Schmallenberg-Virus: Jetzt kommen missgebildete Kälber

Schmallenberg-Virus Jetzt kommt es auch vermehrt zu Geburten von missgebildeten Kälbern. Nachdem das Schmallenberg-Virus in den letzten Wochen vor allem für missgebildete Lämmer gesorgt hat, werden jetzt auch immer mehr Kälber mit Missbildungen geboren. Das kann zu erheblichen Komplikationen bei der Geburt führen, wie z.B. schweren Geburtsverletzungen, Kaiserschnitten oder dass die Geburt übersehen wird, weil Kühe die Kälber nicht alleine zur Welt bringen können. Das berichten Dr. Mark Holsteg, Tiergesundheitsdienst NRW und Dr. Martin Peters, Staatliches Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg, im Wochenblatt Westfalen-Lippe.
 
Um Prognosen für den weiteren Krankheitsverlauf in den nächsten Wochen aufzustellen, können die nachgewiesenen Erkrankungen der Kühe im letzten Herbst helfen. So waren Anfang September Kühe im Kreis Kleve und Kreis Wesel betroffen. Mitte Oktober wurden Fälle aus dem Sauerland gemeldet. Das heißt: Rinderhalter müssen sich am Niederrhein im März/April und im Sauerland im April/Mai auf missgebildete Kälber und Schwergeburten einstellen. Denn wie auch das Blauzungen-Virus wird das Schmallenberg-Virus über Gnitzen verbreitet. Deshalb ist eine Infektionswelle entlang der Hauptwindrichtung von Westen nach Osten zu erwarten.
 
Aus den Erfahrungen mit ähnlichen Viren in Asien, Australien, Afrika und Israel lassen sich die Folgen in den nächsten Wochen abschätzen. Je nach Zeitpunkt der Infektion treten unterschiedliche Missbildungen auf. So kommt es bei einer Infektion zwischen dem 70. und 100. Trächtigkeitstag beim Fötus zu Missbildungen von Wirbelsäule, Gliedmaßen und Nervensystem. Wird das Rind erst später infiziert (100. bis 180. Tag), ist vor allem das Nervensystem mit Gehirnmissbildungen betroffen. Werden diese Kälber lebend geboren, haben sie häufig einen Kopf mit eingezogenem Nasenrücken sowie vorgewölbter Stirn und zeigen Auffälligkeiten im Verhalten (z.B. Schwierigkeiten beim Aufstehen und Trinken). Probleme können bei Spätinfektionen aber auch bei der Geburt auftreten.
 
Wichtig ist, dass Landwirte in den kommenden Wochen verdächtige Fälle dem Tierarzt oder Veterinäramt melden. Denn nur so können weitere Nachforschung zur Erkrankung betrieben werden. Außerdem kann die Krankheit nur dann als Seuche eingestuft werden, wenn die missgebildeten Kälber auch erfasst werden. Erst dann sind Entschädigungen durch Versicherungen oder die Tierseuchenkasse möglich.