[22.06.2012]
Berthold Achler, Chefredakteur top agrar
Der Milchmarkt in Deutschland wird gegenwärtig neu verteilt. Die produzierte Milch konzentriert sich zunehmend auf einige wenige, leistungsfähige Molkereien. Das Sterben der schwachen Unternehmen wird sich deutlich beschleunigen.
Diese Prognose wagte top agrar-Chefredakteur Berthold Achler auf der Fachtagung Milchproduktion 2012 auf Schloss Eichhof im hessischen Bad Hersfeld. Bei einerseits steigender Milchproduktion und andererseits rückläufiger Inlandsnachfrage werde sich bei den deutschen Molkereien jetzt sehr schnell die Spreu vom Weizen trennen. Profitieren könnten z.B. einige leistungsfähige Privatmolkereien wie Müller-Milch. Auch ausländische Unternehmen wie FrieslandCampina oder Arla würden in Deutschland deutlich Marktanteile gewinnen.
Viele deutsche Genossenschaften hätten die Marktorientierung und die Internationalisierung schlicht verschlafen. Nun erfolge eine ähnliche Marktbereinigung wie zuvor bei den deutschen Schlachtereien. Dabei werde viel Bauerngeld verbrannt.
Ein markanter Meilenstein in dieser Entwicklung sei die jetzt anstehende Übernahme der deutschen Großgenossenschaft Milchunion Hocheifel (MUH) in Pronsfeld (Rheinland-Pfalz) durch den skandinavischen Molkereikonzern Arla. Die MUH habe sich extrem auf das Massenprodukt H-Milch spezialisiert, zu wenig Wertschöpfungsprodukte entwickelt und den Export in die wachsenden Drittlandsmärkte verschlafen.
Arla dagegen habe sich durch eine kluge Unternehmensstrategie von einer Dorfmolkerei zum Weltkonzern entwickelt. Durch die Übernahme der drei deutschen Molkereien Hansa-Milch, Allgäuland und MUH werde Arla nun nach Milchmenge zum zweitgrößten Unternehmen in Deutschland, nach Umsatz die drittstärkste Molkerei.
Mit den jüngsten Fusionen und Übernahmen erhalte die Strukturentwicklung in der deutschen Molkereiwirtschaft einen neuen Schub, versicherte Achler. Die fünf größten Unternehmen in Deutschland (DMK, Arla, Hochwald, Müller-Milch und Ammerland) erfassten inzwischen bereits fast 50% der Milch. Die andere Hälfte des Rohstoffs verteile sich auf rund 100 weitere Unternehmen.
Als größte Schwachstelle der deutschen Molkereien bezeichnete Achler die Wertschöpfung aus der Milch. Die Brutto-Wertschöpfung streue zwischen den Unternehmen von 40 Cent bis 1,60 € pro kg Milch. Eine hohe Wertschöpfung erzielten oft Privatmolkereien wie Hochland, Ehrmann, Müller-Milch, Meggle oder Zott. Eine vergleichsweise geringe Wertschöpfung erreichten oft genossenschaftlich orientierte Unternehmen wie Uelzena, Milchunion Hocheifel, Hochwald oder DMK.
Insbesondere bei Unternehmen mit geringer Wertschöpfung, geringer Exportorientierung und hohen Produktionskosten könnten sich die wirtschaftlichen Probleme in naher Zukunft verschärfen, befürchtet Achler. Mit hohen Anteilen an einfachen und austauschbaren Massenprodukten wie Butter, Pulver und H-Milch in der Produktpalette werde es immer schwieriger, einen guten Auszahlungspreis zu erwirtschaften. Insbesondere in Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg bestehe ein großer Handlungsbedarf.
Bis zum Jahre 2020 werde sich die Molkereistruktur in Deutschland deutlich verändern, prognostiziert Achler. Dann gebe es in Deutschland vermutlich nur noch vier bis fünf große Unternehmen wie DMK, Arla, FrieslandCampina und Müller-Milch sowie 10 bis 15 Spezial- und Nischen-Molkereien.
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Leserkommentare
Der Berg und die Maus
[26.06.2012]
Nun wieso hat Herr Achter nicht die Auszahlungspreise der Molkereien genommen?? Die Muh ist mit der Spezialisierung H-Milch lange Jahre gut gefahren.Jetzt wo H-Milch zum Ramschartikel aller Milchwerke wurde ist das Konzept nicht mehr tragbar denn hier ist kein Milchpreis über dem Durchschnitt zu erwischaften. Was macht da die Maus sie wird Teil des Berges. Nun jetzt wo es ein Unternehmen mit 10 Standbeinen hat kann Milchwerk zwischen 1,60 bis 40 cent ein durchschnittspreis Preis bilden.Nur liegt er 2cent unter dem Durchschnitt oder darüber?? So wie ich das Milchpreisbarometer beurteile eher darunter.Aber das ist nicht schlimm für Sie denn irgendwann geht jedem kleinen Milchwerk sein Konzept baden.Das kann ja dann Übernommen werden oder!!!
von elinge
Dass Achler den ...
