraus gewonnene Rapsschrot reichten bei weitem nicht aus.
Thywissen gibt zudem zu bedenken, dass man den weltweiten Bedarf an Sojaöl nicht vernachlässigen dürfe. Sojaöl - neben Palmöl das bedeutendste Pflanzenöl - werde besonders in den asiatischen Märkten nachgefragt. „Es geht beim Anbau von Soja also letztlich nicht allein um den Fleischkonsum in den Industriestaaten, sondern auch um die Versorgung von Schwellen- und Entwicklungsländern mit gesundem Sojaöl und einem höheren Anteil an tierischen Produkten.“ Die Verarbeitung von Sojabohnen in der EU zu Sojaöl und Sojaschrot als Futtermittel sei daher nicht Teil des Problems. (ad)
Leserkommentare
Befangen
[20.10.2011]
Naja, was soll er auch anderes sagen? Er verdient sein Geld mit dem Soja. Da ist es klar, dass die Wertschöpfung nicht in die Anbauländer abwandern darf. Lieber weiterhin Anbauflächen aus der Ernährungssicherung der dortigen Länder nehmen, Hauptsache das Geld bleibt bei unseren Konzernen. Und was hat der hiesige Bauer davon? Vor der Soja-Zeit konnte man als Bauer mit der halben Milchleistung leben. Heute, trotz allem Importfutter, nicht wirklich.
von detmarkleensang
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