Feinstaub

Unstatistik des Monats: „Todesfalle Landwirtschaft“

Schweine sind nach Deutung der Tagesschau und des Magazins Monitor gefährlicher als Dieselautos. Die Meldungen zur Feinstaubbelastung aus der Landwirtschaft von Mitte Januar haben nach Ansicht des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung den Titel "Unstatistik des Monats" verdient. Eine Beispielrechnung entlarvt die Falschdeutung der Medien.

Berichte in den öffentlich-rechtlichen Medien über vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub aus der Landwirtschaft sind laut dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (vormals Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) die "Unstatistik des Monats". Es werde suggeriert, dass Schweine gefährlicher sind als Diesel-Autos und den größten Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub verursachen – doppelt so viele wie bisher angenommen. Für die "Tagesschau" sei damit klar, dass Feinstaub ebenso gefährlich ist wie Rauchen.

Rund 50.000 Menschen sterben vorzeitig Jahr für Jahr in Deutschland an den Emissionen der Landwirtschaft (insbesondere der Massentierhaltung) errechnete das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Das seien 45 Prozent und damit der größte Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub – doppelt so viele wie bisher angenommen, fasst das RWI die Kernaussagen aus dem Januar 2019 zusammen.

Doch das Konzept der „Anzahl vorzeitiger Todesfälle“ sei ein Musterbeispiel einer Unstatistik. Dazu schreibt das RWI: "Zunächst stirbt in Deutschland kein einziger Mensch an Feinstaub, sondern an Erkrankungen, die durch Feinstaub (mit) verursacht sein können, es aber nicht sein müssen. Das Max-Planck-Institut untersucht auch gar nicht, ob Feinstaub die Gesundheit von Menschen beeinflusst, sondern setzt voraus, dass dies der Fall ist und darüber hinaus sogar quantifiziert werden kann. Dabei handelt es sich aber nicht um gemessene Fakten, sondern um Modellergebnisse, die auf Annahmen beruhen und eine hohe Unsicherheit von mindestens +/- 50 Prozent aufweisen."

Der Grund sei, dass man nicht weiß, wie viele Menschen vorzeitig verstorben sind, sondern nur, um wieviel kürzer sie im Schnitt gelebt haben. Man könne lediglich versuchen, die Anzahl der vorzeitig Verstorbenen herzuleiten, heißt es aus Essen. Hierzu suche man eine Formel, die ein plausibles Ergebnis für den beobachteten Unterschied der Lebensdauer liefert.

Wie kommen Unterschiede in der Lebensdauer zustande?

Diese Formel ist laut RWI die „Attributable Fraktion“. Sie werde oft verwendet, sehe kompliziert aus und könne in manchen Situationen auch zu den Daten passen. "Nur – niemand weiß, ob sie tatsächlich stimmt. Die Datenbasis solcher epidemiologischen Studien sind zusammenfassende Statistiken über Gruppen von Menschen, die zeigen, dass (manche, nicht alle) Gruppen mit hoher Feinstaub-Exposition im Durchschnitt kürzer gelebt haben als (manche, nicht alle) Gruppen mit niedriger Exposition. Selbst wenn diese Gruppen in allen anderen Merkmalen identisch wären, so wie Zwillinge, gibt es immer noch verschiedene Möglichkeiten, wie der Unterschied zustande kommen kann", erklärt das Leibniz-Institut weiter.

Stirbt jeder Mensch in der belasteten Gruppe um ein Jahr früher, so lebt die belastete Gruppe auch im Durchschnitt ein Jahr kürzer. "Nehmen wir beispielsweise drei Zwillingspärchen: Zwillingspaar eins stirbt mit 79 bzw. 78 Jahren, Paar zwei mit 80 bzw. 79 Jahren und Paar drei mit 81 bzw. 80 Jahren. Drei Personen leben kürzer und im Durchschnitt lebt die belastete Gruppe ein Jahr kürzer. Nehmen wir nun alternativ an, dass die belasteten und unbelasteten Zwillinge der Paare eins und zwei exakt gleichlang leben. Nur Paar drei unterscheidet sich: Einer stirbt mit 81 Jahren, der andere mit 78. Dann gibt es nicht drei vorzeitige Todesfälle, sondern nur einen, aber im Durchschnitt lebt die belastete Gruppe ebenfalls ein Jahr kürzer. Bei Tausenden oder gar Millionen von Menschen steigt die Zahl möglicher Kombinationen massiv an."