[24.06.2012]
... falschen Terminus wählt, ist ja noch zu entschuldigen. Viel schlimmer ist seine Fehlinterpretation der Zahlen. Der Reinerlös je kg Milch sagt nämlich fast nichts aus, schon gar nichts über die Leistungsfähigkeit einer Meierei. Eigentlich ist jeder Absatz der Meldung falsch, es wäre besser Achler würde nicht über Dinge reden, von denen er keienerlei Ahnung hat, einfach mal den Rand halten! @ Kleensang: aus den Zahlen pauschal eine unverfrohrene Frechheit der Molkereien abzuleiten ist natürlich genau so falsch!
von sebontch
Hatte ich mir auch schon gedacht, sebontch
[23.06.2012]
Leider wurde im Artikel nunmal dieser Begriff von Brutto-Wertschöpfung genannt. Der dürfte anhand der Zahlen aber wohl der falsche Begriff sein. Sollte jemandem wie Chefredakteur und Vortragsreisendem Achler dann aber eigentlich nicht passieren. Naja, jeder macht mal Fehler. Ich habe ja auch von einer Wertschöpfung von 0,5% bei den Milcherzeugern geschrieben, wobei natürlich 0,5 Cent gemeint waren! Bleibt nur die Frage offen: wie und in welchem Verhältnis passen die Zahlen im Artikel zu denen von uns Bauern? So wie dargestellt jedenfalls wäre das der blanke Hohn für Milcherzeuger und eine unverfrohrene Frechheit von den Molkereien.
von detmarkleensang
Bei den ...
[23.06.2012]
... genannten Zahlen handelt es sich mit Sicherheit nicht um Bruttowertschöpfung im Sinne des Vorschreibers! Umsatzerlöse je kg Milch passt schon eher...
von sebontch
Für eines darf man Herrn Achler aber dankbar sein.
[23.06.2012]
Auch wenn es für uns nicht schön ist: Er hat nämlich mal schwarz auf weiß die Zahlen geschrieben, wie die Molkereiunternehmen uns Milcherzeuger bescheißen: "Die Brutto-Wertschöpfung streue zwischen den Unternehmen von 40 Cent bis 1,60 € pro kg Milch." Wiki zufolge: "Wertschöpfung = Gesamtleistung – Vorleistungen" bzw.: "Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen = Produktionswert – Vorleistungen". Laut Rinderspezialberatung-SH lag die Wertschöpfung bei den milcherzeugenden Betrieben letztes Jahr bei gerade mal 0,5%! Und das waren schon die Zahlen der Top-25% der Betriebe! Wie kommt es, dass bei 70% der erfassten Milch, die in Genossenschaftsunternehmen wandert, die Wertschöpfung unserer Milch so eklatant ungleichmäßig verteilt ist?
von detmarkleensang
Die einfache Welt ...
[23.06.2012]
...eines Herrn Achler, hat noch nie einen Liter Milch gemolken geschweige denn verarbeitet und vermarktet, weiss aber wo es lang geht. Bei so viel Denkmüll kann man nur noch den Kopf schütteln.
von sebontch
Achler verkennt die Ursache seiner Prognosen
[22.06.2012]
Er sollte sich Gedanken annehmen, die es verhindern, das nun immer die schwach Auszahlenden Molkereien an die Wand gedrückt werden. Währe keine Marktsättigung vorhanden, so könnten nicht geziehlt Preise unterboten werden. Damit derjenige böse dann als Samariter auftritt, und von Achler noch gelobt wird. Schaden tuts uns Bauern, doch dies ist dem Chefredakteur egal.
von Hardthof
Bauernverklärung statt Lösungsansätze oder wie man gerne um den heißen Brei herumdet!
[22.06.2012]
Herr Achler mit ihrer Argumentation liegen Sie wie so oft (absichtlich?) daneben, bzw. Sie machen sich damit zum Meinungsmacher, ja sogar Steigbügelhalter der Industrie. Ich finde Sie verletzen die journalistische Pflicht gegenüber ihrer Leserschaft, wenn Sie den Gesamtzusammenhang nicht sehen wollen und immer die Themen so beleuchten, dass sie der Industrie nicht weh tuen, bzw. die Bauern verklärt werden. Das Bauerngeld wird durch die von der Industrie gewollt angeheizte Überproduktion bei Rohmilch verbrannt, damit (auch genossenschaftliche) Unternehmen, die sich der Kontrolle der Bauern längst entzogen haben, günstige Einkaufsbedingungen für Rohmilch vorfinden und damit einen Export-Kreuzzug am Weltmarkt führen können. Die Bauern zahlen!
von helmut_ehrlicher
[22.06.2012]
der herr achler muß es wissen.wo sind die märkte der privaten und die der genossenschaften.wäre mal ein bericht wert.
von schuchi
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