[10.02.2010]
Achler
Die Milchproduktion bleibt auch nach 2015 in vielen Mittelgebirgsregionen wie dem Sauerland, dem Westerwald und der Eifel wettbewerbsfähig, wenn sich die Betriebe rechtzeitig auf die neuen Herausforderungen einstellen. Das erklärte top agrar-Chefredakteur Berthold Achler auf dem Tierzuchttag Märkischer Kreis und Ennepe-Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Die Milchquote fließe zunehmend zu den spezialisierten Milchprofis \- auch zu den Milchprofis in den Mittelgebirgen.
Ein gutes Beispiel hierfür sei die Entwicklung im Märkischen Kreis (Sauerland), wo die LKV-Betriebe im Schnitt bereits 72 Kühe halten. In den beiden Landkreisen Lüdenscheid und Ennepe-Ruhr stünden inzwischen rund 300 Boxenlaufställe, seit dem Jahr 2000 seien über 5 Mio. kg Quote zugewandert. Trotz der niedrigen Milchpreise sei die Stimmung unter den Vollerwerbsbetrieben verhalten positiv. Viele Nebenerwerbsbetriebe erzielten zusätzliche Einnahmen aus dem Holzverkauf, der Pferdehaltung oder aus Solarenergie oder Biogas.
Mit Blick auf den bevorstehenden Quotenausstieg in 2015 forderte Achler die Betriebsleiter auf, sich künftig nicht nur um die Ausweitung der Milchproduktion zu kümmern, sondern auch um die bessere Vermarktung der Milch. Insbesondere die Genossenschaftsmolkereien müssten bei Schlagkraft, Wertschöpfung und Drittlandsexporten noch deutlich zulegen.
Ein positives Beispiel sei die Zusammenarbeit von Nordmilch und Humana in der gemeinsamen Vertriebsorganisation Nordcontor, die immerhin 23% der deutschen Milch bündelt. Im Gespräch sei eine noch engere Zusammenarbeit. Dies könne mittelfristig zu einer Straffung der Verarbeitungskapazitäten, zu einer Steigerung der Wertschöpfung und zu stabileren Milchpreisen führen.
Handlungsbedarf sieht Achler in Rheinland-Pfalz. Dort seien die Milchpreise der langjährigen Spitzenauszahler Hochwald und Milchunion Hocheifel in 2009 unter den Bundesdurchschnitt gefallen. Die MUH leide offensichtlich unter der extremen Spezialisierung auf das Massenprodukt H-Milch, aus der sich das Unternehmen aus eigener Kraft vermutlich nicht werde lösen können. Hochwald habe offenbar Probleme mit einer zu großen Anzahl (veralteter) Verarbeitungsstandorte.
Eine Fusion der beiden Nachbarmolkereien sei längst überfällig, kritisierte der Agrarjournalist. Es sei den betroffenen Milcherzeugern nicht mehr vermittelbar, dass sich die beiden Nachbargenossenschaften fortlaufend beim Lebensmittelhandel gegenseitig unterbieten, nur weil sich die beiden Geschäftsführer gegen eine Zusammenarbeit stemmen. Für zwei gute Geschäftsführer gebe es auch in einem fusionierten Unternehmen genügend qualifizierte Arbeit, erklärte Achler.
Das Abschmieren der Milchpreise in Rheinland-Pfalz sei ein ernstes Signal für die Bauern. Der direkte Wettbewerber FrieslandCampina sei in vielen Kriterien besser ausgestattet (Produktpalette, Eigenkapital, Wertschöpfung, Internationalisierung). Unter den Milcherzeugern steige derzeit die Wechselbereitschaft nach Holland.
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Leserkommentare
Milchprofi ?
[10.02.2010]
Wann ist man ein Milchprofi? Herr Achler. Welche Vorraussetzungen brauche ich, um Milchprofi zu werden? Zu Hochwald im Westerwald.INFO. Die "Milchprofis" haben im November 09 in einer fairen Wahl 100% BDM-Mitglier als Ihre Molkerei-vertreter gewählt.Kreise WW;AK;NR;EMS, Alle Milchprofis sitzen hier weiterhin in einem Boot und sind friedlich untereinander ! oliver
von Gast
OH
[10.02.2010]
Wer es glaubt wird seelig und wers nicht glaubt kommt auch in Himmel! Im Klartext: Die Milchbauern sollen ihre Stückkosten durch Wachstum weiter soweit senken, damit die fusionierten Molkerein nun ohne Wettbewerb um die Milch noch günstiger ihr Pulver auf dem Weltmarkt anbieten können! Und der Verlierer ist?? Wieder einmal der Milchbauer..
von wartsteigerhof
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