Vieh- und Pflanzenbautag RLP

Westpfalz: Landwirtschaft in einem sich wandelnden Spannungsfeld

Zahlreiche Landwirte und interessierte Verbraucher informierten sich beim Vieh- und Pflanzenbautag Rheinland-Pfalz im Hofgut Neumühle über „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Klimawandel, wachsender Weltbevölkerung, Tierwohl und Verbrauchererwartungen“. „Passt auf, dass wir die Viehhaltung im Land nicht verlieren“, warnte Eberhard Hartelt.

ist eine „wichtige und für die Zukunft der Landwirtschaft bedeutsame Veranstaltung, da sie die neuesten fachlichen Entwicklungen aufzeigt und Erkenntnisse bringt“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder am Freitag zur Begrüßung der Gäste.

Das Hofgut Neumühle betreibe wissenschaftliche Forschung mit Renommee. Sorge bereite die Lehrwerkstätte Schweinehaltung, denn die Landesregierung weigere sich, die notwendigen Sanierungen des Stalls zu fördern, da es in Rheinland-Pfalz immer weniger schweinehaltende Betreibe gebe. Doch wenn man die Lehrwerkstätte für Schweine schließe, gefährde man die anderen beiden Lehrwerkstätten (für Milchvieh und Schafe), so Wieder. Er verwies aber auf Bestrebungen, mit der Fachhochschule Bingen zu kooperieren.

Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Hofgut Neumühle. Er beklagte das schlechte Image der Landwirtschaft im öffentlichen Bewusstsein, das von den Medien gefördert werde.

Und Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd sagte an die Adresse der Landesregierung gewandt: „Passt auf, dass wir die Viehhaltung im Land nicht verlieren.“ Den vom Landesrechnungshof geforderten Personalabbau in der Agrarverwaltung wies er zurück; viele Projekte, wie Flurbereinigungsverfahren, würden aufgrund fehlenden Personals nicht vorankommen. Zu den in der Diskussion stehenden Themen meinte er: „Wasser-, Arten- und Insektenschutz sind längst von der Landwirtschaft aufgegriffen.“

"Landwirte müssen immer öfter sinnlose Investitionen tätigen"

In seinem Gastvortrag „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Klimawandel, wachsender Weltbevölkerung, Tierwohl und Verbrauchererwartungen“ kritisierte Karsten Schmal, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands, die fehlende Verlässlichkeit der Politik, wodurch Landwirte oft zu Investitionen gezwungen seien, die nichts einbrächten.

„Der Bedarf an Lebensmitteln wird deutlich steigen.“ Man würde es nicht mehr schätzen, dass Lebensmittel ständig und überall in Fülle vorhanden seien. Die Landwirtschaft stehe als Treibhausgas-Mitverursacher in der Kritik, sie sei jedoch nur mit sieben Prozent an dessen Ausstoß beteiligt. „Die Landwirte sind Mitbetroffene des Klimawandels, nicht Verursacher.“ Eine wichtige Frage sei, ob die Landwirte in der Lage seien, ihre Erträge zu verdreifachen, denn 2050 soll die Weltbevölkerung auf neuneinhalb Milliarden Menschen anwachsen; dahingegen stünde immer weniger Ackerfläche zur Verfügung.

„Insgesamt sind weltweit nur vier Prozent der Fläche für Pflanzenbau zu Ernährungszwecken geeignet.“ Nicht gerechtfertigt sei auch, dass die Auflagen in Deutschland höher seien als in anderen Ländern der Europäischen Union, wodurch die hiesige Landwirtschaft nicht wettbewerbsfähig sein könne.

John Deere wünscht sich vollumfänglich nachhaltige Landwirtschaft

Prof. Dr. Peter Pickel vom Europäischen Technologie- und Innovationszentrum (ETIC) John Deere stellte in seinem Vortrag „Auf dem Weg zur digitalen Landwirtschaft“ das Leitziel der Landwirtschaft in den nächsten 30 Jahren vor: Es gelte, mehr Nahrungsmittel mit weniger Betriebsstoffen herzustellen und dabei nicht mehr Landflächen zu verbrauchen. Als Vision sprach er von einer „nachhaltigen Landwirtschaft im sozialen, ökonomischen und ökologischen Sinne“.

Um dies zu erreichen, müsse man vier Prinzipien verfolgen; so müsse man die Nachhaltigkeit im Blick haben, das heißt bei Entwicklungen auch die Umweltauswirkungen erkennen. Das automatisierte Fahren landwirtschaftlicher Geräte werde Einzug halten; die Gesetzeslage müsse dies noch ermöglichen.

Unverzichtbar sei auch eine Elektrifizierung, die effizienter sei und den Zugang zu erneuerbaren Energien herstelle. Der landwirtschaftliche Betrieb werde künftig auch energieerzeugend sein, was den Landwirten eine Kostenersparnis bringe. Auch werde das Internet immer mehr zum Einsatz kommen; die Daten würden in sogenannten Clouds gespeichert. Eine Flächenabdeckung der Netzstrukturen sei die notwendige Voraussetzung.

Dr. Karl Landfried, Leiter des Hofguts Neumühle, stellte zwei digitale Projekte des Gutsbetriebs des Bezirksverbands Pfalz vor: Dies sei einmal die Lokalisations- und Gesundheitssoftware InnoCow, die es ermögliche, dass Daten aus dem Milchviehbestand zusammengetragen und analysiert würden, und ein Kooperationsprojekt, unter anderem mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), bei dem Modelle für den sicheren Austausch von Daten entwickelt würden.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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