Situationsbericht

Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis

Bei einem Brötchen entfallen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Das berichtet der DBV in seinem aktuellen Situationsbericht.

Selbst landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker wirken sich dagegen die Kosten für Energie und Arbeit aus.

Löhne stark gestiegen, Getreidepreis unverändert

Von 1950 bis 2017 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters auf mehr als das 23-fache erhöht. Da die Brotpreise nur um das 12-fache gestiegen sind, kann sich der Industriearbeiter für seinen Stundenlohn heute (2017) doppelt so viel Brot kaufen wie noch vor 67 Jahren. Der Weizenerzeugerpreis lag 2017 in etwa auf dem Niveau von 1950; bezogen auf das Endprodukt wie ein dunkles Mischbrot erlöst der Landwirt nur knapp 6 Prozent. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann könnten die Erzeuger für einen Doppelzentner (100 kg) heute etwa 89 Euro erlösen.

Der Erlösanteil der Landwirte an den Nahrungsmitteln sinkt (Bildquelle: DBV-Situationsbericht )

Anteil der Verkaufserlöse der Landwirtschaft an den Verbraucherausgaben (Bildquelle: DBV-Situationsbericht )

Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln

Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Geflügel-, Rindfleisch, Käse und Eiern gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Obst und Schweinefleisch, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden.

Lebensmittel werden erschwinglicher (Bildquelle: DBV-Situationsbericht )

Preisvergleich (Bildquelle: DBV-Situationsbericht )

Das kommt beim Bauern an (Bildquelle: DBV-Situationsbericht )

Hopfen und Gerste praktisch ohne Einfluss auf den Bierpreis

  • Hopfen für 1 Cent

Ein Liter Bier enthält etwa 1,5 Gramm Hopfen. Bei einem Preis von rund 700 Euro für einen Doppelzentner (100 kg) erhält der Landwirt für seinen Hopfenanteil kaum mehr als 1 Cent je Liter Bier.

  • Braugerste für 4 Cent

Ein Liter Bier enthält im Schnitt etwa 215 Gramm Gerste. Bei einem Preis von rund 18 Euro für einen Doppelzentner erhält der Landwirt für seinen Gerstenanteil 4 Cent je Liter Bier.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann Kamm

Der DBV weiss wie schlecht die Erzeugerpreise die letzen 50 Jahre gestiegen sind!!!!!!!!!!!!!

Wäre doch mal ein Anstoß wert sich Gedanken zu machen um die Wertschöpfung bei den Erzeugern zu erhöhen!!!!!!!!!!!! Oder werden die Landwirte ins Mittelalter zurück katapultiert?????? Irgendwas läuft doch in Deutschland massiv gegen die Wand wenn man bedenkt das die to Weizen billiger zu kaufen ist als eine to Müll zu entsorgen. Aber so wird es die nächsten 20 Jahre nicht weitergehen, denn unsere Junglandwirte geben zuvor ihre Höfe auf, bevor sie zum Nulltarif Lebensmittel produzieren. Vielleicht ist das von unseren Großkapitalisten gewollt.

von Wilhelm Grimm

Auch dieser Situationsbericht des DBV ist Spitze.

Einen Zusammenhang zwischen Erzeugerpreis und Endverbraucherpreis gibt es nicht mehr. Daher ist die Behauptung, hohe Preise für den Erzeuger würde die Verbraucher zu stark belasten, Unfug.

von Klaus Fiederling

Prosit Neujahr! - Illustre Zahlen - Daten - Fakten

Medial wird für den aufmerksam interessierten Verbraucher ostentativ illustriert, dass auf einem Getreidefeld von einem Hektar Größe 150.000 Brötchen wachsen, demnach generiert man auf eben diesem 1 Hektar 45.000,00 €, legt man einen vorsichtig geschätzten Durchschnittspreis von 0,30 €/Brötchen zugrunde. Gesteht man jedem Bauern davon die in Rede stehende elementare Kenngröße von um die 7% zu, so liegt der Bauer also mit seiner Wertschöpfung mit anteilig satten 3.150,00 € im Rennen. Von einem durchschnittlichen Erzeugerpreis von 20,00 € (Utopia lässt grüssen!) pro Dezitonne Getreide ausgehend, müsste der tüchtige Ackerbauer im Schnitt mithin 157,5 Dezitonnen von seinem Hektar Getreide einholen. - HÜSTEL! Das Neue Jahr lässt fürwahr frühzeitig Golddukaten über alle Bauern regnen, zumindest auf den berufsständischen Flimmerbildschirmen. // Welcher Bauer hat solche Durchschnittswerte sowohl auf der Ertrags- als auch auf Erlösseite realiter jemals eingefahren? Geht man noch immer erheblich arrogant herablassend davon aus, dass wir Bauern nicht in der Lage sind, das Niveau der Grundschulrechenarten überhaupt abrufen zu können? // Ehrlichkeit - Transparenz - Offenheit; das jedenfalls verspricht man gebetsmühlenartig den Bauern fortwährend in so vielen medialen Streicheleinheiten, kommunikativ perfekt geübt. Warum also bemüht man sich immer wieder um solche verherrlichenden Bauernwirklichkeiten mittels extrem verschleierter Daten und Fakten aus dem Reiche Utopias? // Genau unter diesem Background irren wir Bauern derzeit auf dem brandgefährlichen Irrweg der alleinigen Nahrungsmittelproduktion in unserer Sackgasse hilflos umher; die Ursache unseres eigentlichen Desasters schlechthin. Daran vermögen wir kaum etwas zu ändern, solange man uns den kaum passierbaren schmalen Zugang zur Produktion von NON-FOOD-Produkten auf unseren Äckern weiterhin bewusst agrarpolitisch verbarrikadiert. Uns Bauern allenfalls die extrem mageren Krümelchen, der überlebensnotwendige Löwenanteil geht an die uns in Scharen umgebenden Protagonisten. // Noch Fragen, warum unsere EINE STIMME in Reihen seines Bauernklientels immer weniger Vertrauen genießen darf!? - Die deutschen Bauern sterben unter Ihren Händen förmlichst weg!

von Erwin Schmidbauer

Was macht das Brot teuer?

Nicht die Rohstoffe (auch nicht bei Fleisch), sondern der gestiegene Arbeitslohn und die sonstigen Kosten, etwa durch gesteigerte Bürokratie, Vorschriften (auch Hygiene), Kontrollen usw. Aber der Vergleich mit dem Weizenpreis 1950 und 2017 zeigt, wie stark der Kostendruck bei den Landwirten war und ist.

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