Urteil

Schaufelschlag gegen Motorradfahrer: Körperletzung oder Mordversuch?

Ein Landwirt hat mit einer Schaufel einen auf dem privaten Feldweg kommenden Motorradfahrer am Helm getroffen. Im Gerichtsverfahren ging es nun darum, ob es Absicht war oder ein Versehen.

Motorradfahrer (Symbolbild ohne Bezug zum Fall) (Bildquelle: Ralf Kistner / pixelio.de)

Glimpflich ausgegangen ist für einen Landwirt aus dem Kreis Soest das Gerichtsverfahren gegen ihn wegen Mordversuch. Im April 2015 berichteten wir über den Fall. Damals fuhren zwei Motorradfahrer über Feldwege und durch eine Pflugfurche. Als sie bei einem zu der Zeit 27-jährigen Landwirt vorbeikamen, traf sie seine Handschaufel am Kopf. Der Fahrer stürzte und erlitt Knochenbrüche.

Die 2015 bei der Aktion zerbrochene Schüppe war nun auch im Gerichtsverfahren Gegenstand der Beweisführung: War es ein Mordversuch oder ein Versehen, wie der Angeklagte darstellt?

Das Gericht urteilte nun, dass die Darstellung des Landwirts glaubhaft sei. Er habe weder gehört noch gesehen, dass sich Motorradfahrer auf dem Feldweg näherten. Der Schlag sei also nicht absichtlich geschehen, so die Richter. Der Bauer darf sich nun ein Jahr lang nichts zu schulden kommen lassen und muss dem Opfer 3.000 Euro Entschädigung zahlen.

Die Motorradfahrer treffe im Übrigen eine Mitschuld, weil sie dort auf dem Feldweg eigentlich nicht hätten fahren dürfen. Das Urteil hat viele Prozessbeobachter überrascht. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Revision eingelegt.

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Diskussionen zum Artikel

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von Freygang GbR

wäre auch denkbar...

wäre auch denkbar, das die Motorradfahrer einen "Mordversuch" planten und der Landwirt in Notwehr handelte, da hatte der Landwirt leider keinen guten Anwalt...

von Klaus Saffer

Ursache und Wirkung

Wäre die beiden Motorradfahrer nicht illegalerweise auf diesem Feldweg unterwegs gewesen, hätten sie auch nicht auf den Landwirt treffen können. Damit haben die für mich keine "Teilschuld" sondern die alleinige Schuld! Wären Sie nicht dort gewesen, wäre nichts passiert. Ist jetzt nur die Frage, wie lang es dauert bis es die Richter auch genauso kapieren.

von Paul Siewecke

Mordversuch? Fragwürdig...

Damit eine Tat als Mord (versuch) gewertet werden kann, muss die Handlung geplant gewesen sein, es müssen niedere Motive vorliegen und eventuell sogar "besondere Heimtücke" festgestellt werden. Wenn da auf den arbeitenden Bauern plötzlich (und sicher auch unerwartet!) zwei Motorradfahrer (sicher nicht langsam und rücksichtsvoll) zukommen, kann es schon mal zum Selbstschutz zu einer Affekthandlung (Reflex) kommen. Alleine schon vor Schreck und dann nimmt man eben, was gerade verfügbar ist... Meine persönliche Meinung zu dem Thema! (und gut, dass es noch (relativ!) glimpflich ausging)

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