Ökoverbände und BMEL-Spitze bleiben sich fremd

Die Ökolandwirte drängen wiederholt auf mehr Unterstützung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). Sie wollen wissen, wie es das Ökolandbauziel von 20 Prozent erreichen will. Das BMEL sagt als Reaktion zu, die Förderung des Ökolandbaus bei der EU-Agrarreform zu berücksichtigen.

Die Ökobranche verzeichnet weiterhin ein hohes Umstellungsinteresse von Landwirten. „Die Nachfrage nach entsprechenden Beratungen ist enorm. Über kurz oder lang stellt sich aber die Frage, ob die Länder in ihren Etats genug Geld haben, um die Umstellungen finanziell zu begleiten“, sagte der Vorsitzenden des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, im Interview mit dem Tagesspiegel. In mehreren Bundesländern würden sich die Kassen wegen der großen Umstellungs-Nachfrage leeren. „Wenn die Bundesregierung das Ziel, 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 zu erreichen, ernst meint, dann muss sie sukzessive stärker in diesen Bereich investieren“, forderte zu Löwenstein.

Bereits mehrfach hat der BÖLW angemahnt, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner aus seiner Sicht sich zu wenig für den Ökolandbau engagiere. „Es genügt nicht, was die Politik bisher tut“, sagte zu Löwenstein nun auch dem Tagesspiegel. Außerdem moniert zu Löwenstein, dass sich das Landwirtschaftsministerium noch immer nicht klar zu den Reformvorschlägen aus Brüssel zur Agrarförderung geäußert habe. „Langsam werden wir ungeduldig“, so zu Löwenstein.

Der BÖLW hält es weiterhin für Landwirte für wirtschaftlich interessant, auf ökologischen Landbau umzustellen. 2017 kauften die Kunden erstmals für mehr als 10 Mrd. € Bio-Lebensmittel und der Umsatz legte um sechs Prozent zu. Zur Bioleitmesse Biofach im Februar 2019 in Nürnberg will der BÖLW die Umsatzzahlen für das Jahr 2018 vorlegen. „Ich rechne mit einer ähnlichen Entwicklung wie 2017“, sagte zu Löwenstein.

BMEL sieht sich im Plan

Der BMEL-Staatssekretär Michael Stübgen dementiert zu Löwensteins Ansicht, dass das BMEL zu wenig für den Ökolandbau mache. Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen aus der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) sei in vollem Gange, sagte Stübgen in Berlin. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft sei vom BMEL 2018 um ein Drittel auf 30 Millionen Euro jährlich aufgestockt worden, wiederholte Stübgen die bereits mehrfach vom BMEL vorgetragene Position.

Bei der Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) würden die Belange des ökologischen Landbaus gleichermaßen mit berücksichtigt, versicherte der Staatssekretär. „Ich halte es grundsätzlich für erforderlich, Umwelt- und Klimaleistungen künftig noch stärker auch in der 1. Säule zu adressieren“, sagte er. Im Austausch mit Verbänden und Ländern werde das BMEL prüfen, mit welcher der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen – vor allem den „Eco-schemes“ und die Agrarumweltmaßnahmen – die angestrebte Entwicklung des Ökolandbaus am besten gefördert werden könne. Neben dem Bund seien aber auch die Länder gefordert. Diese setzen mit der Entscheidung über die Verwendung der Mittel der 2. Säule die Schwerpunkte der Förderpolitik, so Stübgen weiter.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Warum...

soll die Politik es richten? Immer wenn man nicht weiter weiss, schreit man nach der Politik. Dabei wollen es dich die Ökoverbände besser machen als die konventionellen Betriebe. Aber offensichtlich hängen auch Biobetriebe viel zu stark an der Staatsknete. Schade, aber auch logisch: der Konsument steht nicht so stark hinter Bio, wie er eben in Umfragen behauptet.

von Wilhelm Grimm

Jetzt wird Herr Gadet persöhnlich.

