Demeter verpflichtet sich dem Zweinutzungshuhn

Demeter setzt auf die Züchtung eines Öko-Zweinutzungshuhns als Alternative zum Kükentöten. Die Anwendung der neuen Techniken für die Geschlechtsbestimmung im Ei bei der Legehennenaufzucht schießt der Ökoverband aus.

Mit den Zweinutzungsrassen sollen Hahn und Hennen wirtschaftlich eigenständig genutzt werden können. (Bildquelle: Demeter/ ÖTZ)

„Die Geschlechtsbestimmung im Ei kann nicht die Lösung für das Beenden des Kükentötens sein“, sagte Demeter-Vorstand Alexander Gerber vergangene Woche auf der Eurotier in Hannover. Aus seiner Sicht würden die männlichen Küken so nur früher getötet und entsorgt. Der Demeterverband verfolge daher eine „ganzheitliche“ Lösung, bei der auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Bereits auf der letzten Delegiertenversammlung im April hatte der Demeter-Verband entschieden, dass er die In-Ovo-Geschlechtsbestimmung ausschließt und stattdessen auf die Zucht eines, auf Öko-Bedingungen angepasstes Zweinutzungshuhn setzt.

Anfang November hatten das Technologieunternehmen Seleggt und die Rewe-Group ein Stichverfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei als marktreif vorgestellt. In Berliner Supermärkten gibt es bereits die ersten Konsumeier, die mit dem Verfahren sortiert wurden, zu kaufen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Marktreife des Verfahrens als „Durchbruch“ für den Ausstieg aus dem Kükentöten bezeichnet. Festlegen, ob ein Verbot des Kükentötens in Deutschland, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben schon im Herbst 2019 greifen soll, wollte Klöckner sich aber noch nicht.

Für den Demeterverband unterstreicht die Konzentration auf die Zucht des Zweinutzungshuhns den Anspruch auf einen Systemwechsel in der Landwirtschaft. „Während die Geschlechtsbestimmung im Ei die Symptome einer Marktentwicklung ausmerzen möchte, die von der Gesellschaft nicht mehr toleriert werden, wie nun das Kükentöten, stellt die Ökotierzucht die Systemfrage“, sagte Gerber.

Seit 2015 betreibt Demeter zusammen mit Bioland die gemeinnützige Ökologische Tierzucht (ÖTZ). Deren Schwerpunkt liegt zunächst darauf, eigene Zuchtstrukturen für das Zweinutzungshuhn aufzubauen. Dieses ist an Haltungs- und Fütterungsbedingungen der ökologischen Landwirtschaft besser angepasst als die hochleistenden Hennen in der konventionellen Geflügelhaltung. Im besten Fall sollen mit einem Tiertyp beide Produktionsrichtungen (Eier und Fleisch = Zweinutzung) erreicht und so das Kükentöten beendet werden, lautet das Ziel von Demeter und Bioland.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Anpassungsdruck

Selbst Demeter muss sich den klima- und resourcenschädlichen Konsumverhalten (zu viele Eier, zu viel Hähnchenfleisch) ihrer Käufer beugen!

von Bernd Müller

Es müsste heißen:

„ Demeter verstärkt den Klimawandel durch Wiedereinführung des Zweinutzungshuhn!“

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