Jan Plagge: „Wir erreichen mit Lidl ganz andere Käuferschichten!“

Bioland und Lidl sprachen gestern in Berlin über ihre gemeinsame Zusammenarbeit. Lidl will mit Fairplay-Regeln und einer Schlichtungsstelle, die bei Konflikten unparteiisch vermittelt, maximalen Schutz der Landwirte als Lieferanten gewähren.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, den heimischen ökologischen Landbau zu fördern und voranzubringen.“ Das sagte Bioland-Präsident Jan Plagge gestern auf einer Presseveranstaltung mit Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland, bei der Bioland und Lidl ihre neue Handelspartnerschaft vorstellten. „Maßgeblich für unsere Entscheidung war die Fragestellung, was wir insgesamt erreichen wollen. Nämlich einen umfassenden ökologischen Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft“, so Plagge. „Um die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu unterstützen, setzen wir auf eine verantwortungsvolle Sortimentsentwicklung“, erläutert Bock. Lidl freue sich, mit der Kooperation einen Partner an der Seite zu haben, der auf 50 Jahre Erfahrung im Bereich der ökologischen Landwirtschaft zurückgreifen könne und es den Lidl-Kunden ermögliche, hochwertiges Bio von heimischen Bauern anzubieten.

Große Potenziale für zusätzlichen Absatz

„Mit Lidl erreichen wir ganz andere Käuferschichten“, ist Plagge sicher. Das überzeuge auch die meisten Bioland-Landwirte. „Große Handelsketten wie Lidl haben viele Kunden, die bislang wahrscheinlich noch nie mit unseren hochwertigen, heimischen Produkten in Berührung gekommen sind“, ist Konrad Stöger, Bioland-Landwirt aus dem Allgäu überzeugt. Dies betreffe vor allem jüngere Altersgruppen. Die Partnerschaft mit Lidl sei eine Chance, Verbraucher wachzurütteln und großen Akteuren in der Lebensmittelbranche faire Handlungswege aufzuzeigen.

Fairplay-Regeln vereinbart

Für die Zusammenarbeit haben Bioland und Lidl eigene Fairplay-Regeln entwickelt und eine Ombudsstelle eingerichtet. „Lidl verpflichtet sich im Kooperationsvertrag zu fairen Verhandlungen mit seinen Lieferanten in der gesamten Lieferkette bis zum Bauern und zur Auszahlung auskömmlicher Erzeuger- und Herstellerpreise“, so Plagge. Damit sei eine nachhaltige Betriebsentwicklung aller Akteure einer Wertschöpfungskette möglich. Wenn diese und die zusätzlich vertraglich vereinbarten Fairplay-Regeln nicht eingehalten würden, könnten sich benachteiligte Bioland-Lieferanten an unsere Ombudsstelle richten. „Stellt die Ombudsstelle eine Verletzung der Fairplay-Regeln fest, kann Bioland Sanktionen gegenüber Lidl aussprechen. So wird ein maximaler Schutz der Lieferanten erreicht sowie eine Gleichbehandlung aller Beteiligten sichergestellt“, erläutert der Bioland-Präsident die Regeln. „Die Einrichtung eines solchen Verfahrens seitens eines Erzeugerverbandes ist einzigartig, und dass Lidl sich darauf eingelassen hat, unterstreicht deren Ernsthaftigkeit.“

Das Konzept wird von den Bioland-Mitgliedern mitgetragen. Der Verband hat die Fairplay-Regeln auf der Delegiertenversammlung Ende November 2018 verabschiedet und die Ombudsstelle offiziell eingerichtet. Als Ombudsleute fungieren der Kartellrechtsexperte Christoph Peter und der Trierer Rechtsprofessor Frank Immenga. Die verabredeten Spielregeln überzeugen auch Bioland-Landwirt Stöger. Er fühle sich mit der Kooperation „wohl“.

Lesen Sie auch den Beitrag „Bioland im Lidl: Passt das?

Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Chefredakteur top agrar

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Diskussionen zum Artikel

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von Ernst Storm

LEH und BIO

es geht nicht um Umweltschutz sondern nur um mehr Umsatz und mehr Gewinn!! ernst Storm

von Bernhard Randler

Da lachen ja die Hühner

Zitat:"Stellt die Ombudsstelle eine Verletzung der Fairplay-Regeln fest, kann Bioland Sanktionen gegenüber Lidl aussprechen." Mal sehen wie oft sich jemand wie Lidl sanktionieren lässt. Da Lidl in den vergangenen Jahren von den Discountern am negativsten aufgefallen ist was den Umgang mit Lieferanten und Mitarbeitern betrifft haben sie sich ein Facelifting gegönnt. Zunächst mit dem braven Clemens Dirscherl, der auftritt wie der demütige Papst persönlich, als Ethikbeauftragten und nun Bioland. Die Oberen von Bioland müssen es aber selber wissen mit wem sie da ins Bett steigen. Das Gebaren der Lidl Manager ist bekannt.

von Steffen Hinrichs

Ist das Fair ?!

Im Moment bekommen die Bauern 47 Cent für die Biolandmilch und der Handel nimmt 99 Cent . Wer verdient da wohl ?

von Rudolf Rößle

Lidl

hat sich mit Bioland ein Zugpferd angelacht, da deren Namen in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert geniest. Jetzt ist es interessant zu verfolgen, wie mit EU- Bioprodukten in der Vermarktungsschiene verfahren wird und zu welchen Preisen.

von Dr. Willi Kremer-Schillings

Kommen die Bio-Möhren auch aus Israel?

Da sind sie aktuell billiger. Billige Arbeitskräfte aus Gaza... Marge schlägt Moral.

von Andreas Demann

Alles Bio oder was

Auf der Strecke bleiben zuerst die echten Bio Supermärkte und danach die Biobauern in Deutschland

von Karlheinz Gruber

LEH und Fair Play

ist wie der Teufel und das Weihwasser. Der Teufel wird eher noch ein Christ als wie der LEH mit fairer Bezahlung. Es hält keiner Lidl und Co. auf, endlich auch kostendeckende Preise für unsere konv. Produkte einzuführen. Daß würde doch mit Sicherheit auch gut beim Verbraucher ankommen (solange dieser an der Kasse noch nicht bezahlen hat müssen).

von Christian Bothe

Bioland bei LIDL...

Mal sehen wie lange LIDL da mitspielt.Ich habe so meine Zweifel,insbesondere wenn Menge gebraucht wird...

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