Das mache ich nicht !

von Waltraud Gadet

über den Ökolandbau

Ich würde gerne mal den modern arbeitenden Hof von Herrn Grimm besichtigen um mich darüber zu informieren wo seine Subventionen investiert werden. Nicht der ökologisch arbeitende Betrieb zerstört die Umwelt sondern die moderne Landwirtschaft. 40 % der Treibhausgase entstehen durch die moderne Landwirtschaft. Wo ist noch Biodiversität, wo sind die Vögel und Insekten zu finden? Alles totgespritzt. Natürlich verhindert die Bauern-Lobby die Ausbreitung des Ökolandbaus. Siehe ARD, Montag 14.01.19 23.30h "Die Macht der Bauernlobby". Ich kenne Herrn Felix Prinz zu Löwenstein persönlich, an ihm können sich so Landwirte wie Sie eine dicke Scheibe abschneiden. Ich empfehle Ihnen meine Homepage "Wind u. Landwirtschaft Vielbrunn Info" besonders das Photoalbum, so arbeiten moderne Landwirte heute. Sie haben nichts gelernt vom Sommer 2018. Nur weiter so, Sie wollen auch noch Millionen vom Steuerzahler für die Ernteausfälle, für den Klimawandel und dessen Folgen sind die modernen Landwirte mitverantwortlich. Wer bekommt für seine eigenen Fehler Geld vom Steuerzahler?

von Gerhard Steffek

Die Ökos wollen wissen wie das BMEL die 20 % erreichen soll?

Herr Felix Prinz zu Löwenstein das kann ich ihnen schon sagen: Nie, Nie, Nie und nochmals Nie! Und das aus mehreren Gründen. Zum einen weil sich bei Geld die Freundschaft aufhört und zum anderen weil es ökologischer Blödsinn ist. Selbst wenn unsere Medien Öko noch so hypen, es ist und bleibt eine Randnotiz für eine möchtegern elitäre Bevölkerungsschicht die vor lauter dumm, arrogant und wohlhabend glauben mit Bio besser zu leben und sich als Gutmensch gegenüber dem "Pöbel" abheben zu können. Hier kann man dann aber nur sagen: Dummheit straft sich selber. Außerdem macht sich die Ökoszene im Großen und Ganzen doch nur etwas vor. Wieviele Leute kaufen denn wirklich nur Bio ein? Warum kommt der Biomarkt nicht in Gang? Weil sich eben bei Geld die Freundschaft aufhört. Das BMEL wird sich deshalb davor hüten, mehr Geld in die Ökolandwirtschaft zu stecken als unbedingt notwendig, denn zu schnell kommt wieder der Vorwurf der unberechtigten Subventionen. Schon heute bekommt doch der Bio bei den Förderungen ohne weiteres auf das dreifache eines "Konvi". Ökologisch gesehen - warum sollte man eine Landwirtschaft unterstützen die durch geringere Erträge eine schlechtere CO2-Bilanz aufweist, gleichzeitig nährstoffmäßig Raubbau am Boden betreibt und die Versorgungssicherheit Deutschlands gefährdet? Aus Sicht eines verantwortungsvoll, vorurteillos, und wissenschaftlich rational denkenden Politikers ist die Ökolandwirtschaft wirtschaftlich und ökologisch Unsinn. Das das ihnen nicht unbedingt so unverblümt aufs Brot geschmiert wird, liegt derzeit nur an dem hirnlosen Hype um Bio, aber wer ehrlich ist, der kommt nicht drumherum.

von Wilhelm Grimm

Seriös ist das marktschreierische Getöse der Ökoverbände nicht, aber abstossend

für jeden modern arbeitenden Landwirt, den die Ökoverbände als zweitklassig und geringer wertig bewertet sehen möchten. Wenn diese Leute sich als die einzig guten Landwirte darstellen möchten, sollten sie schleunigst die Karten offen legen über die ihnen bereits heute gewährten Transferleistungen. Ich kann dieses weinerliche Geplärre nicht mehr hören.

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