Experten sind sich sicher: Elektroantrieb bei Schleppern kommt

Derzeit auf der Agritechnica ausgestellt, der Rigitrac mit vier Elektromotoren an den Rädern. Elektrische Antriebe verlassen in der mobilen Landtechnik zunehmend den Status der Forschung. Ihre Anwendung in der Praxis nimmt langsam, aber sicher zu, waren sich die Teilnehmer einer Expertenrunde des Vereins Deutscher Ingenieure am Montag auf der Agritechnica einig.
 
„Der Einsatz elektrischer Antriebe ist sinnvoll, wenn durch ihn, unter Beachtung ökonomischer Randbedingungen, eine bessere Energieeffizienz oder Prozessexzellenz entsteht“, sagt Prof. Stefan Böttinger, Vorsitzender des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik. Die Möglichkeit, elektrische Antriebe in Landmaschinen einzusetzen, breche zudem bestehende Denkmuster auf, sodass die Strukturen bisheriger Antriebe und Maschinenkonzepte hinterfragt und Alternativen entworfen werden.
 
„Große Leistungsverbraucher an Landmaschinen und Geräten werden heute sowohl mechanisch als auch hydraulisch angetrieben. Aufgrund der Vielzahl von Antrieben sind zahlreiche Übertragungselemente notwendig, die zu komplexen Antriebssträngen führen“, erläutert Thomas Herlitzius, Professor für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden. Eine Alternative dazu seien elektrische Antriebe. „Die aktuellen Entwicklungen auf den Gebieten der Elektrotechnik und der Elektronik ermöglichen nicht nur die Anwendung elektrischer Antriebe, sondern auch deren Integration in die Arbeitselemente, womit bestehende Nachteile konventioneller Antriebstechnik überwunden werden könnten“, so Herlitzius. Dennoch gäben mechanische und hydraulische Antriebe aufgrund ihrer eigenen Vorteile noch immer das Maß an, an dem sich auch elektrische Antriebe messen lassen müssten.
 
Dass elektrische Antriebe im Bereich mobiler Arbeitsmaschinen an Bedeutung zunehmen werden, ist für Peter-Michael Synek, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes Fluidtechnik im VDMA, unstrittig. „Elektrische Antriebe stoßen aufgrund ihrer sehr guten Steuer- und Regelbarkeit, der hohen Wirkungsgrade sowie der fluidfreien Leistungsübertragung als neue Antriebstechnologie vermehrt auf das Interesse der Landmaschinenhersteller“, meint Synek. Er räumt allerdings auch ein, dass sich die Hydraulik aufgrund vieler Vorteile in der Landtechnik bewährt habe. Daher werde es kurzfristig wohl „keinen technologischen Paradigmenwechsel in der Antriebstechnik geben. Jedoch wird die Bedeutung der Hybridtechnologie deutlich zunehmen, da sie die Stärken der einzelnen Technikdisziplinen verbindet und somit einen erheblichen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung leistet“, so Synek weiter.
 
Um langfristig alternative Antriebskonzepte zu entwickeln,  bedarf es laut der Expertenrunde vor allem der interdisziplinären Zusammenarbeit sowie angepasster und abgestimmter Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die beteiligten Ingenieure. (ad)

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