[14.09.2012]
Chefredakteur B. Achler
In Bayern müssen mehr Boxenlaufställe gebaut werden, sonst wird die Zahl der Milchviehhalter im Freistaat in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen. Das erklärte top agrar-Chefredakteur Berthold Achler auf dem 3. Bauerntag im oberbayerischen Haag. Viele Bauern müssten noch "raus aus der Knochenmühle Anbindestall".
Vor fast 1000 Milcherzeugern aus fünf Landkreisen forderte der Agrarjournalist die bayerische Landesregierung auf, die Förderung des Kuhstallbaus wieder attraktiver zu gestalten und auszuweiten. In der Vergangenheit seien pro Jahr bis zu 800 Rinderställe gefördert worden, gegenwärtig seien es nur noch 330. Das reiche langfristig nicht aus, um die Milchproduktion in Bayern auf dem gegenwärtigen Niveau zu halten, ein Rückgang der Milchproduktion habe auch Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerten Sektoren.
Nach Darstellung des Agrarjournalisten wirtschaften von den knapp 40.000 bayerischen Milchviehbetrieben noch rund 60 % im Anbindestall. Die Arbeitsbelastung für die Familien sei oft unzumutbar und die Milchleistung der Kühe liege deutlich hinter denen in anderen Regionen des Bundesgebietes zurück. In vielen bayerischen Betrieben sei eine Leistungssteigerung um 1000 kg Milch pro Kuh und Jahr noch möglich, was die Einkommenssituation deutlich verbessern könnte.
Obwohl der Druck der Tierschützer gegen die Anbindehaltung von Milchkühen enorm wachse, erwartet Achler kein generelles Verbot des Anbindestalls wie in Dänemark (ab 2016) und in den deutschen Bio-Betrieben (ab 2014). Ein staatliches Verbot des Anbindestalles würde die CSU in Bayern „politisch nicht überleben“. Achler befürchtet vielmehr, dass die Politik den Druck auf die Betriebe durch eine Verschärfung der Tierschutz-, Umwelt- und Hygieneauflagen erhöht.
Ein Kernproblem für den Stallbau in Bayern seien die hohen Baukosten von 10.000 Euro pro Kuhplatz und mehr, verursacht durch überzogene Bauauflagen, Bauausführungen und technische Ausstattungen. Achler regte einen neuen Wettbewerb für kostengünstige Stallbauten an, der Bauern und Beratern neue Ideen liefern könnte.
Ein weiterer Ausweg aus der „Arbeitsfalle Anbindestall“ sei die stärkere Zusammenarbeit von Anbinde- und Laufstallbetrieben. In einer solchen Kooperation könnten die Milchkühe von zwei oder drei Betrieben in einem Laufstall gehalten werden, während die Jungviehaufzucht in den Partnerbetrieben erfolgt. Davon könnten alle Beteiligten profitieren.
Das 3. Tagebuch ist online: Jakob Hirm war eine Woche auf dem Betrieb der Fockenbrocks. Die pfiffigen Direktvermarkter halten 75 Holsteinkühe. Tagebuch lesen...
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Leserkommentare
Tierschutz und Flächenbedarf
[15.09.2012]
Also ich glaube mal nicht das es den bayr. Kühen im Anbindestall nicht schlecht geht. Auf vielen Höfen erhält die Kuh in der Anbindung eine optimale Betreuung und Versorgung. Nun hat die bayr. Bundesegierung angekündigt 30 % des Erdgases durch Biogas ersetzen zu wollen. Das bremst natürlich, den Ausbau der Milchviehhaltung. Fakt : Was die Bayern vorne Aufbauen, rennen die beim Umdrehen wieder mit Arsch um !
von futtersilo
Och Herr Achler,
[15.09.2012]
wenns die Milch nicht bringt dann muß man halt Subventionieren egal in welcher Form. Wer greift den die Mittel ab Herr Achler? Wenn ich so durch die Lande fahre sehe ich Familiengroßbetriebe die haben in den letzten 30 Jahren schon 3mal mit Förderung gebaut (siehe Stalldach) und sind noch nicht Lebensfähig. Darum brauchen die auch eine 4. Förderung nur um ja auch weiterhin schön Zins und Tilgung bestreiten zu können. Für mich sind das nur arme Bauersleut in einem Hamsterrädchen welches sie zusammen mit einem ausgeklügeltem Netzwerk auch noch unterstützen.
