[13.07.2011]
Weindlmaier macht deutlich, dass die Höhe der aktuellen Milcherzeugerpreise von einer sehr großen Anzahl von Einflussfaktoren abhängt (z.B. Marktentwicklungen, Leistungsfähigkeit der Molkerei, Verhandlungsgeschick etc.). Eine vollständige Markttransparenz sei deshalb für Milcherzeuger, Erzeugergemeinschaften und Molkereien sehr schwierig zu erlangen. Insbesondere die Milcherzeuger befänden sich tendenziell im Nachteil. Für die Preisverhandlungen sei es unerlässlich, dass Milcherzeuger, Erzeugergemeinschaften und die verantwortlichen Molkereigenossenschaften über die aktuelle Preisentwicklung an den Märkten informiert seien.
Die Auffassung des Bundeskartellamtes, dass eine hohe Markttransparenz zu Lasten der Erzeuger gehe, sieht der Wissenschaftler kritisch. Bislang hätten sich die Milcherzeuger, ihre Verbände und auch die Molkereien für aktuelle Milchpreisvergleiche ausgesprochen. Auch das Argument, dem Lebensmittelhandel sollte die Preissituation am Rohmilchmarkt verschwiegen werden, lässt Weindlmaier nicht gelten. Der Lebensmittelhandel habe ein umfangreiches Informationsnetz und sei auf die Veröffentlichung der Milcherzeugerpreise nicht angewiesen.
Sollte das Bundeskartellamt tatsächlich die weitere Veröffentlichung von aktuellen Milchpreisen verbieten, befürchtet Weindlmeier eine große Verunsicherung bei der Milchpreisbildung. Der tatsächliche Milcherzeugerpreis würde sich dann weniger an den objektiven Rahmenbedingungen orientieren, sondern vom jeweiligen Verhandlungsgeschick der Verhandlungspartner abhängen. Eine Zunahme der Auseinandersetzungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien könnte die Folge sein. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Milch- und Molkereiwirtschaft würde eher geschwächt. Vorteile für die deutschen Milcherzeuger seien nicht erkennbar.
Leserkommentare
Weindlmaier, ein Fossil der Milchindustrie
[14.07.2011]
Wie schon in seinen Vorträgen bringt der leicht zerstreute Prof. Weindlmaier auch in diesem Fall mal wieder alles durcheinander. Die nachgelagerten Märkte der Milchindustrie sind nicht gleichzusetzen mit dem Rohmilchmarkt der Milchbauern. Ein Fehler den er immer wieder begeht, oder begehen soll? Denn die Molkereien sind dazwischen und nehmen sich ihre fette Marge, egal bei welchem Preisniveau. Den Bauern teilen sie nur das Preisrisiko und die Krümel zu. Ist der Hinweis des Kartellamtes nicht auch in gewisser Weise eine Chance für die Milchbauern? Anstatt sich an den großen schlechten Nachbarmolkereien im Auszahlungspreis zu orientieren könnte man doch jetzt einfach mal die wahren Produktionskosten herbei nehmen, als Preisfindungsgrundlage.
von helmut_ehrlicher
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