Protest

Aus für Zuckerfabrik Warburg: Bauern wollen mit Treckerkorso zur Winterversammlung

Die angekündigte Schließung der Zuckerfabrik Warbung, die neben dem Standort Rain die einzige ist, die Biorüben verarbeitet, ist für die Bauern ein Schock. Zur heute stattfindenden Winterversammlung der Südzucker AG in der Hohenwepeler Gemeindehalle wollen sie mit einem Treckerkorso anrücken und Druck ausüben.

Für die Bauern in Ostwestfalen und Nordhessen ist die Nachricht der Schließung der Warburger Zuckerfabrik eine dramatische Nachricht. Mitglieder der BI Bördeland und des Bundesverbandes der Regionalbewegung melden sich nun vor allem mit der Frage, ob das noch abwendbar sei.

Einen endgültigen Beschluss will der Aufsichtsrat der Südzucker AG am 25. Februar treffen. Zur heute stattfindenden Winterversammlung der Südzucker AG in der Hohenwepeler Gemeindehalle wollen die Rübenanbauer daher mit einem Treckerkorso auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Idee stammt von Landrat Spieker und findet Unterstützung von BI-Vorstand Josef Jacobi. Auf der Versammlung wird Südzucker-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg erwartet, der die geplanten „Umstrukturierungen“ des Unternehmens mit zu verantworten hat.

In Warburg wurde neben der Verarbeitung konventionell angebauter Rüben als Nische auch die Verarbeitung von Biorüben etabliert - lange Jahre ein Alleinstellungsmerkmal der Warburger Fabrik. Die Nachfrage nach Biozucker boomt, das drückt sich auch in den jüngsten Vertragsabschlüssen aus, die Bioanbauverbände mit Großunternehmen im Lebensmitteleinzelhandel abgeschlossen haben, sagt Sven Mindermann, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes der Regionalbewegung aus Borgentreich.

Mittlerweile verarbeite die Südzucker AG Biorüben ebenfalls im bayrischen Rain in der Nähe von Augsburg. Die Entfernung zwischen den beiden Zuckerfabriken in Warburg und Rain beträgt ca. 430 km. Für die BI und den Bundesverband der Regionalbewegung ist die geplante Schließung des Werks in Warburg, auch ohne tiefere Kenntnis der unternehmerischen Gedankenspiele der Südzucker AG, eine Entscheidung gegen den Trend. Beide Vereine treten für eine regionale Kreislaufwirtschaft ein, die sich bislang gut am Beispiel der Rübe wiederspiegelt.

Neben ihrer großen Bedeutung als Blattfrucht in der Fruchtfolge, kämen auch die Nebenprodukte zu einer sinnvollen Verwertung: als wertvolles Tierfutter in Form von Trockenschnitzeln sowie als Carbokalk zur Bodendüngung.

BI-Vorstand Josef Jacobi, der die Bioschiene einst mit dem damaligen Chef der Warburger Zuckerfabrik, Christian Voß, initiierte, befürchtet nun, dass Landwirte, die mit der Umstellung auf Biolandwirtschaft liebäugeln, stark ins Grübeln kommen, ob sie dafür zukünftig auf den Rübenanbau verzichten wollen.

Die Bauern fordern, dass Südzucker-Vorstand Dr. Kirchberg neben nackten Zahlen auch Eindrücke von der außerordentlich engen Verbindung zwischen der Warburger Fabrik mit der Region von der Versammlung in Hohenwepel mit nach Hause nehmen sollte. Eine verbindliche Aussage zur zeitlichen Erweiterung der Kampagne könnte dabei, falls sie nicht schon vorliegt, ein weiteres positives Signal für Dr. Kirchberg vor der endgültigen Entscheidung des Aufsichtsrates am 25. Februar sein.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

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von Jörg Meyer

Schon Bemerkenswert

dass sich die Personen wie Herr Jacoby, den man auch auf Fotos von der Großdemo "Wir haben es satt" in der ersten Reihe gesehen hat,neben all der NGO- und Grünenprominez, sich auf der einen Seite gegen die Schließung der Zuckerrübenfabrik wendet, die doch im Ergebnis die Folge der von Ihm selbst gewollten "Agrarwende" ist, für die er in Berlin demonstrieren geht seit Jahren! Er handelt als wolle er gewaschen werden aber dabei will er nicht nass werden!

von Wilhelm Grimm

Es stimmt Herr Kunz !