von Ghostbusters
Staatliche Zuschüsse
[15.09.2012]
@Wosnitza:Viele Anbindeställe liegen im Voralpen bzw im Berggebiet.Dort ist man von den geografischen Gegebenheiten Grenzen gesetzt.Viele Betriebe haben mehrere Standbeine oder werden im Zu oder Nebenerwerb betrieben.Warum dürfen solche Betriebe keine Zuschüsse mehr bekommen.Ich finde ihre Aussage unsolidarisch.Sie haben selber einen Stall mit Zuschüssen gebaut.Nach ihren Angaben reduzieren Sie bein niedrigen Milchpreisen nicht ihre Produktion.Sie tragen mehr zu den Überschüssen bei als diese Betriebe.Bei denen es in erster Linie um arbeitwirtschaftliche Verbesserungen geht.Mich würde es mal interessieren ob das ihre persönlichen Ansichten sind oder die des BDM?Bei Verbandsansicht.wird es mit Sicherheit zu einer Austrittswe.von Bauwill.führ
von
Intensiver Milchviehhaltung
[15.09.2012]
in modernen Boxenlaufställen gehört auf intensive Standorte, ob dass in Bayern überall möglich ist wage ich zu bezweifeln. Grenzstandorte sollten auf Fleischtierrassen umstellen und großflächig (Gemarkungsgrenzen) einzäunen. Alles andere ist langfristig wirtschaftl nicht vertretbar.
von landfuerst
Hat da jemand Angst
[15.09.2012]
Wie war das noch mit Prof. Grethe vom Agarinstitut: "Wir brauchen offene im Weltmarkt integrierte Märkte. Die Politik soll hohe Mindesstandards in Bezug auf Tierschutz und Umweltschutz im liberalisierten Markt generieren." Übersetzt heißt das möglichst niedriger Preis bei höchsten Auflagen und das bei nicht wachsender Fläche. Herr Achler, wer glaubt, die Förderung kann das richten, hat keine Ahnung von Wirtschaftlichkeit.
von nohring
Guter Vortrag
[14.09.2012]
Ein in sich schlüssiger Vortrag von Herrn Achler. Allerdings sollte auch die Rede von Herrn Jäger veröffentlicht werden, die hatte es in sich. Er hat sich als Debitist geoutet.
von rasta-man
Thema verfehlt
[14.09.2012]
Herr Achler! Sie müssen bedenken, dass die CSU erkannt hat, dass nicht die Milch sondern die Energie die Zukunft gehört. Die Frau Merkel soll sich die Überleitungen sparen den der Seehofer will mit Biogas und Erdgas dass Energieproblem des Südens lösen. Ein Milchviehstallbauboom würde nur unnötige Fläche blockieren und der Energiegewinnung entzogen. Kurz gesagt, Milchviehställe sind ineffizient und unrentabel, somit wird diese Sparte nur noch als Alibi erhalten.
von Geißler Johannes
Ich schließe mich......
[14.09.2012]
.....meinen Vorrednern an.... :-)
von simson09
[14.09.2012]
Schwätzen kann er ja sein Gehalt ist sicher . Wenns dann nicht so läuft beruft er sich wahrscheinlich auf das Unternehmerrisiko !,
von Agrarwelt
Gib Ihne Zuschuß, und sie bauen Ställe !!!! ???
[14.09.2012]
Wenns, dann mit den Milcherlösen nicht besser wird, ist es dann auch nich das Problem vom superschlauen Achler. Wir Bauern haben es sowas von satt, von diesen Sprücheklopfern getrieben zu werden. Der soll mal sich Gedanken machen, wie man Milchpreise nachhaltig steigern kann. Dann bauen die Bauern plötzlich wieder, auch ohne Zuschußknete vom Staat, und auch ohne solche schöngerechneten Thesen eines Redakteurs. Letzendlich wurde mit diésen Förderprogrammen auch der Milchpreis durch Mehrproduktion niedrig gehalten.Super Inflationsbremse finanziert vom Staat! Achler denk mal nach über diesen Mist, und kämpf mal an der anderen Front !
von Hardthof
Sehr geehrter Herr Achler,
[14.09.2012]
nicht die Höhe der Investitionsförderung, sondern die langfristigen Aussichten, ob Milchproduktion nachhaltig ein tragfähiges Einkommen für unsere Betriebe einbringen kann sind ausschlaggebend für betriebliche Entscheidungen. Die Diskussion um staatliche Zuschüsse für Neubauten lenkt von den wichtigen Entscheidungskriterien ab.
von Kirsten Wosnitza
Ein staatliches Verbot des Anbindestalles
[14.09.2012]
würde die CSU in Bayern „politisch nicht überleben“ Was ist das für ein Land, wo das Überleben einer Partei höher angesiedelt ist, als der Tierschutz???
von Slowfoot
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