„Rechnen Sie mal mit 28 Cent“

[25.11.2009]


Der Milchpreis ab Hof wird sich in den nächsten zehn Jahren in Mitteleuropa bei durchschnittlich 28 Cent einpendeln. Dabei wird er zwischen 21 und 35 Cent schwanken. Davon geht Tim Koesling, Unternehmensberatung Koesling-Anderson, aus.

Koesling stützt seine Prognose auf eine Analyse einer holländischen Bank aus dem Jahr 2007. "Auch wenn das Auf und Ab der Milchpreise seitdem deutlich zugenommen hat, scheint die Prognose sehr treffend zu sein", sagte er gestern auf dem Tag des Milchviehhalters in Bernburg (Sachsen-Anhalt).

Allerdings stellte der Unternehmensberater fest, dass der zukünftige Auszahlungspreis mit 28 Cent somit etwa 2 Cent unter dem durchschnittlichen Milchpreis in Ostdeutschland der vergangenen zehn Jahre liegen wird. Hinzu komme, dass die Futterkosten zukünftig ein bis zwei Cent über dem Niveau der Vorjahre liegen werden. "Deshalb fehlen mindestens drei Cent im Vergleich zu den vergangenen Wirtschaftsjahren", so Koesling.

Deshalb rät er, Investitionen in die Milchviehhaltung realistisch zu analysieren. Dem Argument, aufgrund der niedrigen Baukosten und Zinsen auch bei den derzeit niedrigen Milchpreisen zu investieren, gab er einen Dämpfer. "Auch wenn die Baukosten um 20 % und die Zinsen um 2 Prozentpunkte gefallen sind, macht das gerade einmal 0,5 bis 0,8 Cent pro kg Milch aus", so der Berater.

Viel wichtiger sei, das "richtige Einstiegsjahr zu erwischen". Denn die Milchpreisschwankungen von 7 Cent könnten direkt die Liquidität der Betriebe gefährden. Seiner Berechnung nach lag der Geldrohüberschuss (wichtig zur Liquiditätserhaltung) im Jahr 06/07 bei + 2,3 Cent, im Jahr 07/08 bei + 7,4 Cent und im letzten Jahr bei \- 5,2 Cent. "Somit hätte man den gesamten zusätzlichen Nettogewinn aus 07/08 sparen müssen, um das Loch im vergangenen Jahr zu stopfen", so Koesling.

Eindeutige Position bezog der Berater zur aktuellen Diskussion um die Milchquote. "Ich glaube nicht, dass die Quote nach 2015 noch in irgendeiner Form eine Rolle spielen wird. Betriebliches Wachstum ist deshalb nur ohne Quotenzukauf rentabel!" Im Klartext heißt das: Expandierende Betriebe sollten überliefern und auf die Saldierung spekulieren.

Leserkommentare

6 Kommentar(e)
  • Das jetzige niedrige Preisniveau

    [25.11.2009]

    habe ich vorhergesagt. Und zwar schon während meiner Ausbildung, als ich noch zur Landwirtschaftsschule ging. Das ist nun fast 20 Jahre her! Da gab es noch keinen BDM und der Bauernverband ging mir damals schon gegen den Strich. Die ewige Lehre von wachsen oder weichen, oder vielmehr: "wenn es dir schlecht geht musst du wachsen, und zwar mit Fremdkapital", überzeugte mich davon, dass langfristig tendenziell zu viel Milch am Markt sein würde und der Preis dadurch gedrückt. Die Produktion könnte nach der Methode nur dauerhaft am unteren Ende der Kostendeckung fortgeführt werden. Mit Geld verdienen in schlechten Zeiten ist da nichts! In guten Zeiten wird man vielleicht etwas verdienen können. Das wird in schlechten aber locker wieder verbrannt. Aber man darfst mich ja gerne eines besseren belehren. Mir soll mal jemand zeigen, wie er dauerhaft zu 28 Cent Milch produziert und dabei noch Geld verdient, um private Risikorücklagen zu bilden und Investitionen zu tätigen. Ohne dauerhafte Verschuldung! Dann reden wir weiter. Gruß, Detmar Kleensang

    von Gast

  • ...oder etwas mehr oder weniger!

    [25.11.2009]

    Ehrlicherweise kann niemand den durchschnittlichen Milchpreis der nächsten Jahre vorhersagen. Das jetzige niedrige Preisniveau hat leider auch niemand vorhergesagt. Was kann der Milchviehhalter tun? Kosten runter! - Einfache Ställe ohne Fachwerk, einfache Melktechnik ohne Schicki-Micki, langlebigere Kühe züchten, einfache Haltung mit Weidegang, etc. Dann verdient man auch in schlechten Zeiten Geld!

    von velofahrer

  • Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich

    [25.11.2009]

    ...ihr wisst schon weiter. Doch solche Wolkenschiebersprüche haben sich immer so bestätigt, dass bei dieser Milchgeld - in- Hand - gedrückt - Situation sich nur für ganz kurze Zeit die Milchauszahlungspreise in Vollkostennähe bewegt haben, aber immer die längste Strecke im Jahr durstig war. Einzige Altenative: European Milk Board, wo kleine Ausrutscher :upset nach unten, aber nicht bis 21 Cent, Grundlage neuer Verhandlungen mit einer am europäischen Markt aufnehmbaren Milchmenge bei Vollkostenberechnung der Auszahlungspreise, Realität werden müssen.

    von 1azorenhoch

  • Völlig richtig!

    [25.11.2009]

    Auch ohne Unternehmensberater habe ich das schon vor bummelig nem halben Jahr gesagt. 28 Cent, zwischen 21 und 35 Cent höchstens. Jeder, der den Markt realistisch beobachten kann kommt auf das gleiche Ergebnis. Das Problem ist nur, dass zu solch einem Preis bei den hiesigen Produktionsbedingungen niemand dauerhaft Milch erzeugen können wird. Dazu müssten die Erzeugungskosten drastisch sinken. Der Verbraucher aber fordert gewisse Qualitäten, weshalb Kostensenkung schwer möglich sein dürfte. Und der Weltmarkt agiert eh auf einem ganz anderen Preisniveau, bei dem man keinen Stich bekommt. Das die expandierenden Betriebe überliefern und auf die Saldierung spekulieren sollen ist ebenfalls völlig richtig. Um so schneller sind diese Betriebe pleite und weg vom Markt, wenn die Saldierung doch eingeschränkt wird oder ihre Betriebe nur noch aus Fremdkapital bestehen. Das reduziert die Milchmenge am Markt viel schneller und effektiver als es jede freiwillige Steuerung über das Milchboard könnte. Und es wird durch den Kapitalismus, die "freie Marktwirtschaft" geregelt, den gerade diese Betriebe so dringend wollen. :p Detmar Kleensang

    von Gast

  • Schöner Spruch

    [25.11.2009]

    nur was ist wenn es keine 35 Cent gibt? Auch Biogas macht Arbeit und braucht unmengen an Startkapital!

    von johndruss

  • Unter 35 Cent nicht

    [25.11.2009]

    Bei uns in Deutschland wird die Milch nicht dauerhaft unter 35 Cent erzeugt. Denn das ist der Preis, der sich mit Biogas erzielen lässt. Unter diesen 35 Cent ist kein Milchbauer auf den Pachtmarkt konkurenzfähig.

    von

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