Auch Ökobauern trifft die Verschärfung der Düngeverordnung

Die geplante Verschärfung der Düngeverordnung bringt für die Ökobetriebe neue Vorschriften für die Festmist und Kompostausbringung. Diese fühlen sich aber zu Unrecht schärfer reguliert. Der Bio-Dachverband BÖLW fordert ein Verursacherprinzip im Düngerecht.

Die neuen Düngeregeln machen auch den Ökobetrieben das Leben schwerer. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stellt für die Ökobetriebe vor allem heraus, dass Kompost und Festmist ungerechtfertigt benachteiligt würden. Während der Stickstoff aus Gülle leicht löslich ist und in das Grundwasser ausgewaschen werden kann, sorgten Kompost und Festmist dagegen für Humus im Boden und geben Nährstoffe langsam ab, heißt es beim BÖLW weiter. Die scharfe Regulierung von Kompost und Mist bezeichnet der Verband als „fatal“, da bestraft werde, wer durch den Aufbau von Humus die Bodenfruchtbarkeit erhöhe – und damit neben dem Gewässer- auch zum Klimaschutz beitrage. Die Festlegung von Nährstoffen im Humus können Betriebe in der Nährstoffbilanz nicht berücksichtigen, während Tierhaltungsbetriebe mit großem Gülleaufkommen die Stickstoffeinträge dank großzügiger Abschläge schönrechnen dürften, so der BÖLW weiter.

„Grundlage des Düngerechts muss jetzt endlich das Verursacher-Prinzip werden“, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft am Montag. Es laufe etwas falsch, wenn die Politik ausgerechnet die Bauern mit zusätzlichen Auflagen überziehe, die das Wasser schützten. Das gelte besonders für Öko-Betriebe, so zu Löwenstein weiter. Aber auch viele konventionell extensiv wirtschaftende Kollegen, die ihre Böden gewässerschonend düngen, würden unsinnig belastet, fügte zu Löwenstein weiter an.

Im Düngerecht müsse die Bundesregierung laut BÖLW sicherstellen, dass

  1. auf der Fläche nur so viele Tiere gehalten werden, wie Böden und Gewässer verkraften. Ohne diesen Schritt könnten die Nitratüberschüsse in den Gewässern nicht ausreichend reduziert werden.
  2. leicht lösliche synthetische Stickstoffdünger, müssten im Düngerecht mitgeregelt werden. Aus Sicht des Gewässerschutzes dürften sie nur so ausgebracht werden, dass die Auswaschung von Nährstoffüberschüssen in Gewässer vermieden wird.
  3. Betriebe, die Gewässer schützen, dürften nicht in einem Aufwasch mit den Problembetrieben mit Produktions- und Dokumentationsvorschriften überzogen werden.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas,Regina Gschwendtner

Hungermonate

Gibt es eine Folgenabschätzung, wieviele Vögel in Deutschland verhungern werden, wenn die Sperrfrist für Festmist verlängert wird?

von Klaus Jensen

Ironie des Schiksals

von Bernd Müller

Man kann grundsätzlich...

... über die Sinnhaftigkeit der Verschärfung der DüVo diskutieren und den damit verbundenen reduzierten Humusaufbau. Der betrifft aber die konventionellen als auch die Bio-Landwirte. Die Ursache liegt aber garantiert nicht in der Dichte der Tierhaltung je Hektar sondern in der unsachgemäßen Ausbringung! Warum soll ein Landwirt mit wenig Fläche nicht sein Einkommen mit der Tierhaltung erzielen und den wertvollen Dünger an Ackerbaubetriebe abgeben? Warum soll ein Biolandwirt nicht genau so bilanzieren wie ein konventioneller? Ist der N und P-Überschuss sauberer als der konventionelle? Die synthetischen Dünger werden im übrigen genau so erfasst und behandelt wie die organischen...

von Jörg Meyer

Fazinierend

wie aus einem vor Jahren unter das Abfallrecht fallendes Produkt wie Kompost plötzlich durch entsprechende Zertifizierung sogar Biodünger werden kann! Schon alleine aufgrund der Mikroplastikproblematik müßte jeder Biobetriebe auf Kompost verzichten. Ich bin mir nicht sicher ob man wirklich bis zu 500 kg N in Kompostform alle drei Jahre sinnvoll ackerbaulich nutzen kann ohne Nitratauswaschung. Es soll sogar Biobauern geben, die haben im Herbst Ihr Kleegras untergepflügt und vorher noch ordentlich Mist auf das Kleegras gefahren. Bio schütz genauso wie konventionell nicht grundsätzlich vor Unvollkommenheit!

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