Start-up

Landwirt kreiert Düngermarke für Kleingärtner

Landwirt Johann Falter betreibt einen Biogasbetrieb in Oberbayern. Um die anfallenden Gärreste zu verwerten, entwickelte er ein Verfahren, Naturdünger daraus zu produzieren. Diesen vertreibt er an Hobbygärtner.

Landwirtschaftsmeister Johann Falter schlägt mit seiner Geschäftsidee gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Der 26-Jährige verarbeitet den in seiner Anlage mit einer installierten Leistung von 850 kw/h anfallenden Gärrest zu Naturdünger, den er an durchaus zahlungsbereite Hobbygärtner verkauft. Für die Trocknung der Gärreste verwendet er die Abwärme seiner Biogas-Anlage. Damit verschafft er dem Betrieb im Oberbayerischen Pleiskirchen neben Aufmerksamkeit vor allem ein zweites Standbein im außerlandwirtschaftlichen Bereich. Und wenn die „Falter Naturdüngerhandel GmbH“ wächst, kann er anderen Landwirten noch Gärreste abnehmen, die diese aufgrund der neuen Düngeverordnung (DüVO) ohnehin dringend loswerden müssen.

Ausgangslage: sinnvolle Wärmeverwertung

„In meinen Augen war der Gärrest schon immer einer der hochwertigsten organischen Dünger, der rein aus pflanzlichen Produkten und tierischen Nebenprodukten besteht“, sagt Agrarbetriebswirt Johann Falter. „Viele haben immer nur von der Entsorgung der Gülle geredet und bis heute nicht verstanden, den Gärrest richtig einzusetzen.“ Das wollte der 26-Jährige anders machen. Er kaufte sich Anfang 2018 eine spezielle Gärresttrocknungsanlage und einen Pelletierer.

Beides rüstete er nach seinen Vorstellungen so um, dass er die Abwärme aus der Biogas-Anlage für die Trocknung der hochwertigen Gärreste nutzen kann. „Das war die Ausgangslage“, erzählt Johann. „Die Wärme stand auf dem Betrieb ohnehin zur Verfügung und die wollte ich möglichst effizient und sinnvoll verwerten.“ Erst hatte der umtriebige Unternehmer im Sinn, die Wärme für einen Hähnchenstall zu nutzen. Aber dann entschied er sich für ein Standbein im außerlandwirtschaftlichen Bereich.

Fast 1 Million Euro investiert

Während einer Entwicklungszeit, die nach Aussage des Gründers noch immer nicht ganz abgeschlossen ist, werkelte Johann lange an der Pelletieranlage herum. „Ich habe verschiedene Anlagenteile und auch die Steuerung selbst nach meinen Vorstellungen und Erfahrungen dazugebaut“, berichtet er. Das Verfahren sei nun voll einsatzbereit – und befindet sich darüber hinaus in der Patentierung.

Johann Falter glaubt an seine Idee. Und das muss er auch, schließlich hat er rund 800.000 € netto in sein Unternehmen gesteckt. Diese gewaltige Summe umfasst alle Maschinen, die Markenanmeldung, das Marketing, den Aufbau und den Betrieb des Online-Shops, die Werbung und Verpackung. Die Gelder für die F

So sieht der Dünger in Pelletform aus. (Bildquelle: Piepenbrock)

Wenn schon ein neues Unternehmen gründen, dann richtig. „Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann habe ich mir dieses Vorhaben vorab reichlich überlegt. Und dann will ich auch mit aller Kraft Erfolg haben,“ so Falter.

Die richtigen Verpackungsgrößen zu entwickeln, war ein Lernprozess. Mit einem Bigpack kann kein Hobbygärtner etwas anfangen. (Bildquelle: Piepenbrock)

Eine Teillösung für das DüVO-Problem?

Seit kurzem ist der Online-Shop am Start. Bislang kann der Verbraucher dort Dünger in geflockter und in pelletierter Form kaufen, in den nächsten Tagen auch als Granulat. Auch in regionalen Gartenmärkten findet sich der Falter-Dünger. Für 2,5 kg geflockten Dünger zahlt der Kunde 16 €. Der 5-kg-Pellet-Sack kostet 24,97 €.

Ebenfalls in Kürze erhältlich ist ein Dünger, der mit Orangenduft bearbeitet ist. Auf diese Weise eignet er sich auch als Zimmerpflanzendünger. Nicht nur beim Umbau der Technik musste der Jungunternehmer viel ausprobieren und lernen. Auch die richtige Preisfindung war ein langer Lernprozess, sagt Johann. „Erst haben wir viel zu große Verpackungsgebinde produziert.“ Auch ins Marketing musste sich der gelernte Landwirt erst einarbeiten.

Derzeit befindet sich Johann in Gesprächen mit mehreren Betreibern von Biogas-Anlagen, die ihm ihre Gärreste liefern möchten. Er sagt, von seiner Produktidee könnten am Ende auch die Abgeber der Gärreste und die gesamte Biogasbranche profitieren. Sie könnten nicht nur mit guten Abnahme-Preisen rechnen – sondern auch ihr „DüVO-Problem“ eindämmen. Johann Falter hofft, dass die Anlagenbetreiber mit ihm zusammenarbeiten werden, um eine starke Marke zu vermarkten. „Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, wirkt sich das nur negativ auf den Preis aus.“

So sieht der Dünger in Pelletform aus. (Bildquelle: Piepenbrock)

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Artikel geschrieben von

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Diskussionen zum Artikel

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von Stefan Lehr

@Steffek

Die Idee ist bereits gute 10 Jahre alt. Leider hat sie sich nicht in der Praxis durchgesetzt, da die Herstellungskosten des Duengers fuer die Landwirtschaft zu hoch sind. Hier gilt einfach die Devise: Je kleiner die Packung, desto hoeher der Preis. Dadurch wird das Ganze oekonomisch sinnvoll fuer den Hersteller. Wenn man dann auch noch das Glueck hat in der Anfangsphase in einer doch finanziell starken Region (oder nahe dran) zu sein, dann umso besser. In Vorpommern wuerde diese Idee nicht so einfach umsetzbar sein, da das Umfeld mit der Kaufkraft fehlt. Trotzdem finde ich es eine tolle Sache und wuensche dem Jungunternehmer den maximalen Erfolg.

von Gerhard Steffek

War nur eine Frage der Zeit -

bis so eine Lösung gefunden wurde. Warum eigentlich nicht früher auch von staatlicher Seite angestoßen? Denn damit wird es auch leichter möglich in den tierischen Hochburgen die Problematik des Wirtschaftsdüngers zu erleichtern. Denn hochverdichtet und getrocknet wird diese Ware auch im großen Maßstab transportfähig und kann leichter in vieharme Gegenden verfrachtet und auf den dortigen Feldern als Dünger verwendet werden. Da ist dann halt die Gebindegröße ein Sattelzug.

von Josef Doll

Geht jetzt der NGO -Schuß

den Tierhochburgen wegen Gülleüberdüngung defakto zu verbieten nach hinten los. Ich habe zwar schon immer gedacht, warum man Torf nicht durch einen trockene Gülle ersetzen könnte. Da wäre er und ich denke das der "Biologische Dünger " sich durchsetzen wird . Ganz einfach weil er Wirkt. Den Versuch der von den einschlägigen NGOs kommen wird ,wird durch die gute Düngerwirkung wohl verpuffen. Außer den Grünen dem politischen Sprachrohr kann dem ein irgenwie geartetes Ökoverbot noch entgegensetzten.

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