Die Marschrichtung gibt der NABU mit seiner Vorsitzenden Schulze vor. In der von ihnen angesprochenen Walde-Sendung hat Frau Schulze sich vor einer CO2 Antwort dreimal gedrückt und auf die Landwirtschaft verwiesen. Es wurde deutlich, dass die Landwirtschaft in dieser Koalition den Toten zu spielen hat.

von Diedrich Stroman

Es kommen auch wieder bessere Zeiten?

Der Glaube ist ein faules Ei, was uns Bauern immer vorgegaukelt wurde die Hochpreisigen Phasen gibt nur noch kurzfristig dafür die niedrigen Preise in der Zeit immer länger, siehe nur Schlachtschweine, wo das ganze Debakel ersichtlich ist 1,36 Euro über 16 Wochen! Ohne Rücksicht auf Markt und schon garnicht der Bauern! Und bei Milch und Getreide läuft es nicht anders, und jetzt ist als letzte Bastion der Zuckermarkt dran, und die Bauern stehen mit offenem Mund und Augen da und glauben noch es sei alles Gott gegeben!!Und die Komission hat es geschafft das die in den letzten Jahren spezialisierten Unternehmen sehr anfällig sind gegenüber dieser erpresserischen Marktmacht der Konzerne sind und diese Politik mit ihren Räubern es im Endeffekt auf unsere über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen aus ist uns das Licht aus zu knipsen! Die soziale Marktwirtschaft ist doch seit der Wende komplett abgeschafft worden!!Es ist schade das die Bürokraten das sagen haben und die Bauern wie Knechte hinter ihnen herlaufen, wo ist der Stolz der gut ausgebildeten Landwirte eigentlich geblieben???

von Gerd Uken

Willkommen im Freien Markt

Vor zwei Jahren saß ein Präsident Rukwied bei Frau Connemann auf dem“ schwarzen“ Sofa und hat den anwesenden Milchbauern noch erzählt: Es kommen auch wieder bessere Zeiten!“ Daran möge er sich jetzt mal erinnern wenn er so ein Staetement vor der Presse abgibt von wegen ungleicher Standards und Aussebschutz- aber er muss davon ja nicht leben!

von Malte Voerste

Umsicht gefragt

Die Landwirte sind Mehrheitsanteilseigner der Südzucker und deshalb lieferberechtigt.Die Fracht trägt zu 75% Südzucker. Bei 60 km Mehrentfernung bis Wabern entstehen grob geschätzt 300€ Mehrkosten pro ha. Mal sehen wem eher die Puste ausgeht. Die Experten,die vor 3 Jahren eine rosige Zukunft vorausgesehen haben sehen jetzt schwarz. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Etwas mehr Durchhaltevermögen ist gefragt. Hoffentlich wird die Soester Rübenanbauregion nicht im Interesse des Südens geopfert. Ein fairer Interessensausgleich ist gefragt.

von Erhard Kunz

Folgen, die die Politik zu verantworten hat

Abschaffung der funktionierenden Zuckermarktordnung, Produktion zu Weltmarktpreisen, Verteuerung der Produktion durch überzogene Auflagen, Verbot der Neonics, Zuckerreduktionsstrategie, Volksbegehren für mehr Artenvielfalt, Gekoppelte Zahlungen in anderen EU Ländern sind nur ein paar kleine Aspekte. Lohnt der Rübenanbau nicht mehr, schließen die Werke, das ist die logische Konsequenz. Es scheint als wolle man auf die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland verzichten. Was bei der Milch so schön begann, zieht sich durch alle Bereiche wie Schweine, Getreide, Zuckerrüben usw. Auch die Sonderkulturen bekommen ihr Fett weg. Und die Bevölkerung? geht doch zu netto und kauft was billig ist, zur Not aus dem gerodeten Urwald. Und Frau Klöckner? Sie lächelt und hält ihr Gesicht in jede Kamera. Die Marschrichtung gibt Frau Schulze vor: Bei Berlin direkt von Thomas Walde gefragt ob sie für ein Tempolimit ist um CO2 zu vermeiden, antwortete sie nicht mit ja oder nein, sondern sie verwies auf ein Gesamtkonzept wonach alle Bereiche ihren Beitrag leisten müssten, besonders die Landwirtschaft. Dies betonte sie im Interview mindestens 3 mal. Jetzt wisst ihr alle was auf euch zukommt. Glaubt aber nicht, dass eure Produkte teurer werden, wenn dann alle nur noch bio machen. Dann sind diese Nischen garantiert auch weg.

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