Deshalb sei zwar eine Aussage über die durchschnittliche Zahl verlorener Lebensjahre pro Person vernünftig, aber eine Aussage über die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Feinstaub sei es nicht. Denn letztere könne viel kleiner sein oder auch viel größer, als diese "Unstatistik" glauben macht. "Wer wie die Tagesschau suggeriert, das Max-Planck-Institut hätte nun durch präzise Berechnungen widerlegt, was man zuvor nur angenommen hat, der handelt mindestens grob fahrlässig."

VIDEO: defacto - Feinstaub durch cdie Landwirtschaft, seit Jahren verharmlost

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Einfach eine billige Schuldzuweisung auf die Landwirtschaft übertragen, geht so nicht!

Bauern- Bashing bleibt weiterhin ein Volkssport, wo sich die Medien dran abarbeiten. Die Folge sind Unterschriftenaktionen, wie in Bayern, wo die Existenz der Landwirtschaft hinterfragt wird! Die weiteren Begleiterscheinungen erspare ich Euch, jeder weiß selber aus seinem Umfeld, was für Blüten dieses Treiben anrichtet.

von Friedhelm Weber

Und immer noch..

wird der Anschein erweckt, das sämtlicher Feinstaub aus Stickstoffverbindungen besteht. Was ist nur aus dem lieblichen Reifenabrieb, dem Ruß, dem Saharastaub geworden?

von Paul Siewecke

Gegenstatistik...

selbständige Landwirte werden deutlich älter als Arbeiter oder Handwerker oder Ingenieure.... Nicht umsonst sind die Alterskassenbeiträge so hoch

von Gregor Grosse-Kock

Zu viel Feinstaub

Wenn alles so schlimm ist? Warum macht uns der Staat kein Kaufangebot oder wie bei der Stromproduktion Entschädigungsangebote. Dann können wir aufhören mit der Volksverärgerung und die NGO s braucht auch keiner mehr. Spart viele Spenden, der EU Haushalt wird gestraft. Die hirnlosen Studien sind Überflüssig und auch der DBV. Habe mit DBV telefoniert - Antwort -bin nur Agrarwissenschaftler!!!

von Jörg Meyer

Dankeschön

Ein Dankeschön an Herrn Prof. Krämer für die "Unstatistik des Monats", dass er und seine Kollegen hin und wieder auch Landwirtschaftliche Themen aufführen und aufzeigen wie übel der Landwirtschaft mitgespielt wird! Wann bringen unsere Agrarunis so etwas zustande, ich würd mich freuen!

von Wilhelm Schulte

Alexander Audrit

Hier sind doch die Schweine haltenden Präsidenten betroffen da könnte man annehmen das die Demonstrieren gehen, wie beim Zuckerrüben Anbau. Der Rest scheint halt egal zu sein

von Gerhard Rieder

Hilflos

und hilflos wirkt der Bauernverband, solch eine Fehlmeldung gehört in der Luft zerrissen.....

von Thomas Blöthner

Weder Schwein noch Diesel

sind das Problem, einzig diese linksgrünen Ideologen! Ausnahmslos alles was ihnen nicht passt wir als Klima und umweltschädlich dargestellt und die schreibende Zunft die zu 70 % gleich tickt unterstützt sie nach Kräften. Hat sich schon Jemand mal gefragt warum z.B.Flugverkehr nicht thematisiert wird ? lg

von Alexander Audrit

Bin mal gespannt...

...was die Berufsvertretung der Landwirtschaft gegen diese wiederholte Verleumdung und das unerträgliche Bauernbashig der Lügenpresse unternimmt.

von Walter Rothenbacher

Schafft sie ab

die Landwirtschaft. Man braucht sie einfach nicht mehr. Das Fleisch kauft man beim Discounter und nicht beim Metzger , da werden einfach keine Tiere geschlachtet. Die die Umwelt doch so belasten.

von Wilhelm Grimm

"Mit Ideologen kann man nicht diskutieren".

sagt der Dalai Lama.

von Bernd Müller

Und ähnlich...

verhält es sich mit dem Insektensterben...

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