Bald Importe von Fleisch mit Leistungsförderern in die EU zulässig?

[10.07.2012]


Ractopamin Schweinefleisch EU Leistungsförderer Wachstumshormon UN Codex-Alimentarius Wird bald Fleisch von Schweinen, die mit dem Leistungsförderer Ractopamin gefüttert wurden, in die EU eingeführt? Die Codex-Alimentarius-Kommission der Vereinten Nationen hat erstmals Rückstandshöchstgehalte für den Leistungsförderer Ractopamin in Fleisch festgesetzt. Als unbedenklich werden danach Messwerte angesehen, die 10 Mikrogramm je kg Rind- oder Schweinefleisch, 40 Mikrogramm je kg Leber und 90 kg je Kilogramm Nieren nicht übersteigen. Das Wachstumshormon ist jedoch umstritten: Während die EU ihn verboten hat, wird er in manchen Drittstaaten, insbesondere in den USA und Brasilien, in der Mast eingesetzt. In Studien wurde der Beta-Agonist in Zusammenhang mit auffälligem Verhalten von Schweinen gebracht, darunter Nervosität, Zittern und Tod.
 
Bei der Kommissions-Sitzung in Rom kam es vergangene Woche zu einem ungewöhnlich engen Votum: Bei sieben Enthaltungen stimmten 69 Länder dafür und 67 dagegen. Der knappe Ausgang zeigt, wie gespalten die UN-Mitgliedstaaten in dieser Frage sind. Die Europäische Kommission ließ am Freitag umgehend verlauten, dass sie einen internationalen Standard für Ractopamin für nicht gerechtfertigt hält. Es gebe weiter ausstehende Sicherheitsbedenken. Die Kommission verwies in einer Pressemitteilung auf ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Aufgrund von Datenlücken könne eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen nicht ausgeschlossen werden. Das aktuelle EU-Verbot für Ractopamin bleibe in Kraft.
 
Die Brüsseler Behörde verwies auf die Unterstützung zahlreicher anderer UN-Staaten, darunter China, Russland, Indien und die Türkei und bedauerte die Kampfabstimmung. Als internationale Organisation zur weltweiten Harmonisierung von Nahrungsmittelstandards sollte der Codex den Konsens suchen. Damit Normen allgemein angewendet würden, müssten sie auch allgemein anerkannt sein. Die EU verbietet die Einfuhr von Rind- und Schweinefleisch, das unter Verabreichung von Ractopamin erzeugt wurde. Unter anderem Brasilien blieb deshalb der Zugang zum EU-Schweinefleischmarkt bislang verwehrt. Die Schaffung des Codex-Standards könnte die Gemeinschaft für diese Haltung angreifbar vor der Welthandelsorganisation (WTO) machen. (AgE)

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