[20.09.2012]
Prof. Harald von Witzke
Nach Einschätzung des Berliner Agrarökonomen Prof. Harald von Witzke wird die Konkurrenz zwischen „Teller und Tank” quantitativ vollkommen überschätzt. Weltweit würden nur auf 3 % der Ackerfläche Nutzpflanzen für die Bioenergieproduktion angebaut. Daraus resultiere ein Anstieg der Agrarpreise seit der Jahrtausendwende um ein Zehntel; die Agrarpreise seien seither aber um mehr als 100 % gestiegen, stellte der Agrarwissenschaftler in der Mitgliederzeitschrift des DBV fest.
Zudem verweist von Witzke darauf, dass gerade in den USA oder der EU die Produktion von Bioenergie auf Stilllegungsflächen erfolge, so dass sich insofern in Wirklichkeit keine Konkurrenz eingestellt habe. Hinzu komme, dass die bei der Bioenergieproduktion anfallenden Nebenprodukte für die Tierhaltung in der Bilanz Teller oder Tank nicht berücksichtigt würden. Dass dennoch immer wieder ethische Bedenken in die Diskussionen um die Bioenergie eingebracht werden, führt der Wissenschaftler schlicht auf Unwissenheit zurück. Von Witzke gibt auch zu bedenken, dass es eine ganz natürliche Konkurrenz um die knapper werdenden Ressourcen für die Nahrungsgüterproduktion einerseits und die „Nicht”-Nahrungsgütererzeugung andererseits gebe.
Diese Ressourcenkonkurrenz gelte nicht nur für die Bioenergie, sondern für alle Nicht-Nahrungsgüter. So werde auch Baumwolle weltweit auf etwa genauso viel Fläche angebaut wie Pflanzen zur Herstellung der Bioenergie. Für den Agrarökonomen steht fest, dass nur eine produktivere Landwirtschaft „die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen kann”, und zwar in Deutschland, EU- und auch weltweit: Mehr Nahrungsmittel, mehr Bioenergie, mehr Klimaschutz und mehr Biodiversität. „Wenn es uns gelingt, auf den vorhandenen Flächen mehr zu produzieren, können wir uns mehr Biodiversität leisten”, so von Witzke.
Das Produktivitätswachstum der Landwirtschaft sei nicht nur in der EU vernachlässigt worden. Weltweit sei der durchschnittliche Produktivitätszuwachs von 4 % auf 1 % zurückgegangen, in der EU auf nur noch 0,6 %. Ursächlich dafür sei die Vernachlässigung der Agrarforschung seit Ende der siebziger Jahre. Dies habe schließlich dazu geführt, dass die EU 2008 zum größten Nettoimporteur von Agrarprodukten geworden sei. (AgE)
Leserkommentare
Die Eiweißversorung Zählt auch
[20.09.2012]
Nun wenn das ha Mais 120dt na---na gehen wir doch lieber vom Durchnitt aus 90 dt und 9 % Eiweiß gibt ein ha 9x9= 81 oder 810 kg Protein ja ha. Müßte man das durch Soja ersetzen braucht man Durchschnitt 26dt Soja je ha x 42%= 1.100kg Sojaeiweiß.Das heißt ein ha Enatholmais ersetzt 0,75 ha Urwaldsoja ersetzt ein ha Enatholhektar(Weizen hat einen höheren Eiweißgehalt) wenn man den Umweltverbänden und Grünenargumentation folgt. Allso müßte die nächste Aufmachung in der Bild sein Enathol erhöht Versorgungssicherheit sowohl in der Energieversorgung als auch in der Versorgung der Bevölkerung mit Eiweiß. Außerdem kann der Kleinbauer(wenn er denn Gefördert würde) von seinem Anbau gesichert leben.
von elinge
Wir brauchen mehr Bioenergie!
[20.09.2012]
30% der Lebensmittel werden weggeworfen, 30% werden von Hunden und Katzen gefressen und 30% werden zu Steaks veredelt. Welch ein ungeheuerlicher Reichtum für ein paar Prozent der Weltbevölkerung! Nur durch die Bioenergie ist endlich der wahre Wert - der Energiewert - in den Köpfen angekommen. Aber jeder will nur eines: seine angestammten Pfründe verteidigen. Ich kann nur hoffen dass die Energie vom Acker, egal ob als Brot oder Strom noch teurer wird und ich hoffe, dass die Ärmsten der Armen, die Bauern in der dritten Welt, sich ihren Anteil daran holen.
von user10
[20.09.2012]
Ob ein paar % mehr oder weninger ist völlig unbedeutend. Entscheident ist, dass Bioenergieproduktion einfach Dummheit anzeigt, weil insgesamt und sachlich richtig beurteilt Energie nicht gewonnen, sondern nur ausgetauscht wird. Die Dummheit scheint da grenzenlos zu sein.
von kjdwittke
Donnerwetter, USA 90 Mio. ha Stilllegung !?
[20.09.2012]
So einen Artikel kann man nicht Kommentieren. Weder Bauern hier noch in den USA brauchen sich für hohe Getreidepreise zu rechtfertigen. Der DBV muss allerdings was erklären. War nun die EEG Novelle 2009 ein Fehler oder nicht? Wieviele Gewinner und wieviele Verlierer gibt es. Ein Gewinner steht schon fest: Die Anlagenhersteller (Biogas). Die konnten zwischen 2009 und 2011 völlig überteuert Anlagen auf deutschen Höfen installieren. Die gleichen Firmen bauen nun Anlagen zum halben Preis im Ausland.Als Stromkunde ein "Dank" an den Deutschen Bauernverband.
von
[20.09.2012]
Es ist doch positiv, wenn Lebensmittel ihren Wert haben. Dieser orientiert sich eben an dem Brennwert. Hunger gab es auch, als noch kein Mensch von nachwachsenden Rohstoffen redete. Im Grunde führen NaWaRos einfach zu einem höherem Erzeugerpreisniveau.
von rasta-man
Bioenergieproduktion
[20.09.2012]
Wenn auf 18% der Fläche der BRD Erzeugnisse für Biogasanlagen angebaut werden.Dann kann man nicht von Überschätzung reden.Sondern von Verdrängung der Nahrungsmittelproduzenten.
von
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