[02.02.2010]
Unter dem Strich rechnen sich Sauen in der Mast nach den zuletzt am Markt angewandten Spielregeln besser als Eber. Das hat ein Versuch auf dem Nettehof, dem Versuchsbetrieb der Fachhochschule Osnabrück, in Kooperation mit dem Zuchtunternehmen Topigs ergeben, der mit 144 Ferkeln, darunter 96 unkastrierte männliche und 48 weibliche Tiere, durchgeführt wurde.
Bei den biologischen Leistungen war laut dem Versuchsergebnis zu erkennen, dass die männlichen unkastrierten Tiere Vorteile aufweisen. Dies lag zum einen an besseren Zunahmen, wodurch sich die Mastdauer verkürzte. Zum anderen war die Futterverwertung im Vergleich zu den weiblichen Tieren besser. Die Eber lagen im Schnitt bei 1:2,44 und damit um 0,23 besser als die weiblichen Tiere mit 1:2,67. Bei den Schlachtleistungen wiesen die Eber gegenüber den Sauen bei den Indexpunkten pro Kilogramm Schlachtgewicht allerdings keinen Unterschied auf.
Große Differenzen ergaben sich aber bei der Ausschlachtung. Hier schnitten die Eber um rund 3 % schlechter ab als die weiblichen Tiere. Für die Nachteile bei der Ebermast ist letztendlich der in dem Versuch zugrundegelegte Auszahlungspreis am Schlachthof maßgeblich, denn die Eber erhielten laut dem angewandten Modell einen konstanten Auszahlungspreis von 4 Cent unterhalb des Basispreises, während die weiblichen Tiere nach der üblichen Maske des Schlachthofs abgerechnet wurden.
Versuchsablauf
Bei dem Versuch wurden die Tiere laut Topigs-Angaben geschlechtergetrennt in Zwölfergruppen aufgestellt, wobei die Ebergruppen weibliche Buchtennachbarn hatten. Alle Tiere seien in zwei Phasen ad libitum mit Alleinfuttermitteln gefüttert worden. Eine Sendeohrmarke für jedes Tier in Verbindung mit einer Breinuckelfütterung habe ermöglicht, die tierindividuelle Futternahme zu erfassen. Im Rahmen der Versuchsreihe seien die Tiere alle 14 Tage einzeln gewogen worden. Die Gewichtsentwicklung unterscheide sich zwischen den Sauen und Ebern signifikant voneinander, unterstrich Topigs. Durchgeführt wurde der Versuch bereits im Sommer vergangenen Jahres.
Von Interesse ist die Ebermast aufgrund der Vorgaben aus den Niederlanden, wo die betäubungslose Ferkelkastration mittlerweile nicht mehr angewendet wird. Daher wird die Ebermast als Alternative zur Kastration diskutiert und beispielsweise bei Tönnies auch schon in größerem Stil durchgeführt, und zwar mit einem Abrechnungsmodell, das dem in Osnabrück zugrunde gelegten ähnelt.
Leserkommentare
Keine Kommentare vorhanden
Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!