Agrarunternehmertage

Hofübergabe: „Loslassen ist nicht einfach“

Das Ziel einer erfolgreichen Hofübergabe sollte eine ökonomisch sinnvolle Lösung sein, die den Zusammenhalt der Familie nicht gefährdet. Wie das funktionieren kann, diskutierten Experten am Dienstag auf den Agrarunternehmertagen in Münster.

Loslassen. Gerade die ältere Generation tut sich damit oft schwer. „Man hat was aufgebaut. Man ist stolz. Man ist noch voll im Saft des Lebens und dann soll man den Betrieb schon abgeben? All das sind Gedanken und Fragen vieler Hofübergeber.“, erläuterte Eckart Schlamann der entra Agrarberatung. Wie eine erfolgreiche Hofübergabe aus verschiedenen Perspektiven angegangen werden sollte, stellten auf den Agrarunternehmertagen Matthias Eckart Schlamann (entra Agrarberatung), Christian Schulz (Finanzplaner der VR Bank) und Matthias Finkenbrink (Landwirt) vor. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Sonja Schürmann der DZ Bank.

.Christian Schulz, Sonja Schürmann, Eckart Schlamann und Matthias Finkenbrink. (Bildquelle: Lenfers)

Hofübergabeprozess startet im Kindesalter

Die Hofübergabe kommt nicht von heute auf morgen. Die Nachfolge sei ein fortlaufender Prozess. Dieser Prozess starte schon im Kindesalter. Je mehr in den Familien am Mittagstisch über die schlechte Situation in der Landwirtschaft gejammert wird, desto geringer wird auch die Bereitschaft der jungen Generation sein, den Hof zu übernehmen, ist sich Schlamann sicher. Landwirt Finkenbrink hat die Hofübergabe auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb bereits gut gemeistert. Er regte an, das emotionale Thema schon frühzeitig anzusprechen und mit allen beteiligten Familienmitgliedern gemeinsam zu diskutieren. In seiner Familie wurde die Thematik bereits viele Jahre vor der eigentlichen Hofübergabe aufgegriffen und Grundsätze festgelegt.

Richtigen Zeitpunkt finden

„Übertragen Sie schon früh Teilbereiche des Betriebes in die Verantwortung ihres Kindes“, gab Schlamann dem Publikum mit auf den Weg. Je früher Menschen Verantwortung erhalten, desto eher nutzen sie auch diese und wachsen mit ihren Aufgaben auf dem Betrieb. Junge Nachfolger haben aus ihrer Ausbildung und Studium oft viel Wissen, aber keine Weisheiten. Sie brauchen die Vorgeneration, die ihnen Abläufe und Prozesse erklärt. „Das Wissen ist gut, aber die Weisheit ist viel viel wichtiger“, sagt Schlamann. Der Unternehmensberater appelliert an die Eltern, den Kindern als Mentor zur Seite zu stehen und bei schwierigen Entscheidungen zu unterstützen und zu begleiten.

„Ein 28-Jähriger braucht unbedingt einen Rahmen auf dem Betrieb, sie brauchen Verantwortlichkeiten.“, erklärte der Unternehmensberater anhand des Modells der sieben Jahres Rhythmen (s. Grafik). 35-Jährige seien dagegen in der Rushhour ihres Lebens. Sich festlegen, hoher Arbeitseinsatz, Familiengründung, Kinder und sich Niederlassen sind Themen die diesen Altersabschnitt begleiten. Sie sind in der Regel zu mit Arbeit und haben keine Zeit sich für ein Ehrenamt oder Ähnliches zu engagieren.

Das Modell der sieben Jahres Rhythmen zeigt die verschiedenen Lebensabschnitte eines Landwirten. (Bildquelle: Lenfers)

Status-Quo-Analyse erstellen

„Sie sind mit dem Thema Hofübergabe nicht alleine. Das Thema vererben, übergeben und schenken umfasst nicht nur Landwirte, sondern die gesamte Gesellschaft“, sagte Finanzplaner Schulz der VR-Bank. Die Bank werde in einem Nachfolgeprozess häufig erst sehr spät mit einbezogen. „Wir wollen jedoch viel früher in den Prozess einsteigen.“, sagte Schulz. Eine frühzeitige Status-Quo-Analyse des betrieblichen und vor allem des privaten Vermögens sei wichtig, um eine Entscheidungsbasis zu haben. Erst danach sollten die Übergeber mit dem Nachfolger konkreter in den Dialog treten. Auch Themen wie Pflege oder der plötzliche Verlust eines Betriebsleiters sollten Landwirtsfamilien frühzeitig mit ihrem Bankberater besprechen.